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Regional 125 Jahre Göttinger Hobelwerk Holz-Henkel
Nachrichten Wirtschaft Regional 125 Jahre Göttinger Hobelwerk Holz-Henkel
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17:30 24.09.2013
Von Hanne-Dore Schumacher
Werden im Zwei-Schicht-Betrieb gefertigt: Profilhölzer, Kanthölzer, Blockbohlen und Rauspundbretter. Quelle: Heller
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Göttingen

Die zehnköpfige Delegation, bestehend aus finnischen Wirtschaftsförderern, besucht deutsche Betriebe.

Holz-Henkel ist ein traditionsreiches Unternehmen. Vor 125 Jahren hat Joseph Henkel den Grundstein in Dingelstedt gelegt. Im Eichsfeld fing „Bretter-Henkel“ 1888 mit einem Dachdeckerbetrieb an. Sein Sohn, der Eisenwarenkaufmann Johannes Henkel, eröffnete 1938 im Göttinger Stadtgebiet eine Holzhandlung, die 1945 nach Weende in die Hannoversche Straße umzog.

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Dort, so berichtet Herzel seinen Gästen, wurden 1954/55 ein Hobelwerk und verschiedene Lagerhallen gebaut. „Die Holzkonstruktionen würde heute niemand mehr genehmigen“, erklärt Herzel beim Rundgang durch die 14 Meter hohen Hallen mit Holzdach-stühlen.

Richtige Weichen gestellt

Bis zu seinem Tod 1972 hat Johannes Henkel sein Werk geleitet, danach übernahm eine englische Unternehmensgruppe die Göttinger Holzverarbeiter. Ende der 70er Jahre stand der Betrieb zum Verkauf. „Die Engländer hatten wohl die Nase voll vom Holzgeschäft“, vermutet Herzel. Bis 2001 dann gehörte Holz-Henkel zur Neusser Werhahn-Gruppe.

Auch sie trennte  sich von dem Werk, „weil wohl mit Holz nicht so viel Geld zu verdienen war.“  Seit elf Jahren nun ist Ruhe. Seit 2002 gehört das Werk Göttingen zur Cordes-Gruppe. Die Familie aus Bremerhaven begleite Holz-Henkel aktiv, berichtet Herzel. In den vergangenen drei Jahre, so Herzel weiter, habe die Familie rund 3 Mio. Euro in neue Maschinen, Hobelanlagen, Regale und Stapler investiert.

So bleibe das Werk, in dem unter anderem Fichten, Kiefern und sibirische Lärchen verarbeitet werden, konkurrenzfähig. In Göttingen seien die richtigen Weichen gestellt worden, ist sich Herzel sicher. Dazu zählt für ihn auch die Ausbildung junger Menschen. 14 Lehrlinge werden unter anderem zu Holzbearbeitungsmechanikern und Mechatronikern ausgebildet.

„Eine Menge Holz“

85 Fachkräfte arbeiten in dem Betrieb, in dem 120 000 Kubikmeter Holz jährlich an sechs Linien verarbeitet werden. Ein Viertel der Hölzer geht an Baumärkte wie Obi und Hagebau. Weitere Abnehmer der Hobelware sind Handwerk und Industrie. 40 Prozent der Ware geht in den Export. Tendenz steigend.

Auf den 88 000 Quadratmetern Werksfläche (75 000 qm überdacht) sind zudem die Schwesterunternehmen Euroline (seit 2006 Holzbrikett-Produktion) und IVG, Industrie Verpackungs GmbH (seit 1974 Sonderanfertigungen von Paletten und Kisten) ansässig.

Rund 100 000 Tonnen Ware werde jedes Jahr ausgeliefert, erfahren die finnischen Gäste. „Eine Menge Holz“, das mit dem eigenen Fuhrpark (vier 40-Tonner) und zusätzlichen Speditionen (10 bis 15 Lkw täglich) ausgeliefert wird. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, das Exportgeschäft wächst und trotzdem sind die Göttinger nicht wunschlos glücklich.

30 000 Quadratmeter mehr Fläche, so Herzel, das wäre ideal. Die Göttinger Wirtschaftsförderer kennen den Bedarf, bestätigt Hans Hahn von der GWG, können aber nicht helfen. Für das Gelände, an das unter anderem Novelis grenzt, gibt es keinen Erweiterungsspielraum.