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Regional Auszubildende fühlen sich unzureichend auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet
Nachrichten Wirtschaft Regional Auszubildende fühlen sich unzureichend auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet
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17:45 13.09.2019
Üben an der virtuellen Schweißmaschine: Lehrling im Industrie-4.0-Labor des Daimler-Ausbildungszentrums in Eßlingen. Quelle: dpa
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Göttingen

Viele Auszubildende fühlen sich unzureichend auf die digitalisierte Arbeitswelt vorbereitet. Das konstatiert die Göttinger Regionsgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Agnieszka Zimowska.

Agnieszka Zimowska Quelle: r

Die digitale Transformation verändert die Arbeitswelt vielfach drastisch, weiß die DGB-Regionsgeschäftsführerin. Vier Fünftel von gut 16000 Auszubildenden, die der DGB für seinen Ausbildungsreport 2019 befragen ließ, halten das Thema für wichtig oder sehr wichtig. 46 Prozent der Befragten haben jedoch das Gefühl, in Berufsschule und Betrieb nur unzureichend auf die Herausforderungen vorbereitet zu werden.

Um dieses Thema soll es bei einer Veranstaltung gehen, die die DGB-Region Südniedersachsen-Harz am Montag, 16. September, um 18 Uhr im Lichtenberg-Saal der IGS Geismar, Schulstraße 22, in Göttingen unter dem Motto „Holodeck statt Klassenraum“ anbietet.

Anpassungen der Ausbildungsordnungen

„Die Ausbildungsordnungen, die die von den Betrieben zu vermittelnden Fähigkeiten und Kenntnisse aufführen, hinken der technischen Entwicklung tatsächlich hinterher“, bestätigt Kreishandwerksmeister Christian Frölich. Allerdings meldeten die Ausbilder und Prüfungsausschüsse den Kreishandwerkerschaften ständig notwendige Anpassungen, die dann auch vorgenommen würden.

Christian Frölich Quelle: Hartwig

Andererseits, so Frölich, vermittelten Betriebe Azubis grundlegende Fertigkeiten. Deshalb verbrächten Auszubildende von Metallberufen zum Beispiel oft eine Woche damit, einen Metallblock mit der Feile zu bearbeiten. So bekämen sie ein Gefühl für das Material und die Bearbeitungstechnik. Das mache Sinn, auch wenn im Betrieb sonst nur mit computergesteuerten CNC-Maschinen gearbeitet werde.

Chancen und Risiken der Digitalisierung

Diesen allgemeinbildenden Aspekt betont auch Thomas Dornhoff, der Landesschulhauptpersonalratsvertreter der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Schulen vermittelten zunächst einmal grundlegende Fähigkeiten wie Schreiben, Lesen und Rechnen. Sie brächten den jungen Menschen daneben digitale Fertigkeiten bei.

Dabei müsse es aber auch um Persönlichkeitsbildung und Erziehung zur Mündigkeit gehen. Die Schüler sollten die gesellschaftlichen Auswirkungen von Digitalisierung erkennen und deren Chancen gegen mögliche Risiken abwägen können. Dieser Aspekt ist auch der DGB-Jugendbezirkssekretärin Ute Neumann wichtig.

Unterschiedliche Geschwindigkeiten

Die digitale Transformation schreitet nicht in allen Arbeitsbereichen mit der gleichen Geschwindigkeit voran, heißt es im Ausbildungsreport 2019 des Deutschen Gewerkschaftsbundes. Besonders stark betroffen seien Ausbildungsberufe wie die des Fachinformatikers, Bankkaufmanns oder Steuerfachangestellten. Wenig greife die Digitalisierung bisher in Berufen wie denen des Kochs oder des Malers und Lackierers.

„Im Kfz-Bereich hat die Digitalisierung dazu geführt, dass heute statt Kfz-Mechaniker Kfz-Mechatroniker ausgebildet werden“, sagt Kreishandwerksmeister Christian Frölich. Tischler müssten heute computergesteuerte CNC-Maschinen beherrschen. Maurer dagegen setzten die Steine noch wie früher. Noch würden keine Roboter diese Arbeit übernehmen.

„Um der Digitalisierung Rechnung zu tragen, werden seit 2018 in zehn industriellen Metall- und Elektroberufen Zusatzqualifikationen angeboten“, berichtet der Bildungskoordinator der Bildungsregion Südniedersachsen, Lüder Sudmann. Sogar einen neuen Beruf gebe es seit vergangenem Jahr, den Kaufmann für E-Commerce. mic

„Die Rahmenlehrpläne der Schule werden nicht ständig neu geschrieben, lassen aber den Schulen Raum, um auf veränderte Anforderungen in den Betrieben zu reagieren“, meint der Göttinger Berufsschullehrer Lüder Sudmann, der Bildungskoordinator der Bildungsregion Südniedersachsen ist.

Kritik an der technischen Ausstattung von Schulen

Im DGB-Ausbildungsreport gibt es Kritik an der technischen Ausstattung der Schulen. Sudmann hält sie dagegen mit Blick auf Südniedersachsen für „nicht schlecht“. Das bestätigt Kreishandwerksmeister Frölich. Die Berufsbildenden Schulen der Region könnten im Unterricht technisch das abbilden, was in Handwerksbetrieben gefragt sei.

Gleichwohl hoffen die Schulen, ihre Ausstattung mit Mitteln aus dem Digitalpakt der Bundesregierung zu verbessern. „Derzeit erstellen die Schulen jeweils Medienkonzepte, die Grundlage für die Medienentwicklungspläne der kommunalen Schulträger werden“, berichtet Bildungskoordinator Sudmann.

Die Schulträger kümmerten sich dann um die technische Ausstattung, die Landesschulbehörde um Weiterbildungsangebote für die Lehrer – auch da sieht der DGB-Ausbildungsbericht Handlungsbedarf. Mit den Planungen, so Sudmann, solle verhindert werden, dass wie vor einem knappen Jahrzehnt beim Konjunkturprogramm II Dinge beschafft würden, die dann im Keller verstaubten.

Von Michael Caspar

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