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Wirtschaft Auszeichnungen für Fahrschule und „Bundestag für die Hosentasche“
Nachrichten Wirtschaft Auszeichnungen für Fahrschule und „Bundestag für die Hosentasche“
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14:14 15.11.2019
Die Sieger und Platzierten des Innovationspreises 2019. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Drei Botschaften hatte Landrat Bernhard Reuter (SPD) zur Vergabe des Innovationspreises des Landkreises Göttingen im Deutschen Theater mitgebracht. Die erste lautete: „Ich mache mir Sorgen um den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland, auch in unserer Region.“ Auf diesen düsteren Einstieg folgte jedoch Hoffnung. „Wir können viel dagegen tun“, hieß die zweite Botschaft, zudem herrsche im Landkreis Göttingen „ein gutes Klima für Innovation“, war die dritte. Der mittlerweile „fest etablierte“ Innovationspreis zeuge davon. Die rund 450 geladenen Gäste, Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Bildung konnten sich im Verlauf des Abends davon überzeugen. Denn die Ideen, die vorgestellt und ausgezeichnet wurden, strotzten nur so von innovativen Gedanken.

Moderatorin Vanessa Krukenberg führte mit lockeren Sprüchen durch die unterhaltsame Preisverleihung. 101 kluge Köpfe hatten Bewerbungen für den Innovationspreis unter dem Motto „Zukunftsorientiert – Lösungen, die verändern“ eingereicht, 13 von ihnen wurden ausgezeichnet. Musikalisch hervorragend untermalt wurde der Abend von der Big Band des Pädogogiums Bad Sachsa, die mit „Eye of the tiger“ aus dem Soundtrack von Rocky 3 den passenden Einstieg fanden. Die klassische Underdog-Story der Filmreihe ließ sich gut auf manche der Preisempfänger übertragen.

Aus Umwelt- wird Klima-Innovationspreis

Den Sonderpreis „Umwelt“ überreichte Frank Doods, Staatssekretär im Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz an das Startup Nefino aus Hannover. Das Unternehmen hat eine Analysesoftware entwickelt, die Standorte von Windkraftanlagen bewertet. Da die EEG-Förderung für die Windräder in den kommenden Jahren ausläuft, kann mithilfe der Software schnell beurteilt werden, ob eine Weiternutzung, ein Rückbau oder eine Erneuerung der Software wirtschaftlich sinnvoll sind.

Der Preis für Innovationen im Bereich des Umweltschutzes wird im nächsten Jahr umbenannt: Dann wird erstmals der Klima-Innovationspreis des Landes Niedersachsen vergeben. Dieser ist mit 10 000 Euro dotiert (bisher: 3000). Die Gründe legte Doods in seiner Eingangsrede offen: „Der Zusammenhang von Treibhausgasen und Klimaerwärmung beschäftigt die Menschen schon lange“, im Jahr 1988 wurde der Weltklimarat gegründet. In den vergangenen Jahren seien aber die „persönliche Betroffenheit und Wahrnehmung“ angestiegen, dennoch: „Es ist kein neues Thema.“ Zudem gebe es kaum einen Bereich, der nicht von der Entwicklung betroffen sei. „Besucht die Malediven, solange es sie noch gibt“, lautete ein Spruch in den 1980ern – darüber schmunzele mittlerweile kaum jemand mehr.

„Wir kommen einen großen Schritt voran, denn der Klimaschutz soll in die Landesverfassung aufgenommen werden“, erläuterte Doods. Man müsse wach bleiben für die Chancen, die im Klimaschutz liegen. Nicht nur die Fridays for Future-Bewegungen würden deutlich machen, dass die Bedeutung des Klimaschutzes steigt. „Wir sollten stolz auf die Akteure sein, die sich im Land den Problemen stellen.“ Dies solle in Zukunft auch durch den Klima-Preis der Landesregierung gewürdigt werden, Unternehmen und Personen, die nach Lösungen forschen, werden ab 2020 damit ausgezeichnet.

Und obwohl der Preis dann offiziell aus Hannover kommt, wird sich am Übergabeort nichts ändern. Der Klima-Innovationspreis wird weiterhin im Rahmen der Veranstaltung im Deutschen Theater in Göttingen übergeben.

