Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Anders lernen in der Schreinerei
Nachrichten Wirtschaft Regional Anders lernen in der Schreinerei
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:40 25.11.2010
Stolz auf Pilotprojekt: D. Dettleff-Rohmann und E. Gasper. Quelle: Heller
Anzeige

„Wir haben mit verschiedenen Berufsgruppen Modelle erarbeitet, wie man zusammenarbeiten kann“, sagt IGS-Schulleiterin Dagmar Dettleff-Rohmann während der Vertragsunterzeichnung. Schüler gehen laut Kooperationsvereinbarung während ihrer Praktika in die Betriebe, und betriebliche Vertreter besuchen den Unterricht. Mit berufsbezogenen Inhalten soll in der Schule die berufliche und schulische Wirklichkeit vermittelt werden. Themen und Anzahl der Schulstunden sind festgelegt. Die Vereinbarung läuft für ein Jahr.

„In der ‚alten Schule‘ fand der Unterricht hinter verschlossenen Türen statt“, sagt Eckehard Gasper, Schulleiter der Haupt- und Realschule. „In einem Schreinerei-Betrieb lernen Schüler aber ganz anders.“ Auch die Unternehmen haben ein Interesse an dem Austausch: „Wir müssen lernen, das Denken der Praktikanten nachzuvollziehen“, sagt Elke Weyl vom Geschäft Feinschmeckerparadies. Ihr fehle bei Schülern vor allem „Kreativität und Eigeninitiative“. Wolfgang Pöhls, Inhaber der Firma Elektrotechnik Hausknecht, beklagt, dass das Bewerberniveau immer weiter absacke. „Wir versuchen über Praktikanten fähige Bewerber zu finden“, erklärt er. Steinmetzmeister Walter Füllgrabe hingegen hat „nicht so hohe Erwartungen“. Er möchte Schülern die „Realität des Lebens näherbringen“.

Das Projekt „Schulbetrieb“ ist eine Gemeinschaftsinitiative der Bildungsregion Göttingen und der Region des Lernens Osterode am Harz. Beiratsmitglied Rüdiger Reyhn lobt die Konstellation des Projekts: „Fünf Betriebe und zwei Schulen legen hier eine Grundlage für die gemeinsame Arbeit.“

fh

Kommentar von Florian Heinz

Eines hat die Veranstaltung deutlich gezeigt: Ein Austausch zwischen Schule und Betrieb ist dringend notwendig. Und zwar nicht nur, um den Schulpraktikanten die „Realität des Lebens“ aufzuzeigen. Vielmehr müssen sich auch die Betriebe mit der Lebenswirklichkeit der Schüler auseinandersetzen. Denn die hat sich nun mal im Vergleich zur ihrer eigenen Schulzeit extrem gewandelt. Und zwar nicht, wie es die ältere Generation gern den Jüngeren vorwirft, ins Negative.
Sicher ist etwas dran, dass die Jugend dank digitaler Rechtschreibprüfung und Taschenrechner ihre grauen Zellen entlastet. Dümmer sind sie deswegen nicht. Durch die Kooperation können die Betriebe „lernen“, dass Schüler heute viele andere wichtige Kompetenzen haben.