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Regional Firma in Adelebsen will tiefer in die Erde
Nachrichten Wirtschaft Regional Firma in Adelebsen will tiefer in die Erde
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00:20 26.01.2019
Sprengung des Basaltsteinbruchs der Firma Wegener Quelle: Heller
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Adelebsen

Die Firma Hermann Wegener aus Hannover will ihren Basalttagebau auf der Bramburg in Adelebsen von heute 270 Meter über Normalnull auf 245 Meter über Normalnull vertiefen.

Firmenschild der Firma Hermann Wegener in Adelebsen Quelle: Pförtner

Ein entsprechender Antrag sei Mitte Dezember beim Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt in Braunschweig eingegangen, teilt Behördenchef Andreas Aplowski auf Tageblatt-Nachfrage mit. Eine Vorprüfung sei Mitte Januar zum Ergebnis gekommen, dass „keine erheblichen nachteiligen Auswirkungen“ auf Schutzgüter – wie etwa das Grundwasser – zu erwarten seien. Auf eine Umweltverträglichkeitsprüfung könne daher verzichtet werden.

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Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz

Nun, so Aplowski, stehe ein Genehmigungsverfahren nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz an. Daran würden die Behörden beteiligt. Eventuell müssten die Antragsteller noch Unterlagen nachreichen. Seien alle Papiere zusammen, werde seine Behörde innerhalb von sechs Monaten eine Entscheidung fällen. Damit sei spätestens im Dezember 2019 zu rechnen.

„Unbegründet“ sind nach Einschätzung des Behördenchefs Sorgen, wonach sich die Vertiefung nachteilig auf die Trinkwassergewinnung rund um die Bramburg auswirke. Solche Bedenken haben der Flecken Adelebsen sowie die Städte Hardegsen und Uslar geäußert. Die Firma Wegener hatte im Januar vor einem Jahr bei einem Termin auf dem Werksgelände Verwaltungsvertreter um Stellungnahmen zu ihren Plänen gebeten.

Sorge ums Trinkwasser, Brunnen könnten trocken fallen

Damals habe das Unternehmen nicht von einer Vertiefung von 25 Metern, sondern von 63 Metern gesprochen, berichtet Norbert Hille, der Vorsteher des Ver- und Entsorgungsverbands Adeleben. Es müsse sichergestellt werden, dass bei den Arbeiten im Tagebau keine grundwasserführenden Schichten verletzt würden, betont er. Anderenfalls könnten die Trinkwasserbrunnen verunreinigt werden oder trocken fallen, warnt Adelebsens Bürgermeister Holger Frase (SPD).

Ortsrat in Hettensen ist kritisch

„Was das bedeutet, haben wir 1963 in Hettensen erlebt“, erinnert sich Ortsbürgermeister Rainer Glahe (FWG). Damals sei ihr Brunnen nahe der Bramburg aus unbekannten Gründen versiegt. Das Trinkwasser habe in Fässern angefahren werden müssen. Pro Familie habe es zwei Eimer Wasser am Tag gegeben. Das Vieh sei mit Wasser aus dem Dorfbach getränkt worden. Entsprechend kritisch verfolge der Ortsrat das Vorhaben von Wegener.

„Sicherer Abstand“ zum Grundwasserspiegel gegeben

„Wir lassen uns von Matthias Kleefeldt von der Hann. Mündener Geosan GmbH beraten“, sagt der Adelebser Bürgermeister. Hardegsen bekomme Unterstützung von Stefan Steinmetz von der Kasseler Geonik GmbH, berichtet Bürgermeister Michael Kaiser (parteilos). Das erfolge in Absprache mit den Stadtwerken Göttingen, die die Aufsicht über den technischen Betrieb der Stadtwerke Hardegsen führten. „Die Stadt Uslar hat gemeinsam mit dem Landkreis Northeim einen Sachverständigen beauftragt, mögliche Auswirkungen auf unsere Trinkwasserbrunnen in den Ortsteilen Offensen, Schlarpe und Verliehausen zu untersuchen“, berichtet Bürgermeister Torsten Bauer (CDU).

Angesichts der kommunalen Bedenken habe Wegener von der ursprünglich geplanten Vertiefung Abstand genommen, betont Aplowski. Bei der nun beantragten Tagebautiefe von 245 Meter über Normalnull sei bis zum Grundwasserspiegel bei 217 Meter über Normalnull „ein ausreichender und sicherer Abstand“ gegeben.

Unternehmen Hermann Wegener schweigt

Das Unternehmen selbst will sich, solange das Verfahren läuft, nicht öffentlich zu seinen Plänen äußern. „Wir bitten um Verständnis“, erklärt der Adelebser Betriebsleiter, Thomas Murra, gegenüber dem Tageblatt. Die Geschäftsführung in Hannover befürchte einen möglicherweise „unsachlichen Verlauf“ der Debatte.

Begehrtes Vulkangestein

Die Geschichte des Basaltabbaus in Südniedersachsen und Nordhessen reicht ins 19. Jahrhundert zurück. Damals entstand anstelle der alten, unbefestigten Heer- und Handelsstraße ein neues Netz von Landstraßen. Den benötigten Schotter und die Pflastersteine lieferten Steinbrüche, die in einigen der rund 1000, vor 15 Millionen Jahren aktiven Vulkane der Region, angelegt wurden: etwa auf dem Hohen Hagen bei Dransfeld oder auf dem Backenberg bei Güntersen.

Heute ist in Südniedersachsen nur noch das Basaltwerk auf der Bramburg in Betrieb, wo das begehrte Vulkangestein seit 1870 kommerziell abgebaut wird. Der einst 465 Meter hohe Berg ist mittlerweile auf 400 Meter geschrumpft. Gesunken ist mit zunehmendem Maschineneinsatz die Zahl der Mitarbeiter. Vor dem Zweiten Weltkrieg arbeiteten auf der Bramburg zwischen 350 und 450 Personen. „Darunter waren damals zwischen 70 und 90 Hettenser“, sagt Ortsbürgermeister Rainer Glahe (FWG). Heute seien seines Wissens unter den rund 30 Mitarbeitern drei Bürger aus seinem Ort.

Ein großer Teil des auf der Bramburg geförderten Basalts findet derzeit beim Ausbau der Autobahn 7 Verwendung. Die Lkw rollen durch die Dörfer Lödingsen und Erbsen. „Der Anteil des Schwerlastverkehrs an den täglich 6000 Fahrzeugen, die unseren Ort passieren, liegt bei zehn Prozent“, berichtet Lödingsens Ortsbürgermeister Norbert Hille (SPD). Damit die Bürger die Ortsdurchfahrt sicher queren könnten, wolle der Flecken dort einen Zebrastreifen anlegen, kündigt Adelebsens Bürgermeister Holger Frase (SPD) an. Dafür seien 22 000 Euro im Haushalt 2019 eingestellt.

Von Michael Caspar