Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Niedersachsen Mord in 85 Fällen: Niels Högel zu lebenslanger Haft verurteilt
Nachrichten Politik Niedersachsen Mord in 85 Fällen: Niels Högel zu lebenslanger Haft verurteilt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 09.06.2019
Niels Högel vor der Urteilsverkündung: Vorzeitige Entlassung so gut wie ausgeschlossen. Quelle: Hauke-Christian Dittrich/dpa
Oldenburg

Der Klinikmörder Niels Högel ist erneut zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Oldenburg befand den Ex-Krankenpfleger am Donnerstag für schuldig, 85 Patienten in den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst mit Medikamentenspritzen getötet zu haben. In 15 angeklagten Fällen wurde Högel freigesprochen. Das Gericht stellte die besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren in der Praxis so gut wie ausschließt. Zudem legte die Kammer Högel die Kosten des Verfahrens bei den verurteilten Taten auf. „Herr Högel, Ihre Taten sind unbegreiflich“, sagte Richter Sebastian Bührmann bei der Urteilsverkündung, die zwei Stunden dauern soll. „Ihre Schuld ist so groß, dass ich sie nicht umfassen kann.“

43 Taten gestanden

Angeklagt war Högel wegen 100 Morden. 43 Taten hatte er selbst gestanden. Mit dem Urteil endete ein rund sieben Monate langer Prozess. Am Mittwoch hatte Högel sich bei den Angehörigen entschuldigt, viele Nebenkläger damit aber verärgert: „Es ist mir immer gegenwärtig, wie viel unfassbares Leid ich durch meine schrecklichen Taten verursacht habe“, hatte er gesagt. Er habe unzähligen Menschen das Wertvollste genommen, das man haben könne: das Leben. „Reue und Scham sind meine täglichen Begleiter.“

Niels Högel: „Es ist mir immer gegenwärtig, wie viel unfassbares Leid ich durch meine schrecklichen Taten verursacht habe.“ Quelle: dpa

Seit 2009 in Haft

Högel hat die Patienten zwischen den Jahren 2000 und 2005 an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst ermordet. Dabei hat der heute 42-Jährige seinen Opfern unterschiedliche Medikamente gespritzt haben, um sich bei einer anschließenden Reanimierung als Retter zu präsentieren. Viele Patienten überlebten das nicht. Högel wurde bereits 2015 unter anderem wegen zweifachen Patientenmordes zu lebenslanger Haft verurteilt und sitzt seit 2009 im Gefängnis in Oldenburg.

In den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst wurden die Patienten mit Medikamentenspritzen getötet. Quelle: dpa

Mehr zum Thema:

Kommentar: Der Skandal ist das Versagen von Kliniken und Behörden

Högel: „Ich wollte erwischt werden“

Patientenmörder wurde von Kollegen gelobt und gefürchtet

Högel: „Ich weiß nicht, warum ich so eiskalt war“

Gelogen? Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Zeugen im Högel-Prozess

Von Marco Seng

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die CDU will die Leistungen der Beamten honorieren und den öffentlichen Dienst in Niedersachsen attraktiver machen – etwa mit einem Jahresbonus von 300 Euro. Dafür sollen Stellen in der Verwaltung abgebaut werden.

08.06.2019

Der Klinikmörder Niels Högel spricht beim Prozess in Oldenburg von unfassbarem Leid, das er bei Angehörigen, Kollegen und Freunden verursacht habe. Die Verteidigung forderte am vorletzten Verhandlungstag Freispruch in 31 Fällen, die dem Ex-Pfleger nicht zweifelsfrei nachweisbar seien.

05.06.2019

Der Neubau der Medizinischen Hochschule Hannover verzögert sich erneut. Wissenschaftsminister Björn Thümler hofft, dass es 2022 losgeht. Eine landeseigene Gesellschaft soll das Großprojekt in Hannover und den Bau der Universitäts-Medizin in Göttingen beschleunigen. Ob die geplanten 2,1 Milliarden Euro dafür reichen, ist unklar.

07.06.2019