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Regional Aurelius zerlegt Blaupunkt
Nachrichten Wirtschaft Regional Aurelius zerlegt Blaupunkt
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22:12 10.07.2009
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Die Zahl der Beschäftigten soll sich weltweit binnen Jahresfrist auf weniger als 1000 halbieren. In der Hildesheimer Zentrale werde man nach dem Umbau noch 130 Mitarbeiter beschäftigen. Übernommen hatte Aurelius im März noch 300. Bosch hatte das Handelsgeschäft sowie einen Teil der Komponenten ausgegliedert und an die Finanzinvestoren abgegeben.

Dem Vernehmen nach soll das Münchener Unternehmen von dem Zulieferriesen noch mit einer dreistelligen Millionensumme ausgestattet worden sein, damit es ihm das ungeliebte Geschäft mit 200 Millionen Euro Umsatz und 1800 Beschäftigten abnimmt. Dazu gehören Produkte, die im Elektrofachhandel erworben werden können sowie Komponenten für die Autobranche wie Antennen oder Lautsprecher. Man habe einen Sanierungsfall übernommen, der „saubere Schnitte“ erforderlich mache, sagte Seemann.

Die Zulieferung von Lautsprechern an die Autokonzerne werde mit dem dazugehörigen Werk in Tunesien an die Long-
house-Gruppe abgegeben, Teile des Handelsgeschäfts, darunter die „Travelpilot“-Navigationssysteme, komplett aufgegeben. Ziel sei es, künftig nur noch Produkte anzubieten, die auf vernünftige Stückzahlen kommen, sagte Seemann. „Da wird es in den nächsten Jahren noch zum Verkauf von dem einen oder anderen Teilgeschäft kommen.“

Aurelius will sich vor allem auf das Lizenzgeschäft mit der Marke Blaupunkt konzentrieren. Dass man nun härtere Einschnitte vornimmt als anfangs angekündigt, begründete Seemann mit „zu optimistischen“ Bosch-Annahmen, auf deren Basis man Blaupunkt erworben habe. „Wir waren zu dem Zeitpunkt schon mitten in der Krise, da hätte einiges antizipiert werden können.“ Aurelius habe zwar vieles hinterfragt. „Aber hinterher ist man immer schlauer.“

Auch Bosch habe seinerzeit wohl die Tiefe der Krise nicht bemessen können. Der Stuttgarter Konzern, der in Hildesheim noch immer im Bereich „Car Multimedia“ Navigationssysteme direkt für die Autohersteller fertigt, hat indes den rigiden Personalabbau von Aurelius scharf kritisiert. In einem Brief an die Mitarbeiter schrieb der „Car-Multimedia“-Bereichsvorstand: „Die aktuelle Situation bedauern wir sehr und können das Vorgehen der Verantwortlichen bei Aurelius nicht nachvollziehen.“

Bosch habe nur „begrenzten Einfluss“ auf die Entscheidungen von Aurelius. „Allerdings werden wir die weitere Entwicklung sehr genau beobachten und nachdrücklich die Einhaltung gegenüber Bosch gemachter Zusagen einfordern.“ Vereinbart, so ein Sprecher, seien zum Beispiel Sozialstandards „wie hier bei Bosch“.

von Lars Ruzic und Marita Zimmerhof