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Regional 13 Ideen beim Innovationspreis ausgezeichnet
Nachrichten Wirtschaft Regional 13 Ideen beim Innovationspreis ausgezeichnet
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13:28 22.11.2018
Die Verleihung des Innovationspreises 2018 im Deutschen Theater in Göttingen – unter anderem Umweltminister Olaf Lies (SPD) war anwesend. Quelle: Niklas Richter
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Göttingen

Im voll besetzten Deutschen Theater hat am Mittwochabend der 16. Innovationspreis des Landkreises Göttingen seinen strahlenden Höhepunkt erlebt. Die Sieger des unter dem Motto „Mehr als eine Idee!“ stehenden Wettbewerbs wurden vor fast 500 Gästen aus Wirtschaft, Politik, Universität, Kultur und Verwaltung gebührend gefeiert.

Impressionen von der Verleihung des Innovationspreises 2018 im Deutschen Theater

Im Deutschen Theater herrschte einmal mehr eine besonders hohe Dichte an Kreativität. Mit 114 Bewerbungen hatte der Innovationspreis 2018 einen Teilnehmerrekord verzeichnet. Beworben hatten sich Gründer, mittelständische Unternehmen, weltweit agierende Konzerne und Bildungseinrichtungen, aber auch Wissenschaftler, Studenten sowie soziale Projekte und Initiativen.

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In seiner Begrüßungsrede stellte Landrat Bernhard Reuter (SPD) daher zufrieden fest: „Die Bewerbungen kommen nicht nur aus dem Landkreis Göttingen, sondern aus dem weiteren Umfeld. Mit 114 Bewerbungen können wir einen Rekord verzeichnen. Beides zeigt, dass der Innovationspreis zu einem Aushängeschild der Region geworden ist.“

Bevor die Sieger und Platzierten prämiert wurden, nahm sich Reuter am Buß- und Bettag Zeit die Frage zu beleuchten, wie es im Landkreis läuft. „Wie steht der Landkreis da? Wo wollen wir wirtschaftspolitisch hin?“, fragte der Landrat und formulierte dann Antworten. „Eine ganze Menge“, betonte Reuter und führte als Belege die dynamische Wirtschaft, eine funktionierende Verwaltung, eine facettenreiche regionale Identität und ein hohes Maß an ehrenamtlichem Engagement an. Er kritisierte jedoch, dass aktuell „leider im öffentlichen Diskurs mehr und mehr jene Gehör finden, die kritisieren, dagegen sind und schlechtreden – und das möglichst laut.“ Das gelte online wie offline.

Zudem machte Reuter auf eine Besonderheit des Landkreises aufmerksam. Er gehöre laut einer IWD-Untersuchung zu den sogenannten „schrumpfenden Boomregionen“ Deutschlands. Unter den gut 400 Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands gebe es zehn dieser Kommunen. Sie eint eine gegenläufige Entwicklung bei Bevölkerungs- und Beschäftigtenzahlen.

Der Begriff „schrumpfende Boomregion“ mache das Paradoxon deutlich. Das eigentlich positive Beschäftigungswachstum werde zu einem wirtschaftlichen Problem, da aufgrund des Bevölkerungsrückgangs wachsende Betriebe offene Stellen immer schwerer besetzen könnten und auch Ausbildungsplätze vakant blieben. Die Entwicklung des Unternehmens stagniere, im schlimmsten Fall wandere das Unternehmen ab. „Der Fachkräftemangel ist eine tickende Zeitbombe“, unterstrich Reuter.

Genauso klar seien jedoch auch die Forderungen der Wirtschaftsforscher, um die Bombe zu entschärfen. Politik und Unternehmen müssten Maßnahmen ergreifen bei Ausbildung, Kinderbetreuung, Arbeitsplatzchancen für Partner, Offenheit für Zuwanderer und bezahlbarem Wohnraum. „Ich unterschreibe jeden einzelnen Punkt. Sie zeigen: Die Entwicklung ist nicht unaufhaltsam, man kann konkret etwas tun“, sagte Reuter und skizzierte, was der Landkreis schon aktuell unternimmt. Er kam zum Schluss: „Der Landkreis schafft nicht alleine gute Bedingungen, sondern gemeinsam mit den Gemeinden, mit der Wirtschaft, mit den gesellschaftlichen Akteuren. Diese Partnerschaft existiert und sie funktioniert. Darauf können wir stolz sein. Aber ich sage auch hier: Darauf dürfen wir uns nicht ausruhen. Um dem Fachkräftemangel wirksam zu begegnen reicht es nicht aus, gute Bedingungen zu haben. Wir müssen es auch nach außen tragen. Wir brauchen ein gemeinsames, abgestimmtes Regionalmarketing. Wir müssen Südniedersachsen zu einer Marke machen.“

13 Geldpreise bis 3000 Euro

„Mehr als eine Idee!“ Unter diesem Motto suchte der Landkreis Göttingen die innovativsten Gründer und Unternehmen. Geldpreise gibt es für die besten drei Innovationen in jeder der drei Kategorien sowie für vier Sonderpreise.

