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Niedersachsen Durchbruch im Streit um Marienburg: Land will 13,6 Millionen Euro für Sanierung zahlen
Nachrichten Politik Niedersachsen Durchbruch im Streit um Marienburg: Land will 13,6 Millionen Euro für Sanierung zahlen
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00:15 30.06.2019
Nachdem sich die Kaufpläne wegen des Zerwürfnisses der Welfen zerschlagen haben, soll die Marienburg in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht werden. Quelle: Holger Hollemann/dpa
Hannover

Die Sanierung der maroden Marienburg bei Pattensen scheint finanziell gesichert zu sein. Das Land will die fehlenden 13,6 Millionen Euro bis 2025 im Landeshaushalt bereitstellen. Nach HAZ-Informationen sollen im kommenden Jahr zunächst 100.000 Euro fließen, in den Folgejahren dann höhere Summen.

Die rot-schwarze Landesregierung berät am kommenden Wochenende bei einer Klausurtagung in Hannover über den Etat 2020. Die Sanierung des Welfenschlosses bei Pattensen soll insgesamt rund 27,2 Millionen Euro kosten. Die Kosten werden geteilt: Wie das Land hat auch der Bund dafür 13,6 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Allerdings soll Erbprinz Ernst August das Schloss nicht mehr, wie ursprünglich geplant, verkaufen. Stattdessen soll die Immobilie in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht werden. Unklar ist noch, wie Ernst August senior die Idee findet.

Das Wissenschaftsministerium wollte sich am Mittwoch nicht zu den Plänen äußern. Auch Ernst August Erbprinz von Hannover hält sich derzeit bedeckt: Er stehe „in konstruktiven Gesprächen mit allen Beteiligten“, sagte er der HAZ. In der Vergangenheit hatte er versichert, es gehe ihm vor allem darum, das kulturhistorische Erbe für das Land zu erhalten und die Arbeitsplätze auf dem Schloss zu sichern.

Kauf scheitert an Einspruch des Welfenchefs

Damit könnte der monatelange, teilweise öffentlich ausgetragene Streit um den Erhalt der Marienburg endgültig gelöst sein. Im vergangenen November hatten Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) und Ernst August junior Pläne vorgestellt, nach denen eine Tochter der Klosterkammer die Marienburg für einen symbolischen Betrag von einem Euro übernehmen sollte. Als der Vater des Erbprinzen jedoch Einwände gegen einen Verkauf anmeldete und schließlich sogar die Burg zurückforderte, die er dem Sohn 2004 geschenkt hatte, legte das Land den Deal wegen der unsicheren Rechtslage auf Eis.

Thümler hielt aber – auch gegen Widerstände in der rot-schwarzen Regierungskoalition – am Ziel fest, die Marienburg als nationales Kulturdenkmal der Öffentlichkeit zu erhalten. Der CDU-Politiker bezeichnete die Burg als kulturelles Highlight Niedersachsens, verglich sie mit dem berühmten Schloss Neuschwanstein in Bayern. Im März erklärte Ernst August junior, dass er die Burg nicht mehr verkaufen wolle. Gleichzeitig präsentierte Thümler seinen neuen Plan: die Gründung einer gemeinnützigen Stiftung, in die die Immobilie und ein Teil der Welfen-Wertgegenstände einfließen sollen.

Ernst August junior kann sich Betrieb nicht leisten

Allerdings musste zuvor noch die Finanzierung der notwendigen Reparaturen geklärt werden. Ohne Sanierung keine Stiftung, hieß es aus der Koalition. Ernst August junior hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass er sich Betrieb und Erhalt der defizitären Marienburg nicht leisten könne, da dies seine finanziellen Mittel übersteige. Die Koalition scheint sich prinzipiell einig zu sein, dass 13,6 Millionen Euro investiert werden müssen. Die 100.000 Euro, die dafür im nächsten Haushalt eingeplant werden, wirken allerdings eher wie eine symbolische Geste.

Schloss Marienburg GmbH übernimmt Gastronomie am 1. Juli

Die Pläne, die Thümler unter anderem im CDU-Fraktionsvorstand vorgestellt hat, sehen auch vor, dass die Schloss Marienburg GmbH – geführt von Unternehmer Carl Graf von Hardenberg und Nicolaus von Schöning – den Besichtigungs-, Gastronomie- und Veranstaltungsbetrieb auf der Marienburg am 1. Juli übernehmen kann. Damit sei auch die Sicherung der rund 60 Arbeitsplätze auf der Burg verbunden, hieß es. Eine frühere Übernahme war am geplatzten Verkauf der Marienburg an das Land gescheitert.

Marienburg Quelle: Foto: Chris Gossmann

Landesmuseum soll mehr als 100 Kunstschätze kaufen

Neben der Immobilie soll das Adelshaus etwa 1700 von rund 1800 Kunstwerken auf dem Schloss im Gesamtwert von etwa 6 Millionen Euro in die Stiftung Schloss Marienburg einbringen, die am 1. Januar 2020 ihre Arbeit aufnehmen soll. Den Vorsitz der Stiftung soll Ernst August junior übernehmen, das Land soll im Stiftungsrat vertreten sein. Außerdem soll das Landesmuseum Hannover – mithilfe von verschiedenen Stiftungen – für rund 2 Millionen Euro insgesamt mehr als 100 Kunstschätze der Welfen kaufen, die einen besonderen Wert für das Land haben.

Allerdings gibt es bei den neuen Marienburg-Plänen noch Unsicherheiten. Aufbau und Aufgaben der Stiftung sowie die künftige Finanzierung der Marienburg bleiben unklar – oder sind zumindest öffentlich nicht bekannt. Nicht ausgeschlossen ist auch, dass sich Welfenchef Ernst August senior wieder einmischt.

Welfen streiten auch ums Geld

Weil die Welfen ihr marodes Schloss nicht selbst sanieren können, springt das Land ein. Zwar brachte eine Auktion auf der Marienburg im Jahr 2005 rund 44 Millionen Euro ein. Das Geld sei aber weg, sagte Ernst August Erbprinz von Hannover. Zunächst seien vom Auktionserlös erhebliche Kosten und Provisionen abgegangen. Ein Großteil des Nettoerlöses sei für Verbindlichkeiten verwendet worden, die sich in den Jahren aufgestaut hätten, bevor er die Verantwortung übernommen habe. „Die in erheblichem Maß aufgelaufenen Schulden meines Vaters mussten getilgt und Umfinanzierungen vorgenommen werden.“ Der verbleibende Erlös sei direkt ins Schloss investiert worden, etwa in den Ausbau des Hauptturms und des Restaurants.

Welfenchef Ernst August senior sieht die Dinge etwas anders und wirft seinem Sohn im Gegenzug vor, die historisch bedeutsamen Gebäude der Welfen wie die Marienburg, die Fürstenhäuser Herrenhausen oder die Hofstelle Calenberg sowie wertvollste Kunstschätze zu verscherbeln. Der Senior hat mit Klagen gedroht.

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Von Marco Seng und Simon Benne

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