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Regional Bauern speisen Biogas in Pipeline der Stadtwerke Hannover ein
Nachrichten Wirtschaft Regional Bauern speisen Biogas in Pipeline der Stadtwerke Hannover ein
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13:20 23.11.2010
Biogas ist groß im Kommen, auch in der Region Hannover.
Biogas ist groß im Kommen, auch in der Region Hannover. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Eine Biogasanlage auf den Acker stellen und im angeschlossenen Blockheizkraftwerk Strom und Wärme produzieren – dieses Geschäftsmodell lockt Bauern in Scharen an. Der Grund: die üppige staatliche Förderung. Wer über Land fährt, sieht die grünen Zeltdächer auf den Betontanks immer häufiger. Über 5000 Biogasanlagen sind am Netz. Bis Ende des Jahres sollen es nach Angaben des Fachverbandes Biogas 5800 sein, die installierte elektrische Leistung wird von 1900 auf 2300 Megawatt steigen.

Davon entfallen 1200 Anlagen auf Niedersachsen, die fast ein Drittel des deutschen Stroms aus Biogas erzeugen, wie es im Agrarministerium in Hannover heißt. 4,3 Millionen Haushalte werden mit Bioenergie vom Acker versorgt, die Leistung entspricht laut Verbandsangaben der von anderthalb Atomkraftwerken.

Auch Eckehardt Baumgarte hat sich mit vier Kollegen eine zweite Einkommensquelle als Energiewirt aufgebaut. Mit der BiRo (Biogas Ronnenberg), an der die fünf zu gleichen Teilen beteiligt sind, betraten sie vor zwei Jahren Neuland.Schon ihre Biogasanlage ist mit einer Leistung von 1,4 Megawatt fast dreimal so groß wie eine durchschnittliche Anlage in Niedersachsen. Die beiden riesigen Fermenter werden jährlich mit rund 28 000 Tonnen siliertem Mais „gefüttert“, der von Bakterien zersetzt wird, wie Baumgarte erklärt. Dadurch entsteht das Biogas. Damit der Nachschub ständig gesichert ist, wird auf dem 2,5 Hektar großen Gelände ein Jahresbedarf an Maissilage unter grünen Planen gelagert. In einem Nachgärer wird dem Mais der letzte Rest an Biogas entzogen. Die Gärreste wandern in einen weiteren Tank, damit düngen die fünf Bauern ihre Felder.

3,2 Millionen Euro investierte das Quintett – „ohne einen Euro staatliche Förderung“, betont Baumgartes Kollege Hermann Haller. Zum bundesweiten Vorzeigeprojekt aber wurde ihre BiRo, weil sie ihr Biogas erstmals in eine Erdgasleitung einspeiste – ins Netz der Stadtwerke Hannover. Möglich macht das die Gasnetzzugangsverordnung. Die Landwirte müssen sicherstellen, dass nachwachsende Rohstoffe wie Mais zur Biogaserzeugung eingesetzt werden. Dann bekommt der Versorger die staatlichen Boni und zahlt den Landwirten eine entsprechende Vergütung für ihr Biogas.

Die Energiebranche hat die Marktchancen des Biogases erkannt. Deshalb schlossen die Stadtwerke eine Kooperation mit den Ronnenberger Landwirten. Das Unternehmen baute laut Baumgarte für 1,7 Millionen Euro direkt neben der Biogasanlage eine Aufbereitungsanlage, in der das Biogas auf Erdgasqualität gebracht wird. Dann wird es eingespeist. „Hier beginnt das städtische Gasnetz“, erklärt Baumgarte. Die jährlich an die Stadtwerke verkaufte Menge Biogas deckt den Wärmeenergiebedarf von 1400 Einfamilienhäusern – und ersetzt konventionelles Erdgas. Ein gutes Geschäft für die Bauern. Für ihren Mais haben sie in ihrer BiRo einen festen Abnehmer – und dieses Jahr schüttet sie erstmals einen Gewinn an die Teilhaber aus, wie Haller sagt.

Für ihr „innovatives Konzept“ wurden die BiRo und die Stadtwerke Hannover von der Deutschen Energie-Agentur mit der „Biogaspartnerschaft des Jahres 2008“ ausgezeichnet. Inzwischen gibt es nach Angaben der Branche über 40 Einspeiseanlagen in Deutschland, noch einmal so viele seien in Planung.

Für die Stadtwerke Hannover haben Biogasanlagen strategische Bedeutung beim Ausbau der erneuerbaren Energien, wie Manfred Schüle, Geschäftsführer der Stadtwerke-Tochter enercity Contracting, berichtet. Einschließlich der BiRo betreibe man derzeit elf Biogasanlagen mit einer elektrischen Leistung von 10 Megawatt. Rund 33 Millionen Euro hat der Energieversorger dafür bislang investiert. Dazu kommen laut Schüle laufende Projekte für etwa 50 Millionen Euro. Und in der Pipeline seien nochmals Investitionen von 50 bis 60 Millionen Euro.

Manchmal sind die Landwirte nur Lieferanten der Biomasse