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Niedersachsen Stephan Weil bei „Maischberger“: Der MP lässt sich nicht in die Karten schauen
Nachrichten Politik Niedersachsen Stephan Weil bei „Maischberger“: Der MP lässt sich nicht in die Karten schauen
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10:43 06.06.2019
Stephan Weil bei Sandra Maischberger. Quelle: Screenshot/ARD
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Hannover

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) ist derzeit in einer wunderbaren Situation: Auch wenn er (fast) nichts Neues sagt, wird er hofiert wie nichts Gutes. So widerfuhr es dem Sozialdemokraten auch am späten Mittwochabend in der Talkshow „Maischberger“, in der die Mutter aller Fragen diskutiert wurde: Hält die GroKo in Berlin noch? Und wer wird der/die/ das neue(r) SPD-Parteivorsitzender? Weil sagte zum wiederholten Male, wie gerne er Ministerpräsident in Niedersachsen sei, schloss aber den SPD-Parteivorsitz nicht gänzlich aus. Das hat bei ihm Methode: „Jede Frage, die mit ’Schließen sie aus, dass...’ beginnt, beantworte ich mit Nein, noch bevor sie zu Ende gestellt ist.“

Ein bisschen Muppetshow

Als „derzeit wichtigsten Sozialdemokraten“ bezeichnete der „Spiegel“-Kolumnist Jan Fleischhauer den 60-jährigen Regierungschef aus Hannover. Mit der „Stern“-Talkshow-Waffe Hans-Ulrich Jörges kommentierte Fleischhauer ein bisschen wie in der Muppetshow den Gang der Dinge und legte die größeren Kasperle-Qualitäten an den Tag. Jörges schmeichelte Weil, in Niedersachsen „zum richtigen Zeitpunkt Vertrauen gebunden zu haben“, als er von einer Grünen verraten wurde. Tatsächlich war Weil im Oktober 2017 aus der Landtagswahl auch deshalb so erfolgreich hervorgegangen,weil die Grünen-Abgeordnete Elke Twesten das rot-grüne Bündnis platzen ließ und damit der Niedersachsen-SPD zu einem gewinnbringenden Überlebens-Thema verhalf.

Den Grünen machte Weil auch den Vorwurf, es sich zu leicht zu machen bei der Klimaschutzfrage. Motto: Sie setzten sich zwar hehre Ziele, aber seien nicht die Besten in der Umsetzung. Da schaute die Grünen-Bundestagsfraktionsvorsitzende Kathrin Göring-Eckhart etwas verwundert, die mit ihrem CDU-Gegenüber im Parlament, Ralph Brinkhaus, die dritte Politkraft in der Runde war. Brinkhaus saß mit Weil Seit’ an Seit’ und strahlte Optimismus aus, dass die GroKo in Berlin auch nicht an der Klimaschutzfrage zerbrechen werde, bei der Weil der Union lächelnd Nachholbedarf attestierte. „Deutschland hängt bei den Klimaschutzzielen hinterher“. Der Klimaschutz werde, so Weil, auch das entscheidende Thema werden, wenn die SPD auf einem Parteitag im letzten Quartal dieses Jahres eine Halbzeitbilanz der Großen Koalition ziehen werde. Und dann müsse die Person oder die Personen zum Thema passen, meinte der niedersächsische Ministerpräsident zur elenden Kandidatenfrage.

Der Undurchschaubare

Doch ob dann der Ruf an den Mann aus dem VW-Land Niedersachsen ergeht, für die SPD in einer möglichen Doppelspitze das Klima zu retten? Die erste Halbzeit der Großen Koalition habe zwar gute Ergebnisse gezeigt, meinte Weil und war sich da mit Brinkhaus völlig einig, „aber das Erscheinungsbild ist ausbaufähig“. Völlig offen scheint, ob der Ministerpräsident aus Niedersachsen das Erscheinungsbild noch etwas ausbauen könnte oder wollte. Er wird nicht ohne Grund auch in der SPD-Fraktion als „der Undurchschaubare“ bezeichnet, zumindest, was die letzten Fragen betrifft. Denn Weil hat bisher in jeder Lebenssituation stets gesagt, dass er sich in seiner jeweiligen Rolle wohl fühle – als hannoverscher Kämmerer, als es um den Oberbürgermeisterposten ging, als hannoverscher Oberbürgermeister, als die SPD einen Ministerpräsidenten suchte. Der geschulte Taktiker lässt sich nicht gern in die Karten gucken.

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Hier können Sie die komplette Sendung in der ARD-Mediathek nachträglich anschauen.

Von Michael B. Berger

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