IndiScale gewinnt mit Software-Werkzeugkasten

So gewann die Göttinger Firma IndiScale den Preis für Gründer und Jungunternehmer mit ihrem Software-Werkzeugkasten „Link Ahead“. Mit diesem lässt sich das Datenmanagement leicht an neue Rahmenbedingungen anpassen, Datenspeicherung, -verknüpfung und -suche wird erleichtert. Platz zwei ging an die Firma freibeik. Die Aussprache des Firmennamens ist Programm: Das Unternehmen entwickelte eine Gelenk für Fahrradsättel, mit dem sich diese an die natürlichen Hüftbewegungen anpasst. Somit verringern sich Rückenschmerze und andere körperliche Beschwerden bei längeren Touren. Den dritten Platz erreichte das Abbundzentrum Seulingen, das mittels dreidimensionaler Modellplanung und durch den Einsatz einer vollautomatisierten computergesteuerten Anlage die Arbeit von Handwerksbetrieben in der Holzverarbeitung erleichtert.

Bei den Unternehmen bis 20 Mitarbeiter setzte sich die GoePaTec GmBH Göttingen unter 43 Bewerbern durch. Das gemeinsam mit dem IT-Dienstleister Teamnext aus Kassel entwickelteSoft- und Hardwarekonzept „MSGo“, mit dem sich Preise kalkulieren, das Lager verwalten und die Fertigung organisieren lässt, überzeugte die Jury. Auf den zweiten Platz kam die Meyer und Kuhl Spezialwäschen GmbH aus Hardegsen, die mit einem Spezialverfahren künftig nachweisen kann, dass die Schutzkleidung von Feuerwehrkräften nach der Reinigung gesundheitsunschädlich ist. Platz drei ging an das Göttinger Unternehmen img.ai, das derzeit einen Prototyp entwickelt, mit dem Spermiogramme präziser und sekundenschnell ausgewertet werden können. Mit dem kostengünstigen Verfahren kann die Arbeit von Kinderwunschzentren erleichtert und optimiert werden.

KWS setzt sich bei Unternehmen durch

In der Kategorie über 20 Mitarbeitern gewann die KWS Saat SE den ersten Preis. Anhand von Satellitenbildern können die Einbecker für Kunden den optimalen Erntezeitpunkt von Silomais bestimmen. Den zweiten Platz belegte Eisenhuth GmbH & Co. KG aus Osterode. Das Unternehmen hat einen Greifer entwickelt, der mit vielen unterschiedlichen Kunststoff- und Metallbauteilen umgehen kann. Auf Rang drei landete die Leitec Gebäudetechnik GmbH aus Heiligenstadt, die einen Hybridkollektor und die dazugehörige Steuertechnik entwickelt hat. Das Gerät kann unter anderem zur Optimierung von Photovoltaikanlagen eingesetzt werden.

Der Sonderpreis „Integration und Soziales“ ging an die Fahrschule Am Bahnhof aus Göttingen. Dort können Querschnittsgelähmte und Menschen mit Beinprothese den Lkw-Führerschein im extra mit Fahrstuhl und Handgas umgebauten „No Handicap Truck“ machen. Das bundesweit einzigartige Projekt von Udo Wichmann wurde mit großem Applaus bedacht, denn „es gibt so viele Menschen, denen man dadurch ein Stück Normalität wiedergeben kann“, meinte der Fahrlehrer.

Sieger, Platzierte und Gäste

Sonderpreis für „Bundestag für die Hosentasche

Für die App „Democracy“ erhielt Marius Krüger den Sonderpreis „Wissenschaft und Bildung“. Mit dem „Bundestag für die Hosentasche“ könne jedermann überprüfen, ob Politiker sich an ihre Wahlversprechen halten. Zudem können Nutzer über aktuelle Gesetzesvorhaben abstimmen und so herausfinden, welcher Abgeordnete am ehesten ihre Interessen vertritt.

Der Sonderpreis „Messtechnik“ wurde an die Fachhochschule Südwestfalen und ihre Industriepartner, die Plettenberger Schmiede Linamar Seissenschmidt und das Badesweiler Unternehmen nokra Optische Prüftechnik und Automation vergeben. Durch die Entwicklung können bis zu 1250 Grad heiße Eisenteile und die Veränderung im erkalteten Zustand sofort nach dem Umformprozess geometrisch vermessen werden. Dadurch wird der Ausschuss im Falle eines Produktionsfehlers minimiert.

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Von Tobias Christ

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