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Niedersachsen Reisebüros laufen gegen die TUI Sturm
Nachrichten Politik Niedersachsen Reisebüros laufen gegen die TUI Sturm
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08:29 12.09.2013
Von Jens Heitmann
1900 Reiseverkäufer haben gegen die aktuelle Verkaufspolitik der TUI eine Onlinepetition gestartet. Quelle: dpa
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Hannover

Die Unzufriedenheit mit der TUI gäre schon lange, sagte Sandra Postulart von JMS Reisen in Hannover. „Das Fass zum überlaufen gebracht hat die Ankündigung, an Bord von TUIfly eine Zwei-Klassen-Gesellschaft einzuführen.“

Der Reisekonzern will ab Mai 2014 an Bord des Ferienfliegers nur noch Kunden seiner teuren Anbieter TUI, Robinson und Airtours kostenlos mit Getränken und Essen versorgen. Pauschalurlauber der Billigmarken Discount Travel und 1-2-Fly sowie Gäste, die nur den Flug buchen, sollen für die Verpflegung extra zahlen. Gleiches gilt für Passagiere von konzernfremden Veranstaltern – falls die Konkurrenten für ihre Kunden keine TUI­fly-Aufschläge in Kauf nehmen. Zudem dürfen die Gäste in der zweiten Klasse nur 15 statt 20 Kilogramm Gepäck mitnehmen – oder draufzahlen.

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„Das erhöht unseren Beratungsaufwand enorm“, sagt Postulart, die im Aufsichtsrat der Kooperation Best-RMG sitzt, der 500 unabhängige Reisebüros angehören. In der Internetpetition werden manche Unterzeichner noch deutlicher: „So macht man ein gutes Produkt mit einem Federstrich kaputt“, schreibt einer. „Welche realitätsfremden Schreibtischtäter, bar jeder praktischen Erfahrung an der Front, haben sich die letzten schwachsinnigen Entscheidungen der TUI bloß ausgedacht?“, fragt ein anderer. Mit solch „fragwürdigen Entscheidungen“ bröckele das TUI-Qualitätssiegel.

Den Reisebüros geht es jedoch um mehr als die feinen Unterschiede an Bord der Maschinen – auch sie selbst fühlen sich von der TUI schlecht behandelt. Um seine Rendite zu erhöhen, will der Veranstalter mehr Reisen mit höheren Margen verkaufen. Dazu zählen vor allem Urlaube, die man bei keinem Konkurrenten buchen kann, wie beispielsweise Robinson-Clubs oder Sensimar-Hotels. Entsprechend hat die TUI ihr Provisionsmodell für die Reisebüros verändert – sehr zum Ärger der Agenturen, die dadurch ihre Unabhängigkeit bedroht sehen.

„Seit vielen Jahren agiert die TUI in Gutsherrenmanier und behandelt uns als ihre Bauern“, schimpft ein Unterzeichner der Petition. Auch vom „Umsteuern auf andere Veranstalter“ ist die Rede – das liefe auf einen Boykott der TUI hinaus.

Unter den TUI-Mitarbeitern löst das Besorgnis aus. „Wenn man Kunden so vergrätzt, dann ist das grenzwertig“, sagte ein Betriebsrat. Gerade ein eher hochpreisiges Unternehmen müsse darauf achten, sein Markenversprechen auch einzulösen. „So ein Feedback kann daher auch ganz heilsam sein“, ergänzte ein anderer Arbeitnehmervertreter.

Das Management selbst lässt sich davon nur wenig beeindrucken. „Als Marktführer müssen wir innovative Dinge ausprobieren“, sagte ein TUI-Sprecher. Damit ziehe man zuweilen öffentliche Schelte auf sich – bis die ersten Konkurrenten nachzögen. „Das müssen wir eben aushalten“, hieß es weiter. Die TUI beabsichtige daher nicht, die geplanten Änderungen zurückzunehmen.

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