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Regional Mehr Chancen für Schwerbehinderte
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00:17 03.12.2016
Von Sven Grünewald
Quelle: dpa (Symbolbild)
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Göttingen

Die Zahlen im Überlick

Geschäftsstellendaten in Prozent Arbeitslosigkeit; in Klammern Vorjahresmonat

Agenturbezirk 5,7 (5,9)

Duderstadt 4,2 (4,6)

Hann. Münden 5,0 (4,9)

Northeim 5,2 (5,7)

Göttingen 5,9 (6,1)

Einbeck 6,3 (7,1)

Osterode 6,3 (5,8)

Uslar 6,4 (6,9)

Landkreis Eichsfeld 4,5%

Etwa 40,5 Prozent der Arbeitslosen sind dem Bereich der Langzeitarbeitslosigkeit zuzuordnen. Unterbeschäftigt waren im November hingegen über 18000 Menschen – etwa genauso viele wie im November 2015. Neben Arbeitslosen zählen zur Unterbeschäftigung auch Menschen, die nicht als arbeitslos gelten, aber beispielsweise im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Dass die Zahl der Unterbeschäftigten annähernd gleich geblieben ist, während die der Arbeitslosen deutlich sank, liege an den Qualifizierungsmaßnahmen für Flüchtlinge, die zunehmend solche Maßnahmen in Anspruch nehmen können.

Regional stellt sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt recht unterschiedlich dar: Den stärksten Rückgang der Arbeitslosigkeit mit jeweils über zehn Prozent verzeichneten die Geschäftsstellen in Einbeck und Duderstadt, während die Arbeitslosigkeit in Hann. Münden leicht (1,7 Prozent) und in Osterode deutlich (7,9 Prozent) anstieg.

Schwerbehinderte „mittendrin“

Das Projekt „Mittendrin“ verfolgt das Ziel, Schwerbehinderte in Arbeit oder Ausbildung zu integrieren. Es wird finanziert durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Der Träger, die Beschäftigungsförderung Göttingen, arbeitet eng mit der Agentur für Arbeit Göttingen und den Jobcentern im Landkreis und Stadt Göttingen zusammen, die auch die Teilnehmenden zuweisen. Während der Teilnahme am Projekt sind die Teilnehmenden in der Betreuung von Arbeitsagentur und Jobcenter, erhalten von dort auch weiterhin Vermittlungsvorschläge. Mögliche Integrationen in einen Betrieb werden im Bedarfsfall mit Beratung der Arbeitgeber durch die Reha-Spezialisten in der Arbeitsagentur sowie gegebenenfalls mit technischen Hilfen oder Eingliederungszuschüssen gefördert.

Das Projekt läuft in Göttingen seit Mai 2015. Mit Stand Oktober 2016 gab es bislang folgende Integrationserfolge: 67 Integrationen in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, elf Minijobs (in der Regel als Einstieg in den ersten Arbeitsmarkt) und sechs Ausbildungen beziehungsweise Umschulungen. Mit dem Ergebnis der intensiveren Betreuung von Schwerbehinderten ist die Arbeitsagentur zufrieden. sg

„Wir haben uns daran gewöhnt, dass uns der Arbeitsmarkt aufgrund der saisonalen Entwicklung im November verlässlich die niedrigsten Arbeitslosenzahlen im Jahresverlauf beschert“, so Klaus-Dieter Gläser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Göttingen. „Mit mehr als 500 Arbeitslosen gegenüber Oktober fällt der Rückgang allerdings überdurchschnittlich hoch aus. Hier spielen zwei Faktoren eine Rolle: zum einen der anhaltend hohe Personalbedarf der Betriebe; und zum anderen der verstärkte Einsatz arbeitsmarktpolitischer Fördermaßnahmen, um die Integrationschancen von Arbeitslosen zu verbessern.“

Seit Jahresbeginn meldeten Wirtschaft und Verwaltung mehr als 13500 offene Stellen bei der Arbeitsagentur, das waren über 900 mehr als im Vergleichszeitraum 2015. Im November waren insgesamt 3515 Arbeitsplätze zu besetzen, 90 Prozent davon sozialversicherungspflichtig. Besonders hoch ist derzeit der Bedarf an Mitarbeitern aus den Berufsfeldern Verkauf, Logistik, Maschinen- und Fahrzeugtechnik, Metallbearbeitung sowie den medizinischen und nichtmedizinischen Gesundheitsberufen.

In der Vergangenheit eher zurückhaltend

Erfreulich sei, so Gläser, dass mittlerweile auch Menschen mit Handicap von der guten Arbeitsmarktlage profitierten. In der Vergangenheit seien viele Arbeitgeber eher zurückhaltend gewesen, wenn es um die Einstellung von Schwerbehinderten gegangen sei. Seit Jahresbeginn haben 369 schwerbehinderte Arbeitslose eine neue Beschäftigung aufgenommen – 60 mehr als im Vor-jahreszeitraum. Im November waren insgesamt 661 Schwerbehinderte arbeitslos gemeldet, 52 weniger als im November 2015.

Schwerbehinderte sähen sich oft zu Unrecht mit dem Vorurteil konfrontiert, aufgrund ihres Handicaps gemindert leistungsfähig zu sein, so Gläser. Dabei spiele in vielen Fällen die Behinderung im Berufsleben kaum keine Rolle. Und dort, wo Arbeitnehmer aufgrund ihres Handicaps zum Beispiel eine technische Unterstützung brauchen, könnten Arbeitsagentur und Integrationsamt in vielen Fällen Unterstützung anbieten.