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Niedersachsen Treueschwüre für den Abgewählten
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18:13 18.08.2013
Von Klaus Wallbaum
Ein halbes Jahr ist es her, dass McAllister nach derknappen Niederlage bei der Landtagswahl die Staatskanzlei verlassen musste. Quelle: Wagner
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Cloppenburg

Gleich fünfmal erwähnt die Kanzlerin in ihrer Wahlkampfrede seinen Namen, und zu Beginn begrüßt sie ihn gar als den „lieben David McAllister“. Die mehr als 2500 Besucher, die auf den Marktplatz von Cloppenburg drängen, spüren den demonstrativen Treueschwur, den Angela Merkel für den abgewählten niedersächsischen Ministerpräsidenten äußert. Und McAllister steht daneben und lächelt. Er macht, wie so oft in den vergangenen Wochen, gute Miene zum Spiel.

Dabei brodelt es in ihm. Ein halbes Jahr ist es her, dass McAllister nach der äußerst knappen Niederlage bei der Landtagswahl die Staatskanzlei in Hannover verlassen musste. Seitdem hatte er sich öffentlich zurückgehalten, im Landtag kein einziges Mal mehr geredet und nach außen Gelassenheit gezeigt. Er wollte nicht nachtreten, nicht als schlechter Verlierer gelten. Doch ewig schweigen kann er ja auch nicht. Nun kam die Niedersachsen-CDU zum ersten Landesparteitag seit der Landtagswahl zusammen, das erste Delegiertentreffen in der Oppositionsrolle, noch dazu eines kurz vor einem Wahlkampfauftritt der Kanzlerin - und zwar in Cloppenburg, der CDU-Hochburg schlechthin.

Ein richtiger Parteitag war es eigentlich gar nicht. Zügig ging die Tagungsleitung durchs Programm, die Aussprache wurde eilig beendet, die Debattierlust war begrenzt. Und für Gespräche zwischendurch blieb die Zeit zu knapp bemessen. Allerdings war das Treffen ein Gradmesser dafür, wie stark McAllisters Führungskraft in der Partei noch ist - zumal er 2014 die politische Bühne Hannover gegen die Europapolitik wechseln will. Als Landesvorsitzender, der er bleiben möchte, wollte er nach langer Zeit wieder öffentlich landespolitisch reden, hatte McAllister Tage zuvor angekündigt.

Was dann auf dem Parteitag folgt, ist eine zwar im Ton maßvolle, aber in einigen Punkten doch deutliche Abrechnung mit der Arbeit der rot-grünen Nachfolgeregierung von Stephan Weil. Der Koalitionsvertrag sei vollgepfropft mit Kommissionen und Runden Tischen, die Verwaltung werde aufgebläht, der Straßenausbau werde vernachlässigt, die Gymnasien würden stiefmütterlich behandelt und bei der Verkürzung der Amtszeiten der Bürgermeister wolle Weil mit dem Kopf durch die Wand - gegen Widerstände sogar in der SPD. „Das darf man doch nicht ignorieren“, ruft er.

„Jederzeit“, sagt McAllister, „sind wir aus dem Stand heraus bereit, die Regierungsverantwortung zu übernehmen.“ Er ruft in den Saal: „Weil wir es besser können!“ - und erntet kräftigen Applaus. Nach Abschluss der Rede sind es sogar dreieinhalb Minuten, die die Delegierten stehend applaudieren. McAllister reagiert ergriffen, ihm kommen Tränen und seine Wangen werden rot. Er ist eben kein eiskalter Politiker.

Wenig später, bei der Rede von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, der niedersächsischen CDU-Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl, wird die Stimmung noch einmal emotional. McAllister und von der Leyen waren nie die engsten Freunde, doch jetzt überschüttet die Bundesministerin ihn mit Lob: „Danke, dass du trotz der bitteren Niederlage die Truppe zusammengehalten hast, dass du beieinander geblieben bist und nicht nachgetreten hast“, sagt sie und hebt seine „immer faire, gradlinige und noble Art“ hervor. „Niedersachsen braucht Dich“, betont von der Leyen und dankt ihm, dass er den CDU-Landesvorsitz behalten hat.

Tatsächlich ist der Niedersachsen-CDU nach der Landtagswahl eine Zerreißprobe erspart geblieben. McAllister bleibt die klare Nummer eins in der Partei. Konflikte mit der Nummer eins in der Landtagsfraktion, Björn Thümler, gibt es nicht - beide verstehen sich gut, Thümler hält seinen Ehrgeiz in Grenzen und McAllister bleibt zurückhaltend. Die beiden werden ergänzt von Generalsekretär Ulf Thiele, der die Parteiorganisation im Griff hat. Wer neben diesen dreien der nächste Spitzenkandidat für die Landtagswahl 2017 werden soll, ist bisher nicht erkennbar. Aber dieses Problem stört die Partei wenig, denn die Machtfrage ist vorläufig geklärt.

Das merkt auch die Kanzlerin, die sich einmal mehr auf ihre niedersächsischen Freunde verlassen kann. In Cloppenburg ist der Marktplatz voller Menschen, der Beifall stark, die Organisation perfekt. Störer gibt es hier nicht - und Merkel kann mühelos ihre Themen vortragen. Sie geißelt den Missbrauch der Werkverträge, spricht über Mütterrenten, Schuldenabbau und den gefährdeten Euro. Und McAllister, der viel gelobte, revanchiert sich ganz am Ende auch für den Zuspruch. Angela Merkel, sagt er, sei „die Beste für Deutschland“.

Nach der Niederlage bei der Landtagswahl will die niedersächsische CDU wieder siegen und Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Erfolg bei der Bundestagswahl verhelfen. Landeschef David McAllister stimmt seine Partei beim Landesparteitag auf den Wahlkampf ein.

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