Zu gewinnen gab es 13 Geldpreise. Ausgeschrieben waren erneut drei Kategorien. Gründer und Jungunternehmer, Unternehmen mit bis 20 Mitarbeitern und Unternehmen mit mehr als 20 Mitarbeitern. Unterstützer des Innovationspreises sind schon seit vielen Jahren die Sparkassen Göttingen, Duderstadt und Münden, seit einem Jahr ist auch die Sparkasse Osterode dabei, die EAM, Measurement Valley und das Niedersächsische Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz.

Die Erstplatzierten erhielten jeweils 3000 Euro und eine von der Sparkasse Göttingen gestiftete Innovationsskulptur. Die Zweitplatzierten jeweils 2000 Euro und die Drittplatzierten jeweils 1000 Euro. Die vier Sonderpreise Integration und Soziales (Sparkasse Göttingen), Wissenschaft und Bildung (Sparkasse Göttingen), Umwelt (Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz) sowie Messtechnik (Measurement Valley) sind mit 3000 Euro dotiert.

Die Beurteilung hat eine neunköpfige Jury vorgenommen. Die WRG legt bei der Zusammensetzung der Jury großen Wert darauf, dass Vertreter aus allen wesentlichen Bereichen einen Platz haben. Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur bilden die Basis.

Kategorie „Gründer und Jungunternehmer (bis 2 Jahre)“

1. Platz:
LifeScience Plasma GmbH, Göttingen. „Biozid freie Schädlingsbekämpfung durch Plasmatechnologie“. Prof. Stephan Wieneke hat einen Läusekamm entwickelt, der die blutsaugenden Plagegeister mittels Plasma abtötet. Das geschehe innerhalb von Sekunden. Ohne Einsatz von Chemie werden auch die Nissen genannten Eier der Läuse abgetötet. Den Läusekamm will die LifeScience Plasma GmbH 2020 auf den Markt bringen.

2. Platz:
Alarmplane.de GmbH, Geestland „Alarmplane“

3. Platz:
Wunderbar Unverpackt GmbH, Göttingen „Plastikfreies Einkaufen in der Region Göttingen

Kategorie „Bewerber mit bis zu 20 Mitarbeitern“

1. Platz: works technology & innovation, DuderstadtIpso Cast, Abformhilfe für Amputationsstümpfe“. Orthopädietechniker suchen seit langem nach einer Lösung für das Problem, dass Schäfte von Amputierten besser am Amputationsstrumpf sitzt. Anfang 2016 hatte Lüder Mosler die Idee, den zum Anfertigen eines Gipsabdruckes nötigen gleichmäßigen Druck mit einem speziellen, sich zusammenziehenden Flechtstrumpf zu erzeugen.

2. Platz: MEMOTEC GmbH & Co. KG, LeinefeldeRotations-Hub-Modul RHM – 360 ⁰ Freiheit auf ganzer Linie“

3. Platz: TRIBodyn AG, Northeim „Lithovit von Tribodyn – organischer, hocheffektiver Blattdünger“

Kategorie „Bewerber mit über 20 Mitarbeitern“

1. Platz: Stöbich Brandschutz GmbH, Goslar „Fibershield®-I – Isolierender (wärmedämmender) Feuerschutzvorhang“. Geschäftsführer Jochen Stöbich und dessen Brandschutz GmbH haben einen besonders wirksamen Feuerschutzvorhang entwickelt. Er verhindert anstelle eines Brandschutztores für eine bestimmte Zeit das Überschlagen von Flammen und hält Hitze zurück.

2. Platz: Martin Christ Gefriertrocknungsanlagen GmbH, Osterode „LyoShuttle – das innovative vollautomatische Be- und Entladesystem für Gefriertrockner“

3. Platz: Südharz Klinikum Nordhausen, Institut für Radiologie „Neue Wege in der Diagnostik bei Krebspatienten“

Sonderpreis „Umwelt“: Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, GöttingenEcoBus – ein bedarfsgerechtes ÖPNV System

Sonderpreis „Integration und Soziales“: Nicoletta´s Handicap Dolls, Grafhorst „Nicoletta´s Handicap Dolls“

Sonderpreis „Wissenschaft und Bildung“: Angiolutions UG, Göttingen „A3-Shield: Neue Wege zur Entschärfung einer tickenden Zeitbombe im Bauch“

Sonderpreis „Messtechnik“: LaVision GmbH, Göttingen „MiniShaker Robotic – vollautomatische großvolumige Strömungsmessung“

Von Mark Bambey

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