Prozess in Wismar: Hakenkreuze auf Gehweg: Sechs Monate Freiheitsstrafe
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21:30 15.05.2019
An dieser Stelle war ein neunjähriger syrischer Junge mit seinem Fahrrad tödlich verunglückt. Marcel N. hatte hier ein Hakenkreuz und den Schriftzug „1:0“ auf den Gehweg gesprüht. Quelle: Thorsten Fuchs
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Wismar

Wegen Volksverhetzung und der Verwendung verfassungswidriger Kennzeichen hat das Amtsgericht Wismar am Mittwoch einen 23-Jährigen aus Schönberg (Nordwestmecklenburg) zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Marcel N. hatte zuvor gestanden, ein Hakenkreuz und den Schriftzug „1:0“ an die Stelle auf dem Gehweg gesprüht zu haben, wo zuvor ein neunjähriger syrischer Junge mit seinem Fahrrad tödlich verunglückt war. „Sie haben den Tod eines völlig Unbeteiligten benutzt, um Ihrem Hass freien Lauf zu lassen“, hielt Staatsanwalt Andreas Blank dem Täter vor.

23-Jähriger war betrunken und bereut die Tat

Vor Gericht erklärte der 23-jährige Angestellte einer Reinigungsfirma, er sei betrunken gewesen und bereue die Tat. „Das war insgesamt ganz schön bescheuert“, sagte er. Auf einen Anwalt hatte der ungelernte Mann, der nach der 8. Klasse die Schule verlassen hat, verzichtet – er habe einfach alles gestehen wollen, erklärte er nach der Verhandlung. Das Gericht glaubte ihm allerdings, dass er die Tat tatsächlich spontan und ohne tiefere Überzeugung beging – auch weil er anschließend an der Unfallstelle den Hitlergruß zeigte und sich dabei von Freunden fotografieren ließ. Er habe auch Zorn auf Ausländer verspürt, räumte Marcel N. schließlich ein, „weil sie mich in der Schule mal verdroschen haben“. Außerdem habe er gewollt, dass über seine Tat berichtet wird. Erst zwei Wochen später sei ihm klar geworden, was er getan hat. „Ich weiß nicht, was mich geritten hat“, sagte er vor Gericht.

Marcel N. muss 1200 Euro an Gedenkstätte zahlen

„Sie haben viel Leid über eine Familie gebracht, die ohnehin leidgeprüft ist“, sagte die Richterin in der Begründung des Urteils, das der Forderung der Staatsanwaltschaft entsprach. Weitere zwei Wochen Freiheitsstrafe kamen hinzu, weil er im Januar Kennzeichen verwendet hatte, um mit seinem Auto illegal zu fahren – Marcel N. hat keinen Führerschein. Außerdem muss der 23-Jährige 1200 Euro an die Gedenkstätte Wöbbelin zahlen.

„Eine widerwärtige Tat“ – Manuela Schwesig (SPD)

Die Schmierereien hatten im vergangenen Jahr weit über Schönberg hinaus Aufmerksamkeit erregt. „Eine widerwärtige Tat“ nannte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) das Verbrechen, von einer „erschütternden Verhöhnung des Opfers“ sprach Innenminister Lorenz Caffier (CDU). Laut Schönbergs Bürgermeister Lutz Götze hat es seitdem glücklicherweise keine weiteren rechtsradikalen Vorfälle in der Stadt gegeben. Die Richterin sprach Marcel N. am Mittwoch zum Abschluss ins Gewissen: „Ich hoffe, dass das Geständnis heute nicht nur Show gewesen ist. Das Gericht wird ein besonderes Auge auf Sie haben.“

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Thorsten Fuchs

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