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Regional Aus für Schiffbau in Emden ist besiegelt
Nachrichten Wirtschaft Regional Aus für Schiffbau in Emden ist besiegelt
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21:20 29.09.2009
Von Jens Heitmann
Das Aus für den Schiffbau in Emden ist besiegelt.
Das Aus für den Schiffbau in Emden ist besiegelt. Quelle: ddp
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„Es gibt keine Aufträge im Handels- und Containerschiffbau“, sagte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag.

Betriebsräte, Gewerkschaften und Vertreter der Politik reagierten enttäuscht auf die Ankündigung des Konzerns. „Wir halten das für die falsche Entscheidung“, sagte Stefan Kapferer, Staatssekretär im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Zusammen mit den Arbeitnehmervertretern hatte sich die Landesregierung für einen Erhalt des Schiffbaus in Emden stark gemacht. Die Arbeitnehmerbank im TKMS-Aufsichtsrat hatte gegen den Verkauf der Nordseewerke votiert – wurde aber überstimmt.

Nach Angaben von ThyssenKrupp übernimmt der Investor Siag Schaaf 721 der insgesamt 1196 Beschäftigten in Emden, TKMS will 375 Mitarbeiter weiter- beschäftigen – unter anderem in einem „Kompetenzcenter“ für Überwassermarineschiffe sowie in der Fahrzeugtechnik. Der Übergang werde fließend vor sich gehen, verlautete aus Unternehmenskreisen: Vorhandene Schiffbauaufträge würden bis 2012 abgearbeitet – danach sei Schluss. Damit haben sich die Hoffnungen zerschlagen, dass die Nordseewerke – wie ursprünglich vereinbart – zwei Fregatten für die Bundesmarine fertigen könnten. „Das Thema ist durch“, hieß es in Verhandlungskreisen.

In Emden ruhen die Hoffnungen nun auf der Windkraftindustrie. Neben Siag Schaaf will dort auch der Anlagenbauer Bard seine Kapazitäten ausbauen. Bard beschäftigt in Emden bereits 700 Mitarbeiter, bis 2012 könne sich diese Zahl verdoppeln, hieß es gestern. Insgesamt beschäftigen die Zulieferer in Niedersachsen aktuell knapp 2000 Mitarbeiter; außer in Emden bauen Unternehmen wie Bard, Strabag und Ambau auch in Cuxhaven ihre Produktionsstätten weiter aus.

Hoffnung in Hamburg und Kiel: Der geplante Verkauf von Produktionsanlagen der Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW) im zivilen Schiffbau in Kiel ist vorerst ausgesetzt – bei Blohm + Voss in Hamburg gehe die Suche nach einem Investor weiter, teilte ThyssenKrupp gestern weiter mit. In Kiel müssten die Mitarbeiter der Gesellschaft HDW-Gaarden aber zittern, hieß es bei der Gewerkschaft IG Metall. Der Verkauf der Betriebsanlagen an die Bremerhavener Rönner-Gruppe drohe weiterhin. Für 180 Mitarbeiter könne das die Entlassung zur Folge haben. Bei Blohm + Voss sollen von 2011 an vier Fregatten für die deutsche Marine gebaut werden. Eine andere Aufteilung wäre unwirtschaftlich, sagte eine Unternehmenssprecherin.

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