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Regional 516. Gildentag der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen
Nachrichten Wirtschaft Regional 516. Gildentag der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen
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17:46 30.09.2013
Von Hanne-Dore Schumacher
Begrüßung im Alten Rathaus: Frauke Heiligenstadt, Andreas Gliem, Katja Thiele-Hann, Wolfgang Meyer und Ina Heidmann (von links). Quelle: Vetter
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Göttingen

„Wir sind vehemente Verfechter des dualen Ausbildungssystems“, betonte sie und forderte, dass das durch Jahrzehnte erfolgreich etablierte System „durch keine noch so starken europäischen Gegenströmungen aufgeweicht werden“ dürfe.

Das Handwerk bilde jährlich 400 000 Jugendliche aus. Jeder zwölfte Beschäftigte, so Thiele-Hann, sei ein Lehrling. Mit einer Ausbildungsquote höher als acht Prozent stellten die Betriebe des Handwerks ihre Ausbildungsbereitschaft und -leistung eindrucksvoll unter Beweis. In der Kreishandwerkerschaft (KH) Südniedersachsen sind dies 800 Mitgliedsbetriebe in 23 Innungen mit 2500 Beschäftigten.

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Bei allen Fragen der Berufsausbildung sei das Handwerk ein ganz wichtiger Partner des Kultusministeriums. Mit diesen  Worten begann Ministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) die traditionelle „Morgensprache“ des Göttinger Gildentags. Ihr Thema: „Fachkräftenachwuchs durch Stärkung der dualen Berufsausbildung sichern“.

Für die Wirtschaft stehe die Sicherung des Fachkräftenachwuchses im Fokus. Deutschlands Bevölkerung nehme drastisch ab, informierte die Politikerin und nannte Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB).

Danach geht das potenzielle Arbeitskräfteangebot bis 2025 um 6,7 Millionen  Personen zurück. Dieser Rückgang könne gemildert werden durch eine höhere Erwerbsbeteiligung und durch Zuwanderung. Aber auch bei optimistischen Annahmen würde der Rückgang noch bei 3,5 Millionen Personen liegen.

250 Gäste kamen zum 516. Gildentag der Kreishandwerkerschaft im Alten Rathaus. ©Vetter

In Niedersachsen, so eine weitere Prognose, sinke die Zahl der Einwohner von 2010 bis 2025 um rund 355 000 (-4,5%). Rasches und vor allem gemeinsames Handeln mahnte Heiligenstadt an und stellte bezüglich der Ausbildungsabbrecher klar: „Wir können es uns nicht leisten, auch nur einen Jugendlichen zurückzulassen. Wir brauchen alle.“

Als einen der bildungspolitischen Schwerpunkte der Landesregierung nannte sie die „Förderung der Berufswahlkompetenz“. So sollen die Schulen der Sekundarstufe I künftig noch enger mit schulischen und außerschulische Kooperationspartnern und Institutionen zusammenarbeiten.

Je nach Schulform sollen 30, 60 oder 90 Praxistage angesetzt werden. Bis Ende 2013 sollen hierfür insgesamt 3,5 Mio. Euro in den Schulen investiert werden, kündigte die Sozialdemokratin an. Bis 2016 stelle das Land zudem jeweils 1 Mio. Euro für die Fortführung der seit 2011 bestehenden Koordinierungsstelle Berufsorientierung zur Verfügung.

Noch immer gelinge zu wenigen Jugendlichen nach den Klassen 9 und 10 der zügige Übergang in die Berufsbildung. Man müsse ein Ausbildungsangebot für alle ausbildungsfähigen und -willigen Jugendlichen schaffen: „Hoffnungslose Fälle können und wollen wir uns nicht leisten.“

In Göttingen kündigte die Ministerin zudem an, im Rahmen der Fachkräfteinitiative ein „Bündnis duale Berufsausbildung“ mit allen Beteiligten zu schmieden.

Dass das Handwerk keine übertriebenen Anforderungen an seine künftige Lehrlinge stelle, betonte KH-Geschäftsführer Andreas Gliem: „Wir begnügen uns mit denen, die rechnen, schreiben und lesen können.“

Zum Speckkuchen-Empfang hatte im Anschluss an die „Morgensprache“ Oberbürgermeister Wolfgang Meyer geladen. Bevor es Speckkuchen und Schnaps für Handwerker und Gäste gab, stellte Meyer den Beruf des Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikers vor.