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Niedersachsen Hat das Land einen Maulkorb für Schulleiter verhängt?
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12:20 07.07.2019
Eine junge Lehrerin schreibt an eine Schultafel im Mathematikunterricht einer achten Klasse in Hannover. Quelle: Julian Stratenschulte/dpa
Hannover

Das heikle Thema Unterrichtsversorgung wird auch in der schulfreien Zeit in den Sommerferien heiß diskutiert. Hintergrund sind Berichte, nach denen Schulleiter keine Auskünfte über Lehrermangel oder Stundenausfall geben dürfen, weil ihnen sonst Ärger mit der Landesschulbehörde droht. Aus der Region Osnabrück wird über entsprechende Schreiben berichtet – auch aus Braunschweig hört man das. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bestreitet, dass es Anweisungen oder sogar Drohungen mit Disziplinarmaßnahmen gibt. Das Ministerium spricht stattdessen von Empfehlungen an die Schulleitungen, der Presse keine Zahlen zu nennen. Für die Landtags-Opposition macht das aber keine großen Unterschied.

Grüne: Maulkorb für Schulen wäre skandalös

„Wenn es tatsächlich in der Landesschulbehörde landesweit oder vereinzelt in den Regionaldirektionen für die Schulleitungen einen Maulkorb für Auskünfte zur Unterrichtsversorgungen gibt, dann ist das skandalös“, sagte die Grünen-Abgeordnete Julia Willie Hamburg der HAZ. „Die Mängel an den niedersächsischen Schulen lassen sich nicht vertuschen.“ Lehrkräfte, Eltern und Schüler würden die Probleme nach den Sommerferien wieder zu spüren bekommen. „Gegen zu geringe Unterrichtsversorgung helfen keine Informationssperren, sondern mehr Lehrkräfte“, sagte Hamburg.

„Das Ziel ist wohl, auf jeden möglichen öffentlich diskutierten Fall zügig reagieren zu können“, vermutete der FDP-Schulpolitiker Björn Försterling. „Insgesamt zeigt sich aber immer noch eine Angst vor den Zahlen zur Unterrichtsversorgung.“ So weigere sich das Land auch, eine Software einzuführen, mit der sich Versorgung und Ausfall punktgenau ablesen lasse. Försterling kündigte an, dass die FDP-Fraktion zu Beginn des Schuljahres die Werte aller Schulen abfragen und veröffentlichen werde.

Ministerium: Es gibt keine „Drohungen“

Das Kultusministerium begründete die Hinweise an die Schulleitungen mit internen Planungswerten, die sich „quasi stündlich“ änderten, da das Einstellungsverfahren von Lehrern noch bis in den August laufe. „Werte, die wir beziehungsweise die Schulen heute herausgeben, können morgen schon völlig veraltet sein“, sagte Ministeriumssprecherin Jasmin Schönberger der HAZ. Die Landesschulbehörde kommuniziere dieses gegenüber den Schulleitungen und „empfiehlt ihnen, die Planungswerte aus dem oben genannten Grund nicht nach außen zu geben“ – und bei Anfragen von Journalisten gegebenenfalls an die Pressestelle der Landeschulbehörde zu verweisen. „Drohungen“ oder die Androhung von Disziplinarverfahren gebe es nicht, betonte Schönberger.

Unterrichtsversorgung im Schnitt zuletzt bei 99,4 Prozent

Im vergangenen Schuljahr lag die Unterrichtsversorgung laut Minister Tonne landesweit durchschnittlich bei 99,4 Prozent. Die am besten versorgte Schulform war demnach das Gymnasium mit 102,2 Prozent. Am Ende der Skala lagen die Förderschulen mit 93,4 Prozent. Das Problem: Die an einem Stichtag im August erfassten Werte, werden nach ausgiebiger Prüfung des Ministeriums immer erst im Januar oder Februar des Folgejahres veröffentlicht – und könnten damit schon völlig veraltet sein.

Von Marco Seng

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