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Regional Anwerbeversuch von Fleischern aus Nepal
Nachrichten Wirtschaft Regional Anwerbeversuch von Fleischern aus Nepal
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17:10 08.05.2019
In Zerlegebetrieben sind bereits heute viele Arbeitnehmer aus Osteuropa tätig: Schweine am Haken. Quelle: dpa
Göttingen

Fleischer aus dem Himalayastaat Nepal will der ehemalige Obermeister der Fleischer-Innung Südniedersachsen, Ansgar Nachtwey, anwerben. Er kooperiert mit einem Bovender Personalvermittler.

„Händeringend“ suchen derzeit Handwerksbetriebe nach Fachkräften, berichtet Andreas Gliem, der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen. Besonders schwer falle es den Fleischern. Kaum ein junger Mensch wolle den Beruf lernen. Vor fünf Jahren habe die Innung noch sieben Gesellen freigesprochen. Im vergangenen Jahr sei es ein einziger gewesen. Er unterstütze daher die Initiative des ehemaligen Fleischer-Obermeisters, für den eigenen Betrieb und für Kollegen Asiaten in die Bundesrepublik zu holen.

Nachtwey, der heute Geschäftsführender Vorstand des Fleischer-Einkaufs Hannover-Göttingen ist, arbeitet mit Horst Kraus zusammen. Der Geschäftsführer der Bovender Mittelpunkt Personal GmbH holt seit drei Jahren Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland, bisher vor allem Krankenschwestern aus Indien.

Schwerer Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt

„Einfach ist das trotz des großen Bedarfs der Unternehmen nicht“, sagt Kraus. Es gebe viele Hürden für Menschen, die keine Bürger der Europäischen Union seien. Der Versuch, nepalische Fleischer nach Südniedersachsen zu holen, könne deshalb auch scheitern, dämpft er die Erwartungen.

80 Fleischer aus Nepal wollen kommen

„Den Kontakt zu 80 Fleischern aus Nepal, die Deutsch auf dem Sprachniveau A2 beherrschen, habe ich über Geschäftspartner in Polen erhalten“, berichtet der Personalvermittler. Dort seien bereits nepalische Fleischer tätig. Auch in Polen gebe es einen Fachkräftemangel, obwohl zwei Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine im Land lebten.

Anerkennung der Berufsabschlüsse

„Fleischer stehen auf der sogenannten Positivliste, sie gelten also als Fachkräfte, die in Deutschland bevorzugt Arbeitsvisa erhalten“, berichtet Kraus. Das Problem liege in der Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse durch die Zentrale Auslands- und Fachvermittlung der Bundesagentur für Arbeit. Sie prüfe, ob die Lehrinhalte der Ausbildung denen eines Fleischergesellen in Deutschland entsprechen würden.

„Dass ist bei den nepalischen Fleischern wahrscheinlich nicht der Fall“, führt Kraus aus. Sie hätten ihren Beruf nicht wie in Deutschland in drei Jahren, sondern laut den ihm vorliegenden Zeugnissen in acht bis zwölf Monaten erlernt. Deshalb verfügten sie aus Sicht der Behörden wahrscheinlich nicht einmal über eine Mindestqualifikation. Eine solche würde es ermöglichen, die Fleischer für eine Nachqualifikation in deutsche Betriebe zuholen.

Nachschulung für indische Krankenschwestern

„So machen wir das bei den indischen Krankenschwestern“, führt der Personalvermittler aus. Die Ausbildung der Frauen aus dem indischen Bundesstaat Kerala habe 3,5 oder 4,5 Jahre gedauert. Ihnen fehlten aber trotzdem 100 bis 300 Theoriestunden, die sie aber in Deutschland innerhalb von zwei, drei Monaten nachholen würden. Die Deutschkenntnisse der Frauen lägen auf B2-Niveau.

Handwerkskammer soll helfen

Kraus hat nun auf Vermittlung von Gliem den Kontakt zur Handwerkskammer Hildesheim-Südniedersachsen aufgenommen. „Es würde uns helfen, wenn wir eine Qualifikation unterhalb des Gesellenbriefs finden“, erklärt der Geschäftsführer.

Eine „niederschwellige Qualifikation“ unterhalb des Fleischergesellen gebe es nicht, sagt dazu Stefan Pietsch, der Pressesprecher der Handwerkskammer. Sie prüften derzeit das Ausbildungsniveau der nepalesischen Fachkräfte. Solche Prüfungen führe die Handwerkskammer regelmäßig durch. 2008 hätten sie 42 Arbeitnehmer beraten. 15 Anträge für sämtliche Handwerksberufe seien gestellt worden.

Von Michael Caspar

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