Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Niedersachsen Lies will Hochwasserschutz ausbauen
Nachrichten Politik Niedersachsen Lies will Hochwasserschutz ausbauen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:50 16.07.2019
Umweltminister Olaf Lies besucht die Kuhbrücke in Hildesheim: Mit dabei Landrat Olaf Levonen (l.), Oberbürgermeister Ingo Meyer (3. v. l.) und Heinz Habenicht (Stadt Hildesheim). Quelle: Clemens Heidrich
Anzeige
Hildesheim/Langelsheim

„Dort drüben haben wir den bereits vorhandenen Damm ausgebessert und verstärkt“, erklärt Heinz Habenicht, Tiefbauchef der Stadt Hildesheim. Und Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) lässt den Blick gleiten über eine anmutige Feldlandschaft vor den Toren Hildesheims, die von kleinen Wällen umgrenzt ist. Hier plätschert die Innerste vorbei, ein idyllischer Fluss, der vom Harz in die Leine fließt, derzeit vielleicht zwei Meter tief. Doch vor zwei Jahren, nach Tagen heftiger Regengüsse, schwoll die Innerste gewaltig an, die Pegelstände erreichten bei Heinde die Marke 7,14 Meter, der Kulturcampus der Universität Hildesheim stand unter Wasser, die Schäden betrugen allein hier an die 4 Millionen Euro. „Wir werden häufiger mit solchen Ereignissen rechnen müssen“, sagt Lies, der auf pragmatische Abhilfe sinnt.

Zwei Sommerzeiten voller Extreme

Wasser als Bedrohung, Wassermangel als Gefahr – das sind die Themen, die den Umweltminister am ersten Tag seiner Sommerreise durch Niedersachsen umtreiben, nach zwei Sommerzeiten voller Extreme. Im Juli 2017 brachte Dauerregen gleich mehrere Städte und Ortschaften Niedersachsens in Gefahr, vor allem im Harz und im Vorharzgebiet. Die ehrwürdige Stadt Goslar soff ab, in Hildesheim wäre es fast zu einer Katastrophe gekommen, Ortsteile wie Itzum oder Städte wie Bad Salzdethfurth hatten mit den braunen Fluten der wild gewordenen Innerste zu kämpfen. Und danach die große Dürre im Jahr 2018, als die Harzwasserwerke die niedrigsten Pegelstände in ihren Stauseen registrierten und sich mangels Wasser schon beim jahrhundertealten Harzer Wasserregal bedienen mussten, das einst für den Bergbau im Harz konstruiert worden war und heute Unesco-Weltkulturerbe ist. „Wir müssen das Thema Klimawandel und -schutz noch ernster nehmen und auch als Staatsziel in der niedersächsische Verfassung festlegen“, sagt der Umweltminister. In der gewachsenen Sensibilität für das Klimathema sieht Lies eine Chance, das Land besser vorzubereiten.

Riesige Überflutungsfläche geplant

Doch in Hildesheim geht es erst einmal um konkrete Schritte, die die Bevölkerung etwas besser vor Hochwasser schützen könnten, beispielsweise eine riesige Retentionsfläche vor der Domäne Marienburg, in der der Kulturcampus der Universität arbeitet. Lies trifft sich mit Mitgliedern der Hochwasserschutzgemeinschaft Innerste, der zuständige Landrat Olaf Levonen ist dabei wie auch Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer. „Wie lange wird es dauern, bis hier Bagger anrollen können?“, fragt er. Vielleicht vier Jahre. So eine Überflutungsfläche müsse beantragt, genehmigt werden, das dauere. „Es gibt nicht eine Maßnahme, die Schutz verspricht, es sind immer mehrere“, sagt Lies, der den Hochwasserschutzgemeinschaften zwischen Goslar und Hildesheim erst einmal 27 Millionen Euro auf den Weg gibt, ein sehr bescheidener Betrag. Denn kosten werde ein umfassender Hochwasserschutz weit mehr. „Da werden wir bei einigen Hundert Millionen landen“, schätzt Lies. Hildesheims Oberbürgermeister Meyer hat nach dem letzten großen Hochwasser eine mobile Schutzeinrichtung angeschafft, die effektiver als Tausende Sandsäcke sein soll.

Von der Hildesheimer Flussidylle geht es in den Harz zur Innerstetal-Sperre, die mehr als 19 Millionen Kubikmeter Wasser fasst. Soviel sei in den Regen- und Hochwassertagen des Jahres 2017 in einer Woche zusammengekommen, berichtet Andreas Nagel von den Harzwasserwerken. Längst regele die Talsperre nicht nur die Trinkwasserzufuhr, sondern sei ein wichtiges Regulativ zum Hochwasserschutz. Und auch ein sehr wichtiger Kühlwasserlieferant für die großen Industriebetriebe wie Chemetall und Albemarle am Unterlauf der Innerste. Ein komplexes Unterfangen in Dürrezeiten, erfährt Lies. Denn in den heißen Tagen des Jahres 2018 sank der Füllstand der Talsperre auf 30 Prozent, was das Wasser immer wärmer werden ließ und ungeeigneter für die Kühlung.

Talsperren liefern Kühlwasser für die Industrie

Denn manchmal gerieten die verschiedenen Aufgaben einer Talsperre auch in Konkurrenz untereinander, erläutert Christoph Donner, technischer Geschäftsführer der Harzwasserwerke. Um Hochwasserspitzen abzufangen, sollte eine Talsperre möglichst gering gefüllt sein. Doch für die Trinkwasserversorgung und Niedrigwasseraufbereitung der abführenden Flüsse sollte sie möglichst voll sein. Fazit: Je größer sie seien, desto besser könnten Talsperren den verschiedenen Ansprüchen des Klimawandels gerecht werden. „Wir werden uns die Dimensionen der Talsperren genau ansehen“, sagt ein Umweltminister, der als Diplom-Ingenieur gewiss nicht zu den Gegnern solcher Talsperren zählt.

Von Michael B. Berger

Von den rund 90.000 Pflichtmitgliedern der Niedersächsischen Pflegekammer haben bislang erst 53.000 auf die Zahlungsaufforderung für den Mitgliedsbeitrag reagiert – und nur 18.000 haben bezahlt. Jetzt verschickt die Kammer Zahlungserinnerungen und droht mit Mahnungen.

16.07.2019

Die viel diskutierte Bertelsmann-Studie – Forderung: mehr große, weniger kleine Krankenhäuser – erntet im Flächenland Niedersachsen teils heftige Kritik. Aber es gibt auch Zuspruch von der CDU über die SPD bis zu den Grünen: Wichtig sei nicht allein die Zahl, sondern auch die Qualität der Krankenhäuser.

16.07.2019

Will er oder will er lieber nicht? Für Stephan Weil als möglichen SPD-Chef gäbe es Zustimmung aus Bremen. Doch der Ministerpräsident macht erst mal Urlaub und hat die Frage wohl zum Wandern in die Berge mitgenommen.

15.07.2019