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Niedersachsen Prinz Ernst August senior will sein Schloss zurück
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14:15 10.02.2019
„Verwunderung und zunehmende Enttäuschung“: Die Marienburg steht im Zentrum einer Fehde um das Erbe der Welfen. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Der Streit bei den Welfen um Schloss Marienburg spitzt sich zu. Der Chef des Hauses Hannover, Ernst August Prinz von Hannover, will mit aller Macht verhindern, dass sein Sohn, Ernst August Erbprinz von Hannover, den Stammsitz der Welfen bei Pattensen verkauft. In einem 32-seitigen Schreiben an Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) legt die Berliner Anwaltskanzlei Bub, Gauweiler & Partner dar, warum der Erbprinz gar nicht zum Verkauf des Schlosses berechtigt sei. Der Brief ging auch in der Staatskanzlei ein. Die Landesregierung will die Argumentation prüfen – sich aber möglichst aus dem Familienstreit heraushalten.

Der Vater fordert seit längerem die Rückabwicklung der Schenkung wegen „Groben Undanks“ und argumentiert nach HAZ-Informationen in dem aktuellen Schreiben mit Bestimmungen aus dem Schenkungsvertrag von 2004 und dem Erbvertrag, die seine Position angeblich untermauern. Den Sohn ficht das nicht an. Fristen für eventuelle Rückforderungen der Schenkungen seien seit langem abgelaufen, sagt der Erbprinz. Ein Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Ganz im Gegenteil: Ernst August senior droht jetzt mit einer Klage gegen den Prinzen von Liechtenstein, dem er vorwirft, gemeinsame Sache mit Ernst August junior zu machen.

Vater fühlt sich hintergangen

Der Chef des Hauses Hannover, der im österreichischen Grünau lebt, wirft seinem Sohn zweierlei vor: der Sohn habe hinter seinem Rücken seit 2010 den Verkauf der Marienburg geplant und 2018 auch konkret in die Wege geleitet. Zudem soll ihn der Erbprinz zusammen mit Prinz Michael von und zu Liechtenstein 2012 widerrechtlich als Vorstand der Herzog-von-Cumberland-Stiftung in Liechtenstein abgesetzt haben, die seit 1960 weite Teile des Vermögens des Hauses Hannover verwaltet. Die Vorgänge seien auf „Verwunderung und zunehmende Enttäuschung gestoßen“, hieß es aus dem Umfeld von Prinz Ernst August.

Ernst August senior hat offenbar Krebs

Wie krank ist der Chef des Hauses Hannoverwirklich? Boulevard-Blätter hatten am Mittwoch berichtet, dass Prinz Ernst August senior mit einem Hubschrauber in eine Klinik im österreichischen Feldkirch gebracht worden sei. Von einer lebensbedrohlichen Erkrankung der Bauchspeicheldrüse des 64-Jährigen war die Rede – und von einer Notoperation.

Stimmt so nicht, hieß es am Mittwoch auf Anfrage der HAZ aus dem Umfeld des Prinzen: Es gab keinen Hubschrauberflug, keine Notoperation und auch keine Bauchspeicheldrüsenerkrankung. Was aber offenbar stimmt ist, dass Ernst August senior sich wegen einer Krebserkrankung in Behandlung befindet und immer wieder ins Krankenhaus muss.

In dem Schreiben an das Wissenschaftsministerium argumentiert er demnach wie folgt: Die Schenkung habe immer unter dem Vorbehalt gestanden, dass das Familienvermögen zusammenbleibe. Eine Auflassungsvormerkung im Grundbuch habe gewährleisten sollen, dass das Vermögen in die Familie zurückgeholt werden könne, sollte der Sohn sterben. „Es ging darum sicherzustellen, dass nicht Fremde Zugriff haben“, hieß es aus dem Umfeld. Diese Passage sei aus dem Grundbuch verschwunden. Weiteres Argument: Ernst August Junior hätte als so genannter Vorerbe das Erbe nur für nachfolgende Generationen verwalten, aber keine Grundstücke aus der Erbmasse verkaufen oder verschenken dürfen.

Aus Sicht des Erbprinzen ergeben sich aus den Positionen seines Vaters und dessen Anwälten aus rechtlicher Sicht keinerlei neue Erkenntnisse. „Die Rechtslage ist eindeutig: Ich bin Eigentümer von Schloss Marienburg und als solcher auch uneingeschränkt im Grundbuch eingetragen“, sagte der Erbprinz der HAZ. „Es besteht kein Zweifel daran, dass ich in jeder Hinsicht zum Abschluss der beabsichtigten Verträge berechtigt bin, die den dauerhaften Erhalt von Schloss Marienburg und der darin enthaltenen Kunstobjekte für die Öffentlichkeit sichern werden.“ Er sei zuversichtlich, dass die vom Land Niedersachsen eingeforderte Klärung der rechtlichen Lage dies in kurzer Zeit bestätigen werde.

Vertraglich sei von Anfang an immer klar geregelt gewesen, dass er wie ein „befreiter Vorerbe“ über Grundstücke verfügen dürfe. Dazu zähle auch die Marienburg. „Gegenteilige Aussagen sind falsch und entsprechen nicht den vertraglich festgehaltenen Tatsachen“, sagte der Erbprinz.

Das Wissenschaftsministerium hatte Ernst August senior im Dezember schriftlich aufgefordert, die Ergebnisse der von ihm gegenüber der Landesregierung angekündigten Rechtsprüfung vorzulegen. „Diese wird jetzt geprüft“, sagte Ministeriumssprecherin Anna Anding der HAZ. Ohne Klärung der „familieninternen Unstimmigkeiten“ könne es keine Lösung geben.

Der Erbprinz wollte die Marienburg an eine Tochterfirma der Klosterkammer verkaufen – für einen symbolischen Euro. Land und Bund hatten im Gegenzug angekündigt, das marode Schloss mit 27 Millionen Euro zu sanieren.

Von Marco Seng

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