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Niedersachsen "Platdüütsch is wat heel besünners"
Nachrichten Politik Niedersachsen "Platdüütsch is wat heel besünners"
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17:40 14.09.2011
Plattdeutsche Premiere im Landtag: Eine Stunde lang haben die Abgeordneten in der Regionalsprache debattiert. Quelle: dpa
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Hannover

Selten gab es im Landtag in Hannover soviel Gelächter und Einigkeit: Auf Plattdeutsch haben die Parlamentarier am Mittwoch eine Stunde lang über eine bessere Förderung der Regionalsprache debattiert - dies war eine Premiere. Abgeordnete aller Fraktionen meldeten sich in der Mundart zu Wort. Und wer den regionalen Zungenschlag nicht verstand, holte sich Übersetzungshilfe vom Banknachbarn. Erklärter Wille der Politik ist, dass das für die regionale Identität wichtige Platt besser gefördert werden muss, damit es nicht verloren geht.

„Platdüütsch is moedertaal van gans Neddersassen“, das Plattdeutsche ist die Muttersprache aller Niedersachsen, betonte der CDU-Abgeordnete Ulf Thiele. Mehr als eine Million Menschen sprächen Platt, und die Hälfte der Niedersachsen könne die Regionalsprache verstehen. Allerdings habe sich die Zahl der Menschen, die mit dem Platt etwas anfangen könne, binnen einer Generation halbiert, gab der Linken-Parlamentarier Patrick Humke zu bedenken. „Plattdeutsch muss man sprechen, sonst geht diese Sprache verloren“, erklärte er - natürlich in lupenreinem Platt.

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„Auffallend ist, dass es so ruhig ist im Plenarsaal“, stellte Landtagspräsident Hermann Dinkla während der Debatte fest. Kein Wunder: Auf Platt nämlich duzten die Abgeordneten sich schnell über Parteigrenzen hinweg und statt den üblichen Verbalattacken gab es meist eher etwas zu Lachen. Einen Ordnungsruf - mit einem Augenzwinkern - kassierte dann doch der SPD-Abgeordnete Claus Peter Poppe. Er hatte die Vertreter von CDU und FDP als „Klaugschnacker un Wieshopen“, als Klugschwätzer und Schlauberger betitelt. „Allns halben Kraom“, meinte er zum Regierungseinsatz für das Platt.

Feuer und Flamme indes war am Ende Justizminister Bernd Busemann (CDU): „Das müssen wir einmal im Jahr machen“, war sein Fazit, nachdem er sich zuvor in der Regionalsprache in Schwung geredet hatte. „Ik hoop ik hebt dütlik mookt: platt is wat heel besünners - und wi könnt up platt vööl segen wat wi up hochdüts neit können“, meinte der Grünen-Abgeordnete Ralf Briese. Plattdeutsch sei etwas besonderes und damit ließen sich Dinge sagen, die man auf Hochdeutsch nicht sagen könne. Damit die Sprache erhalten bleibe, müsse es mehr Unterricht auf Platt in den Schulen geben. Dort habe nach dem Krieg mit dem Verbot des Plattdeutschen der Niedergang der Regionalsprache begonnen.

dpa

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