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Nachrichten Wirtschaft Contitech Northeim schickt weitere Mitarbeiter in Kurzarbeit
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15:24 14.08.2019
Das Contitech-Werk Northeim von oben. Quelle: Hubert Jelinek
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Northeim

Das Contitech-Werk in Northeim schickt Mitarbeiter zeitweise in Kurzarbeit. Im Juni waren 270 von 1900 Mitarbeitern betroffen, im Juli 30 Beschäftigte. Sie bleiben jeweils einen Werktag pro Woche zuhause.

Konjunkturprobleme gibt es zur Zeit in zwei Unternehmensbereichen des Northeimer Contitech-Werks, in der Vibrationskontrolle und bei den Elastomerbeschichtungen“, berichtet Antje Lewe, die Pressesprecherin des in Hannover ansässigen Konzerns, auf Tageblatt-Anfrage. Das Unternehmen macht keine detaillierte Angaben zu den Beschäftigten der einzelnen Bereiche. In Northeim sind aber laut Lewe weniger als die Hälfte der Mitarbeiter des Standorts von Absatzschwierigkeiten betroffen.

Dämpfer für Motoren und Getriebe

Der Bereich Vibrationskontrolle arbeitet vor allem der Automobilindustrie zu, sagt Lewe. Er stellt aus Hochleistungskunstoffen Dämpfer her, die zum Beispiel Vibrationen des Motors, des Getriebes oder der Reifen aufnehmen. Der Bereich Elastomerbeschichtungen, der unter anderem Drucktücher fertigt, leidet unter mangelnder Nachfrage der Druckindustrie.

„Zebrastandort“

Im Northeimer Werk gibt es zwei weitere Bereiche. Die meisten Beschäftigten stellen Transportbänder her, die nicht zuletzt im Bergbau Anwendung finden. Außerdem gibt es den Bereich Schläuche. „Northeim gehört damit zu den Standorten, die nicht von einer Branche, einer Produktlinie oder einem Kunden abhängig sind“, führt Lewe aus. Solche „Zebrastandorte“, so die Pressesprecherin kämen mit konjunkturellen Problemen besser klar, da selten alle Bereiche gleich betroffen seien. Hielten Probleme in einem Bereich an, ließen sich Mitarbeiter in anderen Bereichen einsetzen. Soweit sei es in Northeim aber noch nicht.

Was macht Contitech?

Contitech in Northeim

Die Geschichte des Contitech-Werks in Northeim, das mit 1900 Mitarbeitern größter Arbeitgeber im Landkreis Northeim ist, reicht bis ins Jahr 1954 zurück. Damals verlagerte die Firma Elco (später Elconia) ihren Gummi-Schuh-Betrieb vom nahen Willershausen in die Südstadt Northeims. 1964 erwarb der Reifenhersteller Continental das Werk. Anfangs stellten die Hannoveraner dort Flaschenverschlüsse, Einkochringe, Fahrrad-Flickzeug und Wärmflaschen her. Von 1966 an produzierte das Unternehmen zudem für die Automobilindustrie. 1968 entstand eine neue Produktionshalle südlich des bestehenden Firmengeländes. 1971 lief der erste Innen-Kautschukmischer im Neubau an. Seit der Konzernumstrukturierung im Jahr 1990 produzieren vier eigenständige Contitech-Gesellschaften – Transportbänder, Vibrationskontrolle, Elastomerbeschichtung und Schläuche – in Northeim. Das Werk hat heute eine Fläche von 240000 Quadratmetern.

„Wir setzen erst einmal auf das flexible Instrument der Kurzarbeit“, erklärt Lewe. Die Probleme haben sich nach ihrer Darstellung erstmals im April abgezeichnet. Damals beantragte der Konzern bei der Arbeitsagentur Kurzarbeit. Sie ist derzeit für bis zu 100 Beschäftigte bewilligt. Das Unternehmen kann diesen Rahmen ausschöpfen, muss es aber nicht tun. „Das erfolgt in Absprache mit der Arbeitnehmervertretung“, betont Lewe. Zahlen für August gibt es erst Anfang September. Bei der Contitech gibt es eine 40-Stunden-Woche.

200 neue Mitarbeiter in 2018

Im März 2018 hatte Contitech mitgeteilt, dass es die Zahl der Mitarbeiter im Northeimer Werk innerhalb eines Jahres aufgrund der guten Auftragslage um 200 Personen von 1755 auf gut 1950 Mitarbeiter erhöht habe. In diesem Jahr wurden zwölf Auszubildende übernommen, berichtet Pressesprecherin Lewe. Im August und im September beginnen 15 junge Menschen eine Ausbildung oder ein duales Studium bei der Contitech in Northeim.

Im Gespräch mit der Gewerkschaft

Öffentlich nicht kommentieren will Gewerkschaftssekretär Matthias Heiden von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie die Entwicklung bei Contitech. Er betreut das Northeimer Werk. „Wir stehen in engem Austausch“, erklärt er nur. Die Kurzarbeit habe nichts mit dem beim Mutterkonzern Continental geplanten Abbau von bis zu 4000 Stellen zu tun, stellt er klar. Das betont auch Contitech-Pressesprecherin Lewe: „Da sind wir außen vor.“ Der Bezirk Südniedersachsen der IG BCE betreut 135 Betriebe mit etwa 16500 Mitarbeitern in den Landkreisen Hildesheim, Holzminden, Northeim, Göttingen sowie im Harz.

16 Firmen nutzten im März Kurzarbeit

„Wir geben keine Auskünfte zu einzelnen Firmen“, sagt Christine Gudd, die Pressesprecherin der Arbeitsagentur Göttingen, zu deren Bereich auch Northeim zählt. Nach den neuesten, ihr vorliegenden Zahlen haben im März im Agenturbezirk Mitarbeiter von 16 Betrieben konjunkturelles Kurzarbeitergeld bezogen.

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Was ist Kurzarbeit?

Unter Kurzarbeit wird die vorübergehende Verringerung der Arbeitszeit verstanden. Davon können alle oder ein Teil der Arbeitnehmer eines Betriebs betroffen sein. Sie arbeiten weniger oder auch gar nicht. Kurzarbeit hilft bei vorübergehendem Arbeitsausfall, nicht zuletzt aufgrund fehlender Aufträge, Kündigungen zu vermeiden. Um den Verdienstausfall der Arbeitnehmer teilweise auszugleichen, gewährt die Agentur für Arbeitsagentur unter bestimmten Voraussetzungen eine Entgeltersatzleistung aus der Arbeitslosenversicherung, das so genannte Kurzarbeitergeld.

Von Michael Caspar

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