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Niedersachsen „Wir müssen radikal nachdenken“: Immer mehr Austritte aus Niedersachsens Kirchen
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19:10 19.07.2019
„Die meisten Menschen treffen ihre Entscheidung, aus der Kirche auszutreten, nicht von jetzt auf gleich“: Bei den Gottesdiensten bleiben viele Plätze leer. Quelle: Arne Dedert/dpa
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Hannover

In Niedersachsen haben im vergangenen Jahr erneut Zehntausende Menschen den großen Kirchen den Rücken gekehrt. Die Evangelische Landeskirche Hannover, die größte evangelische Kirche in der Bundesrepublik, registrierte im vergangenen Jahr rund 26.000 Austritte – das sind mehr als elf Prozent mehr als im Jahr zuvor. 2017 traten 23.255 Menschen aus der hannoverschen Landeskirche aus. Sie vertritt rund 80 Prozent der niedersächsischen Protestanten und hat jetzt noch gut 2,5 Millionen Mitglieder. Die katholische Kirche meldete für Niedersachsen im Jahr 2018 insgesamt 11.360 Austritte. Das ist sogar ein Anstieg um fast 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (8891).

Verluste so hoch wie die Einwohnerschaft von Cuxhaven

Insgesamt verlor die Landeskirche Hannover im vergangenen Jahr 47.121 Mitglieder, was einem Rückgang der Mitgliederzahl von 1,86 Prozent entspricht – und der Einwohnerschaft einer Stadt wie Cuxhaven. Der größte Anteil bei dem Mitgliederschwund ist dem demografischen Faktor geschuldet: 41.797 Mitglieder sind im vergangenen Jahr gestorben. Demgegenüber verzeichnete die Landeskirche 20.996 neue Mitglieder durch Taufen und 3809 durch Aufnahmen.

Bei der katholischen Kirche in Niedersachsen gab es 9.517 Taufen, 266 Neueintritte und 393 Wiederaufnahmen, wie aus einer am Freitag vorgestellten Statistik der Deutschen Bischofskonferenz hervorging. Die Austritte entfallen zum allergrößten Teil auf die Bistümer Hildesheim (7018) und Osnabrück (3630).

Der katholische Bischof Heiner Wilmer sagte mit Blick auf die Missbrauchsskandale in seiner Kirche, man müsse sie gänzlich aufarbeiten „und durch ein effektives System von Kontrolle und Gewaltenteilung in Zukunft unmöglich machen“. Gleichzeitig müsse man aber auch über die guten Gründe reden, in einer Kirche zu bleiben.

Über andere Formate nachdenken

„Wir müssen radikal nachdenken, was wir besser und anders machen können“, sagte Stephanie Springer, Präsidentin der hannoverschen Landeskirche, auf die Frage, ob sich die Kirche mit Blick auf die langfristigen Verluste nicht radikal ändern müsse. Neben wichtigen traditionellen Angeboten wie Gottesdiensten und Kirchenmusik müsse die Kirche „auch über andere Orte, Formate und Angebote reden“ – und dieses nicht in ausschließender Form und Entweder-Oder-Schablonen. So stelle sich die Frage, ob es immer der Sonntagsgottesdienst sein müsse, oder ob es nicht auch mal eine After-Work-Andacht sein könne. Die Kirchen stünden mitten in einem Kulturwandel.

Der Hildesheimer Bischof Wilmer betonte, die meisten Menschen träfen ihre Entscheidung, aus der Kirche auszutreten, nicht von jetzt auf gleich. Oft sei es ein längerer Prozess, an dessen Ende erst der Austritt stehe. „Wir können also daraus lernen“, sagte Wilmer. Die Zahlen seien nicht schön, aber sie entmutigten ihn nicht.

Auch bundesweit sinkt die Zahl der Mitglieder

Bundesweit verließen im vergangenen Jahr 216.000 Menschen die katholische Kirche, 48.500 mehr als 2017. Insgesamt sank die Zahl der Katholiken in Deutschland 2018 um gut 300.000 auf 23 Millionen. Bei den Protestanten traten bundesweit 220.000 Menschen aus der Kirche aus, 23.000 mehr als 2017. Die Gesamtzahl der Protestanten verringerte sich um 1,8 Prozent auf gut 21 Millionen.

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Von Michael B. Berger

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