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Regional Ärzte in Niedersachsen vergeben Rezepte gegen Provision
Nachrichten Wirtschaft Regional Ärzte in Niedersachsen vergeben Rezepte gegen Provision
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07:28 26.07.2011
Von Jens Heitmann
Ärzte in Niedersachsen sollen korrupt gehandelt haben.
Ärzte in Niedersachsen stehen unter Verdacht, Rezepte gegen Provision vergeben zu haben. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Hannover

Besonders brisant: Einer der Verdächtigen soll KVN-Vize Jörg Berling sein. Ein KVN-Sprecher wollte das weder bestätigen noch dementieren: „Kein Kommentar.“

Nach Informationen dieser Zeitung ist man bei der Krankenkasse bei einer Routineprüfung des Verordnungsverhaltens von niedergelassenen Medizinern skeptisch geworden. Dabei fiel auf, dass Mitglieder der Ärztegenossenschaft Niedersachsen-Bremen (ägnw) ihren Patienten in auffällig hohem Maße Medikamente der Firma Q-Pharm verschreiben. Das Bad Segeberger Unternehmen ist eine Tochter der Ärztegenossenschaft Nord, der 2300 Mediziner aus Schleswig-Holstein und Hamburg angehören.

Q-Pharm vertreibt Nachahmerprodukte, also wirkstoffgleiche Kopien von Arzneimitteln, deren Patentschutz abgelaufen ist – diese Generika sind daher in der Regel billiger als die teuren Originale. Seit April 2007 sagt der nominelle Preis auf einer Packung jedoch nicht mehr viel darüber aus, was das Präparat die Krankenkasse am Ende kostet. Über sogenannte Rabattverträge können die Kassen mit den Pharmafirmen Nachlässe aushandeln.

In der Theorie soll der Arzt nur noch den entsprechenden Wirkstoff verordnen – der Apotheker sucht dann die günstigsten Tabletten heraus. In der Praxis sollen Mitglieder der Ärztegenossenschaft dieses Verfahren jedoch ausgehebelt haben. Sie kreuzen dazu das Kästchen „Aut idem“ („Oder ein Gleiches“) auf den Rezepten durch – und verpflichten damit den Apotheker, das vom Arzt verordnete Arzneimittel herauszugeben – und nicht das von der Krankenkasse gewünschte wirkstoffgleiche, billigere Duplikat.

Nach Aussage des Bundesgesundheitsministeriums darf das „Aut-idem-Kreuzchen nur aus medizinischen Gründen gesetzt werden. Ein Verstoß gegen diesen Grundsatz sei „als disziplinarrechtlich zu ahnender Verstoß gegen die vertragsärztlichen Pflichten anzusehen“, die „Annahme von Zuwendungen für die Vornahme von Verordnungen“ könne als Untreue und Bestechlichkeit gewertet werden.

Die Ärztegenossenschaft Niedersachsen-Bremen weist jeden Verdacht in dieser Hinsicht von sich. Q-Pharm zahle zwar abhängig von der Zahl der Verordnungen eine Art Provision, sagt Vorstandschef Rainer Woltmann: „Aber das sind Peanuts.“ Die Zuwendungen machten höchstens 20 Prozent der Gesamteinnahmen der Genossenschaft aus. Ohnehin nutze allenfalls jeder fünfte Arzt das „Aut-idem-Kreuz“. Das Geld werde nicht an die Mitglieder ausgeschüttet, man nutze es unter anderem zur Bildung von Einkaufs-, Geräte- und Laborgemeinschaften sowie für die politische Interessenvertretung und Marketing für die Mitglieder, erklärt Woltmann.

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