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Niedersachsen Tonne reagiert scharf auf Wulff: „Deplatzierte Kritik des Altbundespräsidenten“
Nachrichten Politik Niedersachsen

Niedersachsens Kultusminister reagiert über Wulffs Corona-Schelte

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08:04 23.09.2021
Verschnupft über Wulff: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne.
Verschnupft über Wulff: Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne. Quelle: Fotostand / Matthey
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Hannover

Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hat die Kritik von Altbundespräsident Christian Wulff (seit der Wahl zum Bundespräsidenten ruht seine CDU-Mitgliedschaft) scharf zurückgewiesen, das Land gehe zu streng mit den Schulkindern in der Corona-Pandemie um. „Der Vorstoß des Altbundespräsidenten ist höchst irritierend“, sagte Tonne am Mittwoch der HAZ. „Herr Wulff scheint zu vergessen, dass es für Kinder unter zwölf Jahren kein Impfangebot gibt und dass viele Jugendliche über zwölf Jahren noch nicht geimpft sind. Daher sind Sicherheitsmaßnahmen zur Absicherung des Präsenzunterrichts nach wie vor notwendig.“

Nicht nachvollziehbare Ungleichbehandlung?

Der Altbundespräsident und frühere Ministerpräsident hatte zuvor den Umgang mit Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie bemängelt. Er sehe eine „nicht mehr nachvollziehbare Ungleichbehandlung zwischen jungen Menschen und Erwachsenen“, sagte Wulff der HAZ. „Die Schulen sind strenger geregelt als die Erwachsenenwelt – das ist empörend.“ Der Altbundespräsident sagte: „Gerade Niedersachsen geht da einen sehr, sehr harten Weg, den ich für überzogen halte.“

„Empörend“: Alt-Bundespräsident Christian Wulff übt scharfe Kritik an Niedersachsens Corona-Regeln für Schüler. Quelle: Friso Gentsch/dpa

 Tonne betonte demgegenüber die Notwendigkeit der Sicherheitsmaßnahmen in der Schule. „Die Alternative wäre Massenquarantäne für Schülerinnen und Schüler – eine denkbar schlechte Idee, wenn man auf des Beispiel England schaut. Das hilft Kindern und Eltern jetzt überhaupt nicht, wir stehen für Verlässlichkeit und Präsenzunterricht.“ Bedauerlicherweise bleibe Wulff Vorschläge schuldig, wie die Schulen in der Pandemie anders ausgestaltet werden sollten. „Insofern ist das ein unsachlicher Einwurf von der Seitenlinie, der von einem Altbundespräsidenten deplatziert wirkt. Herr Wulff trägt in der Krise keine Verantwortung.“

Präsenzunterricht funktioniert – trotz hoher Inzidenzen

Die Fakten zeigten hingegen, so Tonne, dass Niedersachsens Maßnahmen wirkten und der Präsenzunterricht trotz hoher Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen funktioniere. „Mit 200 Millionen Euro nimmt Niedersachsen sehr viel Geld in die Hand, dieses Geld kommt Kindern und Jugendlichen verdientermaßen und berechtigterweise zugute – diese Fakten darf auch Herr Wulff zur Kenntnis nehmen“, erklärte der Kultusminister.

Von Michael B. Berger