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Niedersachsen Salzstock Gülze-Sumte soll Atom-Endlager werden
Nachrichten Politik Niedersachsen Salzstock Gülze-Sumte soll Atom-Endlager werden
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13:36 02.10.2011
In Sumte könnte ein neues Atommüll-Endlager entstehen. Quelle: dpa
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Sumte

Den Dörfern im Grenzland zwischen Niedersachsen und Mecklenburg sieht man Bauernwohlstand und Selbstbewusstein ihrer Bewohner an. Zum Beispiel Sumte, Amt Neuhaus, Niedersachsen: Gepflegt stehen die großen, alten niederdeutschen Hallenhäuser, Sinnsprüche der Erbauer zieren die Torbalken. Fachwerk und Rotklinker bestimmen das Bild. Die Spuren wechselvoller Geschichte bis in jüngste Zeit sind kaum auszumachen.

Bis 1989 lag der Ort im DDR-Grenzgebiet, dann gehörte er zu Mecklenburg-Vorpommern, 1993 entschieden sich die Bewohner des Amtes Neuhaus für Niedersachsen. Ein Salzstock tief unter der Erde könnte erneut einschneidende Veränderungen bringen. Wenn die Bundespolitik den Startschuss für eine bundesweite Suche nach einem atomaren Endlager geben sollte, würde wohl auch Sumte in den Blick genommen.

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Hintergrund ist die sogenannte Salzstudie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Die Untersuchung von 1995 empfiehlt, den Salzstock Gülze-Sumte neben Waddekath, Wahn und Zwischenahn (alle Niedersachsen) „in die weitere Diskussion einzubeziehen“. 41 Salzstöcke in Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Brandenburg waren betrachtet worden. Gorleben, seit 30 Jahren der einzige konkret ins Auge gefasste Ort, war nicht dabei. Umweltschützer und die Opposition kritisieren, der niedersächsische Salzstock an der Ex-Grenze zur DDR sei vor 30 Jahren aus politischen Gründen und nicht nach wissenschaftlichen Kriterien ausgewählt worden.

Heinrich-Hermann Sühr ist auf seinem Feld zugange. Er ist so verwurzelt mit der Scholle, dass er kurz vor dem Ende der DDR allen Widernissen zum Trotz nach Sumte zurückgekehrt ist. Im Jahr des Mauerbaus 1961 war er als Dreijähriger zusammen mit seinen Eltern zwangsausgesiedelt worden. Er wuchs in der Nähe von Schwerin auf. „Ich musste mich verpflichten, nicht in den Westen zu wollen“, erzählt der großgewachsene Landmann. Was er von der Möglichkeit eines Atom-Endlagers tief unter seinen Feldern hält? „Das muss man akzeptieren. Wenn man bestellt, muss man auch die Folgen tragen“, sagt er über billigen Atomstrom, von dem Deutschland jahrzehntelang profitiert hat.

Probebohrungen zur näheren Untersuchung des Salzstocks hat es bislang in Sumte und dem benachbarten, nach Neuhaus eingemeindeten Gülze nicht gegeben. Die Studie von 1995 fußt allein auf Literatur. Neben Salzstöcken könnten theoretisch auch Ton- und Granitlagerstätten in Deutschland für ein Endlager in Frage kommen. Aber: „Die Untersuchungen zu Ton und vor allem kristallinen Gesteinen sind (...) noch nicht so weit fortgeschritten“, heißt es auf der Internetseite der BGR.

Sumte liegt im Biosphärenreservat Niedersächsische Elbtalaue. Dirk Hammer versucht dort vom Tourismus zu leben, er vermietet Liegeräder. „Das geht doch nicht zusammen: oben Biosphärenreservat, unten Atomendlager“, wundert er sich. Und er sieht auch Gefahren durch die Elbe. „Es besteht doch eine erhebliche Hochwassergefahr bei uns.“ Mit der Klimaerwärmung dürfte die nicht geringer werden, meint er. Aber, nein, gesprochen werde im Dorf nicht über ein mögliches Endlager.

Das bestätigt auch Andrea Holz, sie wohnt im nahen Neuhaus. Sie denkt, dass sich die Situation ändern könnte, sollte es mit Endlagerplänen konkreter für Gülze-Sumte werden: „Da werden dann doch einige auf die Barrikaden gehen. Wer will denn so ein Endlager haben, kein Mensch will das.“ Das Protestieren könnten sie schnell lernen: Gorleben liegt nur eine dreiviertel Autostunde südlich von Sumte, Gülze und Neuhaus.

dpa

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