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Niedersachsen SPD stellt Suche nach Gas infrage
Nachrichten Politik Niedersachsen SPD stellt Suche nach Gas infrage
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20:28 05.11.2010
Von Stefan Koch
Auch in Bad Laer bei Osnabrück bohrt ExxonMobil nach Gas.
Auch in Bad Laer bei Osnabrück bohrt ExxonMobil nach Gas. Quelle: Exxon
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Die Suche nach Erdöl und Erdgas ist in Deutschland wieder populär. Dank neuer Techniken und hoher Energiepreise rechnet es sich wieder, auch nach kleineren Schätzen zu suchen. Rohstoffkonzerne sehen es vor allem auf das „unkonventionelle Gas“ ab, das in Schiefer gebunden und aus dem Gestein mit Wasser und Chemie ausgesprengt werden muss. Nach jüngsten Medienberichten soll diese Methode aber keineswegs unproblematisch sein: Selbst bei Probebohrungen soll es zu Umweltbelastungen kommen.

Gegenüber der HAZ bestätigte der Konzern ExxonMobil am Freitag, dass bei den Testbohrungen in Niedersachsen Chemikalien eingesetzt werden. Allerdings würden die Flüssigkeiten zu 98 Prozent aus Wasser bestehen. Hinzu kämen Quarzsand und Chemikalien, die 0,2 Prozent ausmachen würden – unter anderem Tetramethylammoniumchloride, Magnesiumchloride und Ethoxylated octylphenol. Allesamt Bestandteile, die weltweit bei ähnlichen Bohrungen üblich und den Genehmigungsbehörden bekannt seien.

Eingesetzt werden die Stoffe beim „Fracing“, einer speziellen Bohrmethode. Durch sie lässt sich das Erdgas selbst dann bergen, wenn es in kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen verstreut ist. Die Vereinigten Staaten haben ihre Förderung durch dieses „Fracing“ in jüngster Zeit enorm gesteigert. Bei Bohrungen in durchlässigem Gestein kommt die Methode nur selten zum Einsatz, bei der Gasförderung aus kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen dagegen häufig.

Detlef Tanke, Vizechef und umweltpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, zweifelt an diesem Verfahren: „Angesichts der Tatsache, dass Tausende Liter hochgiftiger Chemikalien bereits in den niedersächsischen Boden gepresst worden sind, werden wir so schnell wie möglich für die nächste Sitzung des Umweltausschusses des Landtages eine Unterrichtung verlangen.“ Tanke will insbesondere der Frage nachgehen, ob diese Fördertechnik vom Landesbergamt ausreichend geprüft worden ist.

Auf Unternehmensseite hält man diese Sorgen für unbegründet: „Die Verfahren sind hinlänglich geprüft und für gut befunden worden“, sagt Norbert Stahlhut, Sprecher des ExxonMobil-Standortes in Hannover. Umweltgefährdungen kann der Exxon-Mann nicht erkennen: Das Trinkwasser liege in einer Tiefe von bis zu 200 Meter. Die Gasbohrungen erreichten aber Tiefen von 1200 bis 1500 Meter. Dazwischen gebe es ausreichende Gesteindecken, die eine Vermischung ausschließen würden.

Auch in Berlin herrschen offenbar keine Bedenken gegen die Fördermethoden. Auf eine Anfrage der Grünen antwortete die Bundesregierung, dass „keine Erkenntnisse“ über Umweltgefährdungen vorliegen.“

In Niedersachsen sucht ExxonMobil bei Sulingen und bei Stadthagen nach Schiefergas. Kohleflözgas lockt die Firma in Bad Laer und bei Osnabrück.