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Regional 50 Frauen bei der Gründungsberatung Mobil
Nachrichten Wirtschaft Regional 50 Frauen bei der Gründungsberatung Mobil
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00:27 18.11.2018
50 Besucherinnen informieren sich in den Räumen der städtischen Gründungsberatung Mobil, die die beiden Veranstalterinnen unterstützte.
50 Besucherinnen informieren sich in den Räumen der städtischen Gründungsberatung Mobil, die die beiden Veranstalterinnen unterstützte. Quelle: Hinzmann
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Göttingen

Frauen zur Gründung eines eigenen Unternehmens ermutigen will der Göttinger Gründerinnentag. Martina Henn-Sax (abiturlernen.de) und Miram Engel (presse-engel.de) richteten ihn am Donnerstag zum dritten Mal aus.

„Frauen brauchen Vorbilder“, betonte Henn-Sax vor 50 Besucherinnen in den Räumen der städtischen Gründungsberatung Mobil, die die beiden Veranstalterinnen unterstützte. An der Seite einer Geschäftsfrau, so Henn-Sax, wagten Frauen eher den Schritt in die Selbstständigkeit. Das sei auch am Vortrag in Berlin beim Tag der Vorbildunternehmerinnen im Wirtschaftsministerium erklärt worden. Sie habe dort, als eine von fünf Vorbildunternehmerinnen, das Göttinger Gründerinnentreffen vorgestellt.

„Frauen zweifeln eher an sich als Männer“, meinte Engel. „Viele Frauen bereiten sich bei uns in Seminaren und in Beratungsgesprächen auf die Gründung vor, wagen am Ende aber nicht den letzten Schritt“, ergänzte Mobil-Mitarbeiterin Astrid Witte.

Künstlerin Evdokia Kulikova

Beim Gründerinnentag teilten drei Geschäftsfrauen mit den Zuhörerinnen ihre Erfahrungen. Coach Clarissa Pech, die sich 2010 selbstständig gemacht hatte, forderte ihr Publikum auf, aktiv ein eigenes Netzwerk zu knüpfen. Künstlerin Evdokia Kulikova berichtete von den vielen Schwierigkeiten, die sie zu überwinden hatte, seit sie 1996 nach Deutschland gekommen ist.

Mit gerade einmal 21 Jahren hat Victoria Flachs Nóbrega im März in Göttingen ein eigenes Yogastudio, Untroddenpath, eröffnet. „Ich wollte unbedingt das tun, was mir am meisten Spaß macht“, erklärte sie während des Treffens. Weil sie ihren Traum verwirkliche, falle ihr nichts schwer. Sie habe sich einen Steuerberater gesucht, Räume gemietet und sich ihre Möbel gebaut. Leidenschaft, einen festen Willen und Durchhaltevermögen brauche es bei einer Firmengründung. Hilfe gewährten ihre Eltern.

Im Dezember eröffnet eine neue Weberei auf Gut Besenhausen

Neben Vorträgen konnten die Besucherinnen auch Messestände besuchen, an denen neun Unternehmerinnen ihre Firmen vorstellten. Mit dabei war Webermeisterin Martina Fenner-Fellmann, die sich im Dezember mit Webergesellin Galina Schäfer und Inge Gräser auf dem Gut Besenhausen selbstständig machen will. Sie waren dort bis Oktober bei der Handweberei Rosenwinkel tätig, die nun nicht mehr besteht.

„Als Weberin Arbeit zu finden, ist so gut wie unmöglich“, erklärte Fenner-Fellmann. Sie habe sich daher gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen zur Gründung einer eigenen Firma entschlossen. Ihre Weberei sei, im Unterschied zum Vorgängerunternehmen, kein soziales Projekt mehr, sondern ein Handwerksbetrieb mit angeschlossenem Café. Das nötige betriebswirtschaftliche und steuerrechtliche Fachwissen hätten sie sich in Mobil-Seminaren angeeignet.

„Wir konzentrieren uns auf die Produktion von Decken, die sich in der Handweberei am besten verkaufen ließen“, sagte Fenner-Fellmann. Verkauft würden die Decken im Laden der Handweberei, über einen Webshop und von Weihnachten 2019 an mit anderen Kunsthandwerkern in einem Geschäft auf Zeit in der Göttinger Innenstadt.

Anna Dargels Kaffeeklatsch

Aus der Not heraus hat sich auch die gelernte Bürokauffrau Anna Dargel im August 2016 selbstständig gemacht. „Ohne Berufserfahrung und mit zwei kleinen Kindern habe ich nach der Familienpause keine Stelle gefunden“, sagte Dargel. So habe sie sich entschlossen, ihr Hobby, das Kochen und Backen, zum Beruf zu machen. Sie sei Franchisenehmerin des Caterers Kaffeeklatsch geworden.

Kooperationspartner der Veranstalterinnen Henn-Sax und Engel war die Göttinger Koordinierungsstelle „Frauenförderung in der privaten Wirtschaft“.

Von Michael Casper