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Wirtschaft Aluminium: „Unendlich oft“ recycelbar
Nachrichten Wirtschaft Aluminium: „Unendlich oft“ recycelbar
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19:13 24.07.2019
Aluminium Getränkedosen werden wieder zu Dosen. Quelle: r
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Göttingen

Sie sind leicht, handlich und damit ideal für unterwegs: Die Deutsche Umwelthilfe nennt Dosen allerdings eine der „umweltunfreundlichsten Getränkeverpackungen“. Ist die Dose so schlecht wie ihr Ruf? Nein, sagt Bernd Blumenberg, Werksleiter der Aluminium verabeitenden Unternehmens Novelis in Göttingen. „Aluminium hat eine Recyclingquote von bis zu 99 Prozent”, sagt er. Die Aluminium-Dose im Fakten-Check:

„Unendliche“ Wiederverwertung

Aluminium ist quasi unsterblich: „Aluminium ist unendlich recycelbar und das ohne Qualitätsverlust“, sagt Novelis-Sprecherin Anke Höbelmann. Von allem Aluminium, das weltweit seit dem Jahr 1888 jemals produziert wurde, seien noch heute 75 Prozent im Umlauf. „Aluminium kann unendlich und ohne Beeinträchtigungen oft wiederverwertet werden“, so Blumenberg.

Fast alle Pfanddosen werden recycelt

Eine Dose wird wieder eine Dose: Aluminium ist ein teurer Wertstoff – derzeit kostet das Kilo 2,30 Euro –, der endlos wiederverwertbar ist. „Er ist somit ein zukunftstragendes Modell für nachhaltige Verpackungen für abgefülltes Wasser und andere Getränke“, sagt Novelis-Sprecherin Anke Höbelmann. 99 Prozent der Aluminium-Getränkedosen im Pfandsystem werden wiederverarbeitet. Europaweit sind es 74 Prozent (Stand 2018). Novelis recycelt jedes Jahr über 70 Milliarden Getränkedosen, aus denen innerhalb von 60 Tagen neue Produkte entstehen. Laut Bundesumweltministerium lag die Verwertungsquote des Aluminiums 1991 noch bei 16,6 Prozent. Die Menge stieg 1997 auf 79,7 und lag im Jahr 2016 bei 91,6 Prozent für sämtliche Aluminiumverpackungen.

Getränkedosen aus Aluminium. Quelle: r

Die Aluminumherstellung ist ein Engergiefresser und ökologisch umstritten: Das ist richtig. Der Rohstoff Bauxit muss, um Aluminium herzustellen, aufwändig verarbeitet werden, das geschieht überwiegend im Ausland. Allerdings: „In einer Getränkedose stecken heute weniger als fünf Prozent Primär-Aluminium“, so Blumenberg. Die enorme Recyclingquote verbessere also auch die Energiebilanz enorm. Dabei werden etwa fünf Prozent der Energiemenge verbraucht, die zur Herstellung von Primäraluminium nötig wäre.

Blech so dünn wie ein Haar

Aluminium ist leicht: 16 Gramm wiegt eine moderne Getränkedose. „Seit 1980 ist der Materialverbrauch für eine Dose um 35 Prozent reduziert worden”, sagt Blumenberg. „Das Blech einer Dose ist so dick wie ein menschliches Haar“, fügt Höbelmann hinzu.

Nur wenige Hersteller füllen Getränke in Dosen ab, das verursacht längere Transportwege: Richtig. Aber 80 Prozent des Novelis-Aluminiums werden über die Schiene transportiert. „Wir wollen die Welt etwas nachhaltiger machen”, sagt Blumeneberg. Der Transport von Dosen sei 57 Prozent günstiger als der Transport von Glasflaschen, so Blumenberg.

Dose auf Platz drei

Und die Ökobilanz? Mehrweg-Glasflaschen mit kurzen Wegen sind laut einer Studie besser. Die Dose verursacht im Vergleich zu Plastikverpackungen aber keine Plastikberge in den Meeren und kein Mikroplastik in Organismen. Die Deutsche Umwelthilfe verweist beispielsweise bei Bierdosen auf die Studie „Ökobilanzielle Untersuchung verschiedener Verpackungssysteme für Bier“ des IFEU-Instituts (2010). Darin wird verglichen, wie viel Kohlendioxid anfällt. Demnach liegt die Glas-Mehrwegflasche mit rund 150 Kilo CO2-Äquivalente je 1000 Liter Bier vorn. Die PET-Einwegflasche wird mit 240 Kilo und die Aluminiumdose mit 295 Kilo CO2-Äquivalenten geführt. Eine Weißblechdose kommt auf 300 Kilo, die Einweg-Glasflasche auf 350 Kilo CO2.

Nicht nur Dosen, auch Nummernschilder und Autoteile werden recycelt. Novelis arbeitet mit Ford und Jaguar Land Rover zusammen. „Wir haben das erste und weltweit größte geschlossene Recyclingsystem für Aluminium geschaffen“, so Höbelmann. Dank des Recyclingkreislaufs könne der gesamte Aluminiumschrott von Kunden zurück genommen und zu neuen Produkten verarbeitet werden. „Ein geschlossener Kreislauf bewahrt den Wert des Ausgangsmaterials“, sagt sie.

Weltmarktführer Novelis

Das Unternehmen Novelismit Sitz in Göttingen hat nach eigenen Anhaben seit dem Jahr 2011 die Recyclingkapazität nahezu verdoppelt. „Damit haben wir unsere Position als weltweit größter Aluminium-Recycler gefestigt“, sagt Unternehmensprecherin Anke Höbelmann. Seit 2014 betreibt Novelis in Nachterstedt (Sachsen-Anhalt) das weltweit größte moderne Aluminium-Recyclingwerk. In dieser Anlage verarbeitet Novelis in Europa jährlich mehr als 400 000 Tonnen Aluminiumschrott innerhalb eines geschlossenen Recyclingsystems. Das recycelte Aluminium wird wieder auf den Markt gebracht, vornehmlich bei Kunden aus der Automobil- und Getränkedosenbranche. Im Recyclingwerk Nachterstedt ist nach Angaben der Firma der Einsatz von Primäraluminium zum Gießen der neun Meter langen und 20 Tonnen schweren Aluminiumbarren kleiner als fünf Prozent. „Recyclinganlagen in Alunorf in Neuss und Latchford in England komplementieren unser Recyclingsystem in Europa“, so Höbelmann. Die jährlichen Energieeinsparungen durch das Recyclingwerk in Nachterstedt decken ihren Angaben zufolge den jährlichen Energiebedarf einer Großstadt wie Bochum. Novelis ist der weltgrößte Hersteller von Aluminiumvormaterial für Getränkedosen.

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