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Regional Aktionäre verweigern Gödde die Entlastung
Nachrichten Wirtschaft Regional Aktionäre verweigern Gödde die Entlastung
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18:27 12.07.2011
Von Hanne-Dore Schumacher
Sprecher des Vorstandes (seit Mai 2011): Lothar Gauß, der von Verlusten in Höhe von 1,8 Millionen Euro berichtet.
Sprecher des Vorstandes (seit Mai 2011): Lothar Gauß, der von Verlusten in Höhe von 1,8 Millionen Euro berichtet. Quelle: SOZ
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Seit dem 1. Juli ist Walter Schmidt im Unternehmen, in dem er 1974 „seine Vertriebslaufbahn begann“. Schmidt war später 13 Jahre bei der Hasse-röder Brauerei tätig, fühlte sich aber nach dem Verkauf des Brauhauses an die belgische Interbrew-Gruppe nicht mehr wohl. „Ich bin kein Konzernmensch“, verriet der 59-Jährige den Aktionären, und dass er deshalb 1974 zur Dithmarschen Privatbrauerei wechselte.

Die Erfahrungen, die er in dem Haus gesammelt hat, „wo Menschen und Marken noch einen Stellenwert haben“, wolle er nun für die Einbecker gewinnbringend einsetzen. Seine Strategie für gute Geschäfte in einem hart umkämpften Markt: „Alle gemeinsam, mit Blick nach vorn, an einem Strang ziehen.“ Die Einbecker können guten Rat gebrauchen. Das Geschäftsjahr 2010 war für die Bierbrauer schlecht (Tageblatt berichtete). Daran ließ Vorstandssprecher Lothar Gauß in seinem Rechenschaftsbericht keinen Zweifel. Der seit zwei Jahrzehnten andauernde negative Trend auf dem deutschen Biermarkt habe sich 2010 fortgesetzt.

Demographische Entwicklung, Gesundheitsbewusstsein, Nichtraucherschutz auch das veränderte Konsumverhalten junger Erwachsener nannte Gauß als Einflussfaktoren dafür, dass der Pro-Kopf-Verbrauch um 2,2 Liter auf 107,4 Liter pro Jahr gesunken sei. Verkaufsverbote (etwa an Tankstellen bei Nacht) und Konsumbeschränkungen in öffentlichen Verkehrsmitteln hätten die Lage verschärft.

Dass Gauß noch das Wetter und die Wirtschaftskrise als weiteren Grund für Absatzeinbrüche (-3,4 Prozent oder 27 304 Hektoliter) nannte, verärgerte Aktionär Rainer Janisch. „Schuld sind immer die anderen“, warf der Professor dem „verschlafenen Aufsichtsrat“ vor, und beantragte dessen Nichtentlastung. Auch das Hin und Her um die Abberufung Göddes kritisierte der Aktionär: „So macht man das nicht.“ Aktionär Christian Werner verurteilte das Prozedere ebenfalls und kritisierte das Wirrwarr auf der Homepage. Eigene Feste der Brauerei schlug Aktionär Andreas Ropeter vor und ein neues Bier – „leicht, süffig, obergärig und hochvolumig“. Aktionär Schwarzlos stellte den Verzicht auf Gehaltsansprüche der Beschäftigten (3,75%) in Frage. „Eine Brauerei sollte Geld am Kunden verdienen, nicht am Mitarbeiter.“

Zu den Plänen, die der neue Vorstand 2011 („Es werden wieder schwarze Zahlen geschrieben“) verwirklichen will, gehört der Verkauf der Göttinger Brauhaus AG. Nachdem die Markenrechte an den Göttinger Bieren bereits 2009 nach Einbeck gingen und nach elf Jahren die Geländeentwicklung im Göttinger Brauweg nun abgeschlossen sei, werde man jetzt verkaufen. Für die Marke Göttinger Bier und den Markt Göttingen ändere sich nichts, stellte Gauß klar.
Die Hauptversammlung entlastete Vorstand Gauß und den Aufsichtsrat. Vorstand Gödde wurde nicht entlastet.