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Niedersachsen Niedersachse Günter Heiß soll Geheimdienste koordinieren
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14:46 30.11.2009
Vom Klavierlehrer in Isernhagen zum Koordinator der Geheimdienste in Berlin: Günter Heiß. Quelle: Ralf Decker
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Es gab Zeiten beim niedersächsischen Verfassungsschutz, da meldeten sich die Mitarbeiter der Behörde am Telefon nur mit „Abteilung 6 des Innenministeriums“. So geheim war dieser Geheimdienst, dass jeder dort gehalten war, nicht mal den Namen des Arbeitgebers zu nennen. Diese Zeiten sind vorbei, das liegt auch am Präsidenten des Landesamtes, Günter Heiß. So bescheiden der Verwaltungsjurist im Auftreten ist, so wenig scheute er in den vergangenen Monaten das Licht der Öffentlichkeit. Ob bei Diskussionen über Rechtsradikale, Linksextremisten oder Islamisten – Heiß sucht das offene Forum.

Nun soll dieser Mann von Hannover nach Berlin wechseln, als Angela Merkels neuer Geheimdienstkoordinator im Kanzleramt. Offizielle Mitteilungen dazu gibt es noch nicht. Heiß bestätigte die anstehende Veränderung aber am Sonntag: „Ja, ich bin gefragt worden, ob ich das mache. Ich freue mich auf die neue Aufgabe“. Sein Vorgänger Klaus-Dieter Fritsche steigt zum Staatssekretär im Bundesinnenministerium auf.

In seiner neuen Rolle im Kanzleramt wird Heiß die Aufsicht über den Bundesnachrichtendienst (BND) haben, der im Ausland Informationen für die Bundesrepublik beschafft. Außerdem soll Heiß die beiden anderen Geheimdienste, den Militärischen Abschirmdienst (MAD) und das Bundesamt für Verfassungsschutz, im Blick behalten.

Der 57-Jährige muss dabei gut zuhören. Dass er das kann, hat er schon zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn bewiesen: Nach dem Abitur hatte Heiß zunächst Musik studiert. Zehn Jahre war er danach als Lehrer an der Musikschule in Isernhagen tätig – und studierte parallel Jura. Auch die designierte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, Tochter des ehemaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht, war von Heiß unterrichtet worden.

Anfang der achtziger Jahre folgte die zweite Karriere des Günter Heiß: Er wurde zunächst Verwaltungsrichter, dann Referent im Innenministerium. Zum Abteilungsleiter für Katastrophenschutz stieg er auf, seit Anfang 2007 leitet der Vater zweier erwachsener Töchter das Landesamt für Verfassungsschutz.

Als ein ARD-„Tatort“ mit Kommissarin Charlotte Lindholm alias Maria Furtwängler ein sehr düsteres Bild des Verfassungsschutzes zeichnete, waren Politiker hellauf empört. Heiß jedoch schrieb keinen Beschwerdebrief, sondern schickte der Schauspielerin eine freundliche Einladung in seine Behörde.

Der Verfassungsschutzpräsident, der einen trockenen Humor hat und sehr ironisch sein kann, fiel im Sommer bei einem CDU-Empfang in Hannover auf, weil er seinen Koffer abgestellt und so unabsichtlich einen Bombenalarm ausgelöst hatte. Die Kanzlerin scheint ihm trotz dieser „Eselei“, wie er selbst es nannte, zu vertrauen. Es waren auch keine geheimen Unterlagen in dem Koffer, lediglich ein Pressespiegel, ein paar Zeitschriften „und meine Sonnenbrille“.

Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) lobt die Arbeit seines obersten Verfassungsschützers: „Er war eine große Vertrauensperson für mich. Er hat in einer relativ kurzen Zeit viel bewegt.“ Heiß setzte sich für eine verstärkte Öffnung der abgeschotteten Behörde ein. Er stärkte die politische Bildung mit Veranstaltungen über den Rechts- und Linksextremismus. Vor allem wegen geplanter Immobiliengeschäfte von Rechtsextremisten in Niedersachsen waren die Einschätzungen des Behördenchefs gefragt. Ein erneutes NPD-Verbotsverfahren lehnt er ab.

Der gebürtige Helmstedter will weiter in Burgwedel in der Region Hannover leben, sich aber eine kleine Wohnung in Berlin suchen. Über das Vorstellungsgespräch bei Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte der humorvolle Jurist: „Ich bin gebeten worden, vorzusprechen und man hat offenbar Gefallen gefunden.“ Wann der Wechsel ansteht, ist noch nicht ganz klar.

Von Klaus Wallbaum / lni

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