Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Niedersachsen Zeuge betont: Behörden waren informiert
Nachrichten Politik Niedersachsen Zeuge betont: Behörden waren informiert
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:12 17.09.2009
Von Klaus Wallbaum
Anzeige

Kappei war immerhin seit 1982 dort beschäftigt, zuletzt als Leiter. Wenn einer wissen muss, welche giftigen und gefährlichen Stoffe dort eingelagert worden sind – dann er, hieß es.

Doch Untersuchungsausschüsse kommen zuweilen nur zäh voran, und so waren die Beiträge, die Kappei in der mehrstündigen Befragung abgab, nur in einigen Teilen erhellend. Zu der Menge des eingelagerten Plutoniums etwa bekannte er ganz offen eine Wissenslücke. Nur aus den Medien habe er erfahren, dass die Belastung offenbar dreimal so hoch ist wie bisher angenommen.

Der Kernvorwurf gegen den früheren Leiter der Asse-Anlagen lautet, es seien brisante Informationen unterdrückt worden. So habe man die Tatsache, dass schon seit Jahren das Gift Cäsium 137 in bedenklicher Konzentration aufgetreten sei, schlicht nicht weitergegeben. „Wie stehen Sie dazu, dass das Umweltministerium in Hannover erst im Juni 2008 davon Kenntnis bekommen haben will?“, fragt der Grünen-Fraktionsvorsitzende Stefan Wenzel den Zeugen. Kappei weist den Vorwurf der Vertuschung entschieden zurück: „Seit 1993 haben wir verabredet, dass wir über unsere Messungen ständig den Landesbehörden berichten – anfangs viermal, später dann zweimal jährlich.“ Ansprechpartner sei das Bergamt in Goslar gewesen.

Ob es eine Informationspanne gibt zwischen Bergamt und Ministerium? Nur soviel ist für den früheren Asse-Leiter klar: Er hatte auch direkten Kontakt zu zwei Mitarbeitern des Umweltministeriums – allerdings stärker im Zusammenhang mit der Frage, wie die Risse und Lücken im Bergwerk gefüllt werden sollen, damit es nicht einbricht.

Es gibt noch eine andere Merkwürdigkeit in den Abläufen, zu der Kappei im Untersuchungsausschuss eingehend befragt wurde: Während der seit Mitte der neunziger Jahre andauernden Sanierungsarbeiten, die einen Zusammenbruch der Asse verhindern sollten, war die Information an die Kommunalpolitiker vor Ort vorgesehen – als Ersatz dafür, dass es kein aufwendiges Beteiligungsverfahren gab. Ein von der Asse-Gesellschaft eingeschaltetes Anwaltsbüro riet aber vor zwei Jahren, nur spärlich zu informieren und keinesfalls etwas über Vorgänge zu sagen, „die noch nicht antragsreif sind“, erläutert Kappei. Der damalige Asse-Leiter betont aber, er habe das abgelehnt und auf die Gefahr „erheblicher Unruhe vor Ort“ hingewiesen. Daraufhin hätten seine vorgesetzten Stellen, das Helmholtz-Zentrum und das Bundesforschungsministerium, eingelenkt. „Ich saß damals zwischen zwei Stühlen“, erläutert Kappei – breite Öffentlichkeitsarbeit hier, Interesse an ungestörter Vorbereitung der Sanierungsarbeit dort. Zudem habe er die klare Vorgabe vom Bundesministerium gehabt, die Asse zu schließen – nicht etwa, wie jetzt alternativ erörtert wird, die alten Fässer zu bergen und umzulagern.

Zuvor hatte im Ausschuss der Fachmann der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Prof. Michael Langer, auf die Zeitspanne der Probleme in der Asse hingewiesen. Dass dort Lauge einsickert, sei schon in den sechziger Jahren festgestellt worden. 1985 erstellte Langer ein Gutachten, das drei Varianten erstmals genannt hat – die dort abgeladenen Fässer umzuladen, sie herauszuholen oder das Bergwerk mit Salzgestein zu verfüllen. Die Herausnahme sei die „gefährlichste Variante“ – weil Menschen zu Schaden kommen könnten.

Jüngste kritische Äußerungen von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD), die Verfüllung der Asse mit Salzgestein sei verkehrt, weil sie nicht sicher sei, wies der Zeuge Langer vor dem Untersuchungsausschuss zurück: „Ich traue Herrn Gabriel nicht zu, dass er das beurteilen kann“, betont der Professor.