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Niedersachsen „Wir sind kein Umfeld für Rechtsterrorismus“
Nachrichten Politik Niedersachsen „Wir sind kein Umfeld für Rechtsterrorismus“
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08:12 18.11.2011
Die Vorfälle um das Zwickauer Neonazi-Trio haben die Samtgemeinde Rodenberg schockiert. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Terror-Komplizen Holger G. will sich seine Heimatgemeinde noch stärker von Rechtsextremisten distanzieren. „Wir sind kein Umfeld für Rechtsterrorismus“, sagte der Samtgemeinde-Bürgermeister von Rodenberg, Uwe Heilmann (62). „Wir wollen im Gemeinderat eine Resolution verfassen, die noch mal ausdrücklich deutlich macht, dass die Bürger und auch die Politik sich von diesen Leuten distanziert.“

Holger G. wohnte zuletzt in Lauenau, das zur Samtgemeinde Rodenberg im Kreis Schaumburg gehört. Der 37-Jährige wurde am vergangenen Sonntag festgenommen. Er sitzt derzeit wie auch die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe in Untersuchungshaft.

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Die Vorfälle um das Zwickauer Neonazi-Trio Beate Zschäpe, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt haben den Ort schockiert. „Wir waren erschrocken, dass wir einen solchen Mann hier beherbergt haben. Das steht einem aber nicht auf der Stirn geschrieben“, sagte Heilmann.

Lauenau mit seinen rund 4000 Einwohnern und die Samtgemeinde Rodenberg würden keinen Nährboden für Rechtsextremisten bieten. „Wir haben nicht die Sorgen, die ostdeutsche Gemeinden haben“, sagte Heilmann. Die Region mit einem breiten Mittelstand im Umland von Hannover sei ein wirtschaftsstarker Standort.

Lauenau dürfe nicht stigmatisiert werden. „Hier haben wir keine Ansatzpunkte, dass sich im Untergrund eine Szene etabliert hätte“, sagte Heilmann. Bei den jüngsten Kommunalwahlen sei gar keine rechte Gruppierung angetreten.

Parallelen zu der Neonazi-Szene in Bad Nenndorf gebe es definitiv keine. „Bei der Gegen-Demonstration sind wir immer mit dabei“, betonte Heilmann. Seit 2006 versammeln sich regelmäßig im Sommer Rechtsextremisten und Neonazis zu einem „Trauermarsch“ in der kleinen Kurstadt westlich von Hannover.

Bürgermeister Heilmann lebt zwar seit mehr als 40 Jahren in Lauenau, doch Holger G. ist er persönlich nie begegnet. „Ich habe seine Partnerin mal an der Kasse einer Tankstelle gesehen. Mit Holger G. hatte ich aber keinen Kontakt.“

Das Neonazi-Trio soll für bundesweit zehn Morde verantwortlich sein. Es war vor rund zwei Wochen aufgeflogen. Die Komplizen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos sind mittlerweile tot.

dpa

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