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Niedersachsen Land verbietet Waldsperrung für Wolfsschützer
Nachrichten Politik Niedersachsen Land verbietet Waldsperrung für Wolfsschützer
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00:18 20.04.2019
Lärmende Wolfsschützer sorgen im Landkreis Nienburg für Ärger bei den Jägern. Quelle: Patrick Pleul/dpa
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Hannover

Eine örtliche Jagdgenossenschaft im Landkreis Nienburg will Bürgern eine Woche lang verbieten, nachts den Wald in der Gemeinde Steimbke zu betreten – um ungestört von lärmenden Wolfsschützern jagen zu können. Doch das hat die Landesregierung jetzt untersagt. In Hannover sieht man keine rechtliche Grundlage für ein solches Betretungsverbot. „Nach Einschätzung des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums ist eine Sperrung des Waldes durch eine Jagdgenossenschaft nicht möglich“, erklärte das Ministerium am Mittwoch.

Wolfsschützer wollen Abschuss des Rüden verhindern

Damit dürfen auch Wolfsschützer weiter nachts durch den Wald im Ortsteil Sonnenborstel streifen und dabei laute Geräusche machen, um den Leitwolf des Rodewalder Rudels zu vertreiben und so seinen Abschuss zu verhindern. Jäger hatten sich darüber beschwert, dass der Lärm auch andere Tiere im Wald verschrecke und vor allem die Jagd auf Wildschweine behindere.

Der Ärger mit Wolf GW717m

Der Problemwolf mit der Kennung GW717m beschäftigt Weidetierhalter, Jägerschaft und Landesregierung schon seit geraumer Zeit. Der Leitwolf des sogenannten Rodewalder Rudels soll zahlreiche Nutztiere gerissen haben, darunter auch Rinder und Ponys. Die Ausnahmegenehmigung zum Töten des Rüden läuft bereits seit Ende Januar, sie wurde inzwischen bis Ende April verlängert. Die in Deutschland streng geschützten Wölfe dürfen nur im Ausnahmefall getötet werden. Wolfsschützer hatten vergeblich versucht, die Ausnahmegenehmigung gerichtlich zu stoppen. Das niedersächsische Umweltministerium hatte zuletzt darauf hingewiesen, dass die Gefahr weiterer Risse von geschützten Nutztieren unverändert fortbestehe. Sorgen bereitet dem Ministerium auch das Jagdverhalten des Tieres – so wird befürchtet, dass der Wolf seine Erfahrungen mit dem Überwinden von Zäunen an andere Mitglieder des Rudels weitergibt.

Der Wolf soll abgeschossen werden, weil er Rinder in einer Herde gerissen und dabei wolfsabweisende Zäune überwunden hatte. Trotz mehrerer Sichtungen ist es den vom Umweltministerium beauftragten Jägern aber bisher nicht gelungen, den Rüden zu erlegen.

Genossenschaft plant Wildschweinjagd bei Vollmond

Nach Angaben des Landkreises hatte die Jagdgenossenschaft ab dem 17. April ein Betretungsverbot für mehrere Reviere in Sonnenborstel ausgesprochen, um dort ungestört den Vollmond für die nächtliche Wildschweinjagd nutzen zu können. „Den Wunsch können wir verstehen“, sagte Landkreissprecher Cord Steinbrecher der HAZ. Die Sperrung des Waldes sei aber nicht rechtlich bindend. Mögliche Verstöße werde der Kreis deshalb nicht als Ordnungswidrigkeit verfolgen.

Die Jäger hatten zuvor einen Antrag beim Landkreis gestellt und um Hilfe gebeten. Dieser Antrag sei aber abgewiesen worden, sagte Kreislandwirt Tobias Göckeritz dem NDR. Auch die Polizei konnte demnach nicht helfen. „Das letzte Mittel, das uns nahegelegt worden ist, ist ein Betretungsverbot für eine Woche auszusprechen“, sagte Göckeritz.

Nach Angaben der Jäger war es ausdrücklich nicht Ziel des Verbotes, den Rodewalder Wolf zu erlegen. Es sei vielmehr auch darum gegangen, dass keine Menschen bei der Wildschweinjagd verletzt werden. Das Betretungsverbot für den Wald sollte zwischen 18 Uhr abends und 8 Uhr morgens gelten. Die Jagdgenossenschaft hatte allen mit Anzeigen gedroht, die in dieser Zeit trotzdem den Wald betreten.

Ministerium: Voraussetzungen für Sperrung nicht gegeben

Nach Angaben des Agrarministeriums sind Waldbesitzer nach dem niedersächsischen Gesetz über den Wald und die Landschaftsordnung zwar unter bestimmten Voraussetzungen durchaus dazu berechtigt, das Betreten ihrer Wälder durch das Aufstellen von Schildern oder Zäunen zu verhindern oder wesentlich zu erschweren – etwa zur Abwehr von Gefahren für Leib und Leben oder auch zur Brandverhütung. Diese Voraussetzungen seien aber nicht gegeben. Das Ministerium teile hier die Auffassung des Kreises. Zum anderen seien Jagdgenossenschaften als solche keine Grundbesitzer.

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Von Marco Seng

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