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Niedersachsen Was bringen die neuen Düngeregeln?
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00:18 27.04.2019
Ein Landwirt verteilt Gülle auf einem Feld. Niedersachsen als deutsches Agrarland Nummer eins belastet seine Böden weiterhin zu stark mit Dünger. Quelle: Philipp Schulze/dpa
Hannover

In Niedersachsen ist das Grundwasser teilweise mit Nitrat belastet. Dafür wird vor allem die Landwirtschaft verantwortlich gemacht. Die Bauern bringen zu viel Gülle und Kunstdünger auf den Feldern aus. Eine Trendwende ist nicht absehbar – das geht aus dem aktuellen Nährstoffbericht hervor.

Warum gibt es den Bericht?

Der Nährstoffbericht wird seit 2013 jährlich durch die Landwirtschaftskammer Niedersachsen erstellt. Dabei werden das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) und der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) einbezogen. Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) hat am Mittwoch ihren zweiten Bericht vorgelegt.

Welche Daten wurden im aktuellen Bericht verwendet?

Die Daten des sechsten Düngeberichts sollen darstellen, was im ersten Jahr nach der verschärften Düngeverordnung in Niedersachsen passiert ist. Die Ergebnisse stammen aus dem Meldezeitraum 1. Juli 2017 bis 30. Juni 2018. Die Düngeverordnung trat am 2. Juni 2017 in Kraft.

Wie viel Dünger ist angefallen?

Insgesamt ergeben sich laut Agrarministerium aus der Tierhaltung 47,3 Millionen Tonnen Dung (Vorjahr 47,6 Millionen Tonnen), davon 36,7 Millionen Tonnen Gülle und 10,6 Millionen Tonnen Festmist. Dadurch sind insgesamt 367.300 Tonnen Stickstoff sowie 139.492 Tonnen Phosphor produziert worden. Das sind insgesamt geringere Mengen als im Vorjahr. Unter dem Strich bleibt aber: In den im Bericht betrachteten zwölf Monaten sind immer noch 50.000 Tonnen Stickstoff mehr angefallen, als die Pflanzen zur Düngung gebraucht hätten.

Welche Gründe werden für den geringeren Dung- und Nährstoffanfall angeführt?

Zum einen die verringerten Tierbestände seit dem Nährstoffbericht vor einem Jahr. Die Zahl der Rinder hat sich in diesem Zeitraum um rund 27.000 Tiere verringert (bei insgesamt rund 2,6 Millionen Rindern). Für Schweine gibt es rund 73.000 Plätze weniger (bei insgesamt 10,5 Millionen Schweinen). Zu den insgesamt rund 104 Millionen Geflügeltieren sind 394.000 hinzugekommen. Zum anderen wird das schlechte Wetter angeführt. Die Bauern konnten sowohl im feuchten Winter 2017/2018 als auch im trockenen Frühling 2018 weniger Dünger ausbringen als sonst. Die Wirkungen der neuen Düngeverordnung seien noch nicht messbar, hieß es.

Welche Landkreise haben die größten Probleme?

In sieben Landkreisen liegt die Stickstoffbelastung pro Hektar über dem Grenzwert von 170 Kilogramm: Grafschaft Bentheim, Emsland, Cloppenburg, Vechta, Oldenburg, Ammerland, Rotenburg. In sechs Kreisen ist auch die Phosphorbelastung zu hoch. In 21 von 37 Landkreisen in Niedersachsen liegen die mittleren Nitratkonzentrationen im Sickerwasser infolge der hohen Stickstoffüberschüsse über dem Richtwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter. Wird eine Nitratkonzentration von nicht mehr als 50 Milligramm angestrebt, müssten insgesamt 56.000 Tonnen Stickstoff eingespart werden.

Was will das Agrarministerium tun, um die Belastung zu senken?

Zum einen soll die Gülle künftig wieder aufbereitet werden. Die entsprechenden Anlagen müssen allerdings noch gebaut werden. Otte-Kinast kündigte zudem an, dass noch in diesem Jahr eine Datenbank ans Netz gehen soll, um Düngebedarf und Nährstoffvergleiche flächendeckend zu erfassen. Damit werde eine flächendeckende Transparenz der Nährstoffströme in Niedersachsen möglich werden, die gezielte Vor-Ort-Kontrollen und gegebenenfalls Sanktionen erlaube. Niedersachsen will mit den Maßnahmen die von der EU geforderte weitere Verschärfung des Düngerechts durch den Bund möglichst verhindern. Danach sollen noch mal 20 Prozent Dünger eingespart werden.

Was sagen die anderen?

Die FDP forderte eine differenziertere Betrachtungsweise. „Nur die wirklich belasteten Regionen sollten auch als solche ausgewiesen werden. Gleichzeitig brau­chen wir weniger Auflagen in den Regionen, die nachweislich keine Nährstoffüberschüsse aufweisen“, sagte der FDP-Landtagsabgeordnete Hermann Grupe. Grünen-Fraktionsvize Miriam Staudte warf Otte-Kinast vor, ihrer Ankündigung, notfalls die Tierbestände zu reduzieren, keine Taten folgen zu lassen. „Die Reduktion des Mineraldüngers ist auf die Trockenheit im vergangenen Jahr zurückzuführen, nicht auf Maßnahmen der Landesregierung“, erklärte der Naturschutzbund BUND. Landvolkpräsident Albert Schulte to Brinke warnte vor einer Verallgemeinerung, dass grundsätzlich zu viel Gülle und Gärreste ausgebracht würden.

Von Marco Seng

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