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Regional Bäuerin aus Vockerode sucht Paten für ihre Schafe
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11:00 29.08.2018
Bäuerin Katharina Diermayer aus dem Meißnerdorf Vockerode sucht Paten für ihre Schafe
Bäuerin Katharina Diermayer aus dem Meißnerdorf Vockerode sucht Paten für ihre Schafe Quelle: Michael Caspar
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Vockerode

Eine Stunde von Göttingen entfernt am Fuße des Hohen Meißners liegt das 500-Einwohner-Dorf Vockerode. Dort hat sich Agrar-Ingenieurin Diermayer Anfang des Jahres auf Hof Schwalbental, einem ehemaligen Milchviehbetrieb, selbstständig gemacht. 30 Mutterschafe hält sie zur Zeit. 70 Tiere sollen es werden. Vier verschiedene Rassen züchtet sie: Romanow, Coburger Fuchsschafe, Rauwollige Pommersche Landschafe und Alpine Steinschafe.

Solidarische Landwirtschaft

„Die Paten zahlen einen monatlichen Beitrag, der die Produktionskosten deckt, und bekommen am Ende das Fleisch des geschlachteten Tiers, rund 15 Kilogramm, sowie die Wolle und das Fell“, erläutert die Schäferin ihr Geschäftsmodell, das dem der sogenannten Solidarischen Landwirtschaft ähnelt.

„Paten können ihre Tiere jederzeit besuchen“, sagt Diermayer. Um Göttingern die Fahrt schmackhaft zu machen, werde es Aktionstage mit Kinderprogramm geben, kündigt die zweifache Mutter an. Auf Wunsch liefere sie das Fleisch nach Hause. Damit ein Pate nicht leer ausgehe, wenn sein Schaf vorzeitig sterbe, ziehe sie immer ein paar Schafe zusätzlich groß.

Preisnachlass im Hofladen

„Kunden, die nicht so viel Fleisch benötigen, können einen monatlichen Betrag spenden“, sagt die Bäuerin. Im Gegenzug gewähre sie ihnen zehn Prozent Preisnachlass auf Einkäufe im Hofladen. Für einen Marktstand seien die Produktionsmengen zu klein.

„Die Schafpatenschaften garantieren mir ein festes Monatseinkommen“, sagt die Schäferin. Anderenfalls würde sie einmal im Jahr beim Verkauf der schlachtreifen Tiere einen größeren Betrag erhalten. Dessen Höhe könne jedoch je nach Angebot und Nachfrage deutlich schwanken. Feste Einnahmen seien zudem noch die Prämien der Europäischen Union für die Flächenbewirtschaftung und die extensive Nutzung des Grünlands.

Tierschutz

„Patenschaften dienen auch dem Tierschutz“, betont Diermayer. Sie wolle nur so viele Tiere halten, wie sie auch vermarkten könne. Dann müsse sie keine Schafe an Viehhändler verkaufen. Den Tieren blieben so Transportwegen zu den großen Schlachthöfen erspart. Sie selber lasse in Witzenhausen schlachten, so sie Agrarwissenschaften studiert habe.

„In diesem Jahr macht mir die Trockenheit schwer zu schaffen“, sagt Diermayer, die ihre Herde auf 19 Hektar weidet. Bei normalen Witterungsverhältnissen fänden die Tiere an einem Standort zwei Wochen lang genug Futter. Nun müssten sie bereits nach drei, vier Tagen weiterziehen. Jedes Mal sei der schwere Zaun an anderer Stelle wieder aufzustellen. Zudem benötigten die Schafe bei hochsommerlichen Temperaturen statt 50 Liter am Tag 300 Liter. Sie schleppe das Nass in 20-Liter-Kanistern die meistens steilen Weiden hinauf zur Herde. Dabei helfe ihr Ehemann Ralf Rentschler (44), der auf dem Hof Messer, Möbel und Schmuck fertige.

„Schwierig ist die Beschaffung des Heus“, sagt die Bäuerin. Eigentlich gebe es in den Meißnerdörfern davon genug zu kaufen. Aufgrund der Trockenheit wachse das Gras in diesem Jahr aber kaum. Ihr Mann müsse weit fahren, um Heu zu besorgen. Zu zahlen sei das Drei- bis Vierfache des sonst üblichen Preises.

Landschaftspflegeverband Göttingen

„Von der Schäferei zu leben, ist schwer“, weiß Verena Hammes von der Agentur für Weidetierhaltung des Landschaftspflegeverbands Göttingen. Im Landkreis gebe es nur noch eine Hand voll Haupterwerbsschäfer. Die Vermarktung des Fleisches über Supermärkte scheitere meistens daran, dass die Schäfer nicht die dort benötigten Mengen produzieren könnten. 2006 habe der Landschaftspflegeverbands Gastwirte der Region für Leinelammwochen gewonnen. Seit 2012 organisierten das die beteiligten Firmen selbst. Schwer verkäuflich sei die Wolle.

„Wir haben Kunden, die die Wolle selbst verspinnen und wasserabweisende Jacken sowie Teppiche daraus herstellen“, erzählt Diermayer. Auch Filz lasse sich aus der Wolle machen. Sie liebe an ihrem Beruf das Nomadendasein, die selbstbestimmte Arbeit in der freien Natur und das Zusammensein mit den sanften Tieren.

Von Michael Caspar

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