Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Niedersachsen Bedenken gegen gesetzliche Impfpflicht
Nachrichten Politik Niedersachsen Bedenken gegen gesetzliche Impfpflicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:37 25.03.2019
Eine kleine Spritze schützt vor Masern. Kommt die gesetzliche Impfpflicht? Quelle: dpa
Hildesheim

Zwei Wochen durften sie wegen fehlenden Masern-Impfschutzes nicht in die Schule, seit Montag sitzen rund 80 Hildesheimer Schülerinnen und Schüler wieder im Unterricht. Ein Mädchen sei während der Zeit des Ausschlusses tatsächlich an Masern erkrankt, sagte eine Sprecherin des Landkreises Hildesheim. „Dies zeigt, wie wichtig das Schulbetretungsverbot war.“

Auch fünf Mitarbeiter hatten die Oskar-Schinder-Gesamtschule in dieser Zeit nicht betreten dürfen. An zwei weiteren Hildesheimer Schulen müssen noch insgesamt neun Kinder ohne ausreichenden Impfschutz zu Hause bleiben. In Hannover, wo ein Schulkind an Masern erkrankt ist, dürfen derzeit sechs Kinder nicht in ihre Grundschule. Masernerkrankungen sind gefährlich und können tödlich enden.

Der Vorstoß der SPD in Berlin für die Einführung einer Impflicht gegen Masern stößt nicht überall auf Zustimmung. Statt auf Zwang und Sanktionen müsse man das Vertrauen in eine gute Beratung stärken und auf herrschende Verunsicherungen eingehen, sagte die Gesundheitspolitikerin der Grünen, Kordula Schulz-Asche dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Dazu brauchen wir eine Aufwertung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes und bessere personelle Ausstattung“, erklärte die Bundestagsabgeordnete.

Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) schließt eine Impfpflicht nicht aus. Diese sei zu diskutieren, „wenn es langfristig zu einer Verschlechterung der derzeitigen Situation kommen sollte“, sagte Reimann der HAZ. „Masernerkrankungen sind vermeidbar! Es ist nicht hinnehmbar, dass es noch Masernausbrüche in einem medizinisch so gut versorgten Land wie Deutschland gibt. Es handelt sich keineswegs um eine harmlose Erkrankung. Jeder hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Die Kosten werden von den Krankenkassen erstattet“, erklärte die Ministerin. Da eine gesetzliche Impfpflicht stark in die Selbstbestimmung der Menschen eingreife, müsse zunächst geprüft werden, ob die Abwendung der gesundheitlichen Bedrohung der Bevölkerung nicht auch durch andere Maßnahmen erreicht werden könne, hieß es aus dem Ministerium.

Von Christina Sticht und Lisa Neugebauer