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Regional 2. Göttinger Gründerinnentag stark frequentiert
Nachrichten Wirtschaft Regional 2. Göttinger Gründerinnentag stark frequentiert
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19:16 17.11.2017
Waren mit einem Messestand beim Gründerinnentag dabei: Marketingfrau Meike Diesing (links) und Yogalehrerin Annika Hesse.
Waren mit einem Messestand beim Gründerinnentag dabei: Marketingfrau Meike Diesing (links) und Yogalehrerin Annika Hesse. Quelle: Caspar
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Göttingen

„Wenn man sich selbstständig macht, fühlt man sich oft sehr allein“, berichtete Besucherin Monika Schulze, die in Einbeck eine Event- und Tagungsagentur aufbaut. Sie sei nach Göttingen gekommen, um sich mit anderen Gründerinnen auszutauschen und sich Tipps zum Lösen von Problemen zu holen. „Dass auch andere Gründerinnen neben Höhen Tiefen erleben, macht mir Mut“, ergänzte Fotografin Katrin Raabe.

Informationen zum Marketing suchte Besucherin Irmgard Döring, die seit zehn Jahren als Handelsvertreterin in Apotheken tätig ist und künftig zusätzlich Katzenkratzbäume vertreiben will. Als Marketingberaterin hat sich im August in Kassel Wirtschaftsingenieurin Meike Diesing selbstständig gemacht. Mehr als 25 Jahre habe sie in Konzernen gearbeitet, erzählte sie an ihrem Messestand. Nun sei sie froh, endlich – ohne Rücksicht auf Vorbehalte von Chefs – ihre Vorstellungen umsetzen zu können.

Mit der Freiheit geht mehr Verantwortung einher. „Ich muss nun an alles selber denken“, erklärte Yogalehrerin Annika Hesse, die ihr Unternehmen vor dreieinhalb Jahren mit 20 Jahren Berufserfahrung gegründet hat. Viele Seminare und Einzelberatungen habe sie bei Mobil absolviert, sich unter anderem mit Steuerrecht, Versicherungen und Buchführung vertraut gemacht. Sehr wertvoll sei für sie das monatliche Gründerinnen-Frühstück im Göttinger Apex an der Burgstraße, wo sie sich mit Frauen in der gleichen Situation austauschen könne.

„Würde ich mein Unternehmen heute noch einmal gründen, würde ich mir viel mehr Zeit für das Netzwerken nehmen“, sagte Kersten Renneberg, die sich vor 14 Jahren als Webdesignerin mit einer sogenannten Ich-AG selbstständig machte. In ihrem Bereich ließen sich Kunden weniger durch Flyer, als durch persönliche Kontakte finden. Das habe sie anfangs falsch eingeschätzt. „Auch ich kann Kunden am besten im persönlichen Gespräch gewinnen“, erklärte Coach Bendine Röwer. Sie engagiere sich daher in einer Reihe von Netzwerken.

„Frauen, die oft für eine Familie Verantwortung tragen, nehmen sich mehr Zeit für die Gründung und gehen weniger Risiken ein“, berichtete Mobil-Mitarbeiterin Tina Bergmann. Oft starteten sie ihre Firma erst einmal im Nebenerwerb. Die Unternehmen von Frauen seien besser durchorganisiert und krisenstabiler als die von Männern. Für Frauen sei zudem der gegenseitige Austausch wichtig.

„Die Hälfte der 200 Firmengründungen, die Mobil im Jahr betreut, entfällt auf Frauen“, führte Bergmann aus. Vor sieben Jahren habe der Anteil noch bei einem Drittel gelegen. Bundesweit seien es 40 Prozent, mit fallender Tendenz. Ein Grund: Seit zwei Jahren würden Gründerinnen nicht mehr so intensiv unterstützt wie zuvor.

Von Michael Caspar