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Niedersachsen Ab 2020 werden Pfarrer in Niedersachsens evangelischen Kirchen knapp
Nachrichten Politik Niedersachsen Ab 2020 werden Pfarrer in Niedersachsens evangelischen Kirchen knapp
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00:17 10.04.2019
Arbeitet an Strategien gegen den Pfarrermangel: Oberlandeskirchenrätin Nicola Wendebourg, hier mit Landesbischof Ralf Meister. Quelle: dpa
Hannover

Im Gegensatz zur katholischen Kirche, die seit Jahren auch wegen des Zölibats über erheblichen Priestermangel klagt, hatten die evangelischen Kirchen bisher keine Nachwuchsprobleme. Doch schon bald könnten in Niedersachsens Kirchen empfindliche Lücken drohen. Der Pastorenschwemme der achtziger und neunziger Jahre folgt der Pastorenmangel, vor allem ausgelöst durch die Pensionierungswelle der geburtenstarken Jahrgänge. „Das Loch wird ab 2020 deutlich spürbar sein“, sagt die Personaldezernentin der hannoverschen Landeskirche, Nicola Wendebourg.

Oldenburg verliert gut die Hälfte der Pfarrer

Noch in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es wesentlich mehr Anwärter als Pastorenstellen in den evangelischen Kirchen. Nicht wenige, die das lange Theologiestudium und die anschließende gut zweijährige Berufsausbildung, das Vikariat, geschafft hatten, mussten umsatteln. Doch seit einigen Jahren hat sich der Trend gedreht. Im Augenblick, skizziert Wendebourg, gebe es 40 freie Stellen bei einem Gesamtraufkommen von 1600 Stellen in der hannoverschen Landeskirche, die die größte in Deutschland ist. Doch ab 2020 gingen die geburtenstarken Jahrgänge in Pension, verabschiedeten sich über zehn Jahre pro Jahr 100 Pfarrer in die Rente, während nur noch 50 neue dazu kämen. In der wesentlich kleineren oldenburgischen Kirche gingen sogar bis 2030 von derzeit 260 Pfarrerinnen und Pfarrern 160 in den Ruhestand, sagt Pressesprecher Dirk-Michael Grötzsch: „Bis 2030 sollen ein Drittel der Stellen abgeschmolzen werden.“

Während die Oldenburger derzeit kräftige Einsparungen vornehmen (hier sind in den ländlichen Gebieten die Kirchensteuereinnahmen nicht gewachsen), stellen andere Kirchen im Hinblick auf die „drohenden“ Pensionierungen bereits „über den Durst“ ein. So etwa die braunschweigische Kirche, wie Sprecher Michael Strauß berichtet: „Den Pfarrermangel haben wir so nicht.“ Strauß berichtet sogar von leicht steigenden Studierendenzahlen. Allerdings machten sich auch in Braunschweig ab 2022 die gealterten „Babyboomer“ von einst bemerkbar. Allerdings sänken dann auch die Mitgliederzahlen in der braunschweigischen Kirche – eine Folge des allgemeinen demografischen Wandels.

Der Oldenburger Grötzsch macht für den sich abzeichnenden Nachwuchsmangel auch die Tatsache verantwortlich, dass noch vor einigen Jahren ausgebildete Pastoren abgewiesen werden mussten. Zudem legten junge Leute mehr Wert auf eine „ausgeglichene Work-life-Balance“, zu der der Pfarrerberuf schlecht passe, weil die Theologen eigentlich stets ansprechbar sein sollten. Zudem, so heißt es aus anderen Kirchen, werde es immer schwieriger, junge Pfarramtskandidaten „aufs Land“ zu locken. Auch in der Kirche ist bei den Hauptamtlichen eine gewisse Landflucht zu beobachten.

Altersgrenze auf 70 setzen?

In der hannoverschen Landeskirche arbeitet man derzeit mit verschiedenen Mitteln gegen drohenden Personalmangel. So werde etwa diskutiert, die Altersgrenze von 67 auf 70 Jahre hochzusetzen, berichtet Wendebourg. „Das ist eine Möglichkeit und geht natürlich nur auf freiwilliger Basis“, betont Andreas Dreyer, Vorsitzender des hannoverschen Pfarrvereins. Dreyer glaubt, dass nur ein Bruchteil seiner Kollegen von dieser Möglichkeit Gebrauch machen werden. Auch soll nach Wendebourgs Worten die Jugendarbeit verstärkt werden. Zur Zeit profitiere die hannoversche Landeskirche noch davon, dass sie auch viele Bewerber aus anderen Landeskirchen anzieht – und auch konvertierte katholische Priester. Dies ist allerdings eher die Ausnahme.

Von Michael B. Berger

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