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Niedersachsen Weihnachtsferien in Niedersachsen: Keine Verlängerung, aber Aussetzen der Präsenzpflicht
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Niedersachsen: Weihnachtsferien werden nicht verlängert, Präsenzpflicht entfällt

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10:21 14.12.2021
Hochgestellte Stühle in einer Schule. Die Weihnachtsferien in Niedersachsen werden trotz Corona-Pandemie nicht vorgezogen
Hochgestellte Stühle in einer Schule. Die Weihnachtsferien in Niedersachsen werden trotz Corona-Pandemie nicht vorgezogen Quelle: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
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Hannover

Die Weihnachtsferien in Niedersachsen werden weder vorgezogen noch verlängert. Das hat die rot-schwarze Landesregierung am vergangenen Freitagmittag beschlossen. Beides war in der Koalition erwogen worden, um die vierte Welle der Corona-Pandemie zu brechen. Allerdings hebt die Landesregierung die Präsenzpflicht für die Schülerinnen und Schüler an den letzten drei Unterrichtstagen vor den Ferien auf. Die Weihnachtsferien beginnen am 23. Dezember und enden am 7. Januar 2022.

Tonne: Schulschließungen nicht angemessen

„Ebenso wie alle anderen westdeutschen Bundesländer bleiben wir bei den festgelegten Ferienzeiten“, sagte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag. „De facto Schulschließungen durch das Vorziehen der Ferien sind nicht angemessen, da in den Schulen tragfähige und umfassende Schutzkonzepte bestehen. Auch in der aktuellen Lage können wir dem Recht auf Bildung durch Präsenzunterricht verantwortungsvoll nachkommen. Einschränkungen für Kinder und Jugendliche sowie Belastungen der Familien durch den Wegfall von Präsenzunterricht können in diesem Jahr verhindert werden, da wir mit Tests und Impfungen und optimierten Lüftungskonzepten schulisch und gesamtgesellschaftlich viel besser aufgestellt sind als noch im vergangenen Winter.“

Eltern können Kinder von der Präsenzpflicht befreien lassen

Eltern, die mit Blick auf noch nicht vollständig geimpfte oder geboosterte Familienmitglieder oder Angehörige aus Risikogruppen einen weitergehenden Schutz zum Weihnachtsfest benötigen, räumt die Landesregierung jedoch die Möglichkeit ein, ihre Kinder an den drei Tagen vor Beginn der Weihnachtsferien per formlosem Antrag vom Präsenzunterricht befreien zu lassen. Diese Möglichkeit betrifft den Zeitraum vom Montag, 20. Dezember, bis einschließlich Mittwoch, 22. Dezember 2021. Eltern können die Unterrichtsbefreiung nur zusammenhängend für alle drei Tage beantragen. Anspruch auf ein Distanzlernangebot haben die zu Hause bleibenden Schülerinnen und Schüler an diesen drei Tagen jedoch nicht, wie das Kultusministerium betont.

Kritik von Bildungsverbänden: Halbherzige Entscheidung

Die Bildungsverbände reagieren eher kritisch auf diese Regelung. Es sei genau die halbherzige Entscheidung geworden, die man befürchtet habe, sagt René Mounajed, Vorsitzender des Schulleitungsverbands: „ Präsenzunterricht Ja und Nein, volle und leere Klassenzimmer gleichzeitig. So bleibt es ein Kuddelmuddel, eine Notbetreuung für alle, nicht eigentlich entscheiden ist mal wieder die schlechtmöglichste Entscheidung.“

Volle Klassenzimmer, leere Klassenzimmer: Die freiwilligen verlängerten Ferien nennt René Mounajed vom Schulleitungsverband eine „halbherzige Entscheidung“. Quelle: Katrin Kutter

Ähnlich sieht das Michael Guder vom Landeselternrat: „Man hat sich vor einer klaren Entscheidung gedrückt und die Verantwortung wieder in die Familien geschoben, die Kinder zahlen wieder die Zeche für unbedarfte Erwachsene.“ Horst Audritz vom Philologenverband befürchtet, dass der Klausurenstress im Januar umso größer werde für die Schüler, er hätte eine bundesweit einheitliche Linie befürwortet.

Prinzipiell sei es richtig, die Ferien nicht vorzuziehen, sagt Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte, weil die Schulen unter allen Umständen offen gehalten werden müssten. Die Aussetzung der Präsenzpflicht sei aber problematisch, weil geplante Arbeiten jetzt in den Januar verschoben werden müssten. Arbeiten dürften vom 20. bis 22. Dezember nicht einmal geschrieben werden, wenn alle Schüler einer Klasse anwesend seien, sagt Mounajed.

Keine Online-Aufgaben für Daheimgebliebene? Eltern und Schüler empört

Online-Aufgaben soll es für Kinder, die vom Präsenzunterricht abgemeldet werden, an den drei letzten Schultagen vor Weihnachten nicht geben. Der Grund: Die Lehrkräfte seien schon jetzt hoch belastet. Quelle: Guido Kirchner/dpa

Wenn die Schüler, die vom Präsenzunterricht abgemeldet werden, keine Online-Aufgaben bekämen, sei der Bildungsauftrag nicht erfüllt, bemängeln Eltern- und Schülervertreter. Kultusminister Tonne hatte gesagt, dass die Lehrkräfte schon so überarbeitet seien, dass man ihnen zusätzlich zum Präsenzunterricht nicht auch noch zumuten könne, sich um die daheimgebliebenen Kinder zu kümmern. Sie könnten ihnen allenfalls mitteilen, welchen Lernstoff sie behandeln würden.

Das kritisiert Justus Scheper vom Landesschülerrat massiv: „Die Lehrkräfte können doch wohl Aufgaben ins Onlinemodul stellen oder kleine Lernvideos teilen.“ Für Pädagogen sei die Aussetzung der Präsenzpflicht auch keine gute Lösung, sagen Guder und Scheper. Neue Lernstoffe könnten nicht erarbeitet, weil immer jemand im Klassenverband fehle. Die Lerndefizite würden so noch größer, moniert Guder. Und Scheper sagt, jeder Tag Unterricht sei wertvoll in diesem Jahr mit den monatelangen Schulschließungen: „Drei Tage Schule sind drei Tage Schule.“

Dieser Weg sei ein „Kompromiss zwischen der Erfüllung des Rechts auf Bildung und dem gewünschten Schutz vieler Familien vor dem Eintrag von Infektionen“, meint Björn Försterling (FDP). Man hätte dies nur schon viel frühzeitiger entscheiden können.

Tägliche Tests nach den Ferien

In der ersten Woche nach den Weihnachtsferien soll es wieder tägliche Selbsttests geben. Quelle: Sebastian Gollnow/dpa

In der ersten Woche nach den Weihnachtsferien, vom 10. Januar bis einschließlich 14. Januar, sind wie schon nach den Herbstferien tägliche Tests an den Schulen vorgesehen. Das gilt auch bei Klassenarbeiten, Abitur- sowie Abschlussprüfungen, wie das Ministerium weiter mitteilt. Ausgenommen von der Testpflicht sind Schülerinnen und Schüler, die vollständig geimpft oder genesen sind. Mit Beginn der zweiten Schulwoche ab 17. Januar seien dann wieder wie derzeit drei Tests pro Woche vorgesehen.

Land verschärft die Maskenpflicht

Außerdem verschärft die Landesregierung nach den Ferien die Maskenpflicht an den Schulen: Ab dem ersten Schultag nach den Ferien, dem 10. Januar 2022, müssen alle Schülerinnen und Schüler mindestens eine medizinische Mund-Nasen-Bedeckung (OP-Maske) tragen, auch Kinder unter 14 Jahren. Diese jüngeren Schülerinnen und Schüler durften bisher auch eine einfache Stoffmaske tragen.

Von Marco Seng und Saskia Döhner