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Niedersachsen Angst vor Seuche: Lässt das Land massenhaft Wildschweine abschießen?
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07:01 17.01.2020
Das Wildschwein gilt als Überträger der Afrikanischen Schweinepest. Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa
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Hannover

Angesichts der drohenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) denkt Niedersachsens Landwirtschaftsministerium auch über unkonventionelle Methoden nach, das Seuchenrisiko einzudämmen: Mit Lebendfallen, den sogenannten Saufängen, soll der Wildschweinbestand reduziert werden. Doch diese bleiben umstritten – insbesondere in der Jägerschaft. Denn das massenhafte Töten der Tiere gilt als nicht waidmännisch. „Eine ganze Rotte Stück für Stück in einer Falle totzuschießen, ist für die Sauen eine unheimliche Qual“, sagt der Vorsitzende der Jägerschaft im Kreis Lüneburg, Christian Vogt. „Ein Schlachthof wäre nichts dagegen.“

Erste Versuche mit Fanggehegen

Im Landkreis Lüneburg sowie in Rotenburg und im Heidekreis sind bereits etwa 20 Quadratmeter große Fanggehege aufgestellt, mit denen das Landwirtschaftsministerium erste Erfahrungen machen will. Das Ministerium teilt jedenfalls nicht die Ansicht vieler Lüneburger Jäger, wonach es unethisch sei, die Tiere erst anzulocken und dann nach und nach abzuschießen. Vielmehr sei mit Blick auf die Schweinepest das Jagen mithilfe von Fallen „eine geeignete Maßnahme zur Ergänzung der bestehenden Jagdarten“, teilte das Ministerium jetzt in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsabgeordneten Miriam Staudte mit.

Allerdings brauche man schon „handwerkliche Fähigkeiten“ um die in der Falle gefangenen Tiere möglichst schnell zur Strecke zu bringen, räumt das Ministerium ein. Deshalb habe man einen erfahrenen Berufsjäger eingestellt, der auch andere Jäger schulen könne, wie man die Tiere „schnellstmöglich“ von einem Ansitz neben der Falle tötet. „Diese Tötung ist tierschutzkonform, weil die Seuchenprävention einen vernünftigen Grund darstellt und etwaige Leiden kürzer sind als konventionelle Nachsuchen mit dem Hund bei wundgeschossenen Stücken auf Ansitz- oder Drückjagden“, erklärt das Agrarministerium.

„Qual wird durch Berufsjäger nicht kleiner“

Den Vorsitzenden Vogt von der Lüneburger Jägerschaft überzeugt das nicht. „Unsere Kritik richtet sich nicht gegen kleine, sondern gegen die großen Fallen, in denen ganze Rotten gefangen werden.“ Die Qual der Sauen werde nicht kleiner, wenn ein Berufsjäger sie abschieße, sagt Vogt. Er stehe mit seiner ablehnenden Meinung keinesfalls allein da. Auch Niedersachsens Jägerpräsident Helmut Dammann-Tanke betrachtet die Großfallen nur als „Ultima Ratio bei der Seuchenbekämpfung“ und als grenzwertig. Kleinere Fallen, die etwa in Stadtgebieten wie Braunschweig eingesetzt würden, seien hingegen sehr sinnvoll, da man in verdichteten Räumen nicht wie im Wald vorgehen könne.

Per Fernschaltung ausgelöst

Mathias Aßmann von den Niedersächsischen Landesforsten betont, das Tierschutzthema sehr ernst zu nehmen. Mit dem Einsatz des Berufsjägers wolle man zunächst Expertise gewinnen. Es würden keine automatisierten Fallen eingesetzt, sondern nur solche, die der Berufsjäger per Fernschaltung auslöse – „damit die Tiere nicht eingeklemmt oder unnötig gestresst werden“. Solche Fallen seien kein Allheilmittel, könnten aber bei Ausbruch der Seuche sehr wichtig werden.

Die Grüne Staudte überzeugen die Fallen dagegen überhaupt nicht. „Wenn man den Bestand von Wildschweinen verringern will, wäre es am wirksamsten, den Maisanbau zu verringern.“ Denn dieser trage enorm zur Wildschweinpopulation bei.

Ständig mehr Tiere

Die Anzahl der abgeschossenen Schweine in den Jahresberichten der Landesjägerschaft zeigt das Wachstum des Bestandes. Das Jagdjahr 2017/18 gilt mit 68.992 Tieren als Rekordergebnis in Niedersachsen. Doch das Jagdjahr 2018/19 liege mit 55.742 Wildschweinen immer noch auf einem hohen Niveau, erläutert Florian Rölfing von der Landesjägerschaft. Im Jagdjahr 2016/17 wurden 56.185 Tiere erlegt – mehr als doppelt so viele wie etwa Ende der Neunzigerjahre. Vor allem der Maisanbau beschert den Tieren hervorragende Möglichkeiten sich zu ernähren.

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Von Michael B. Berger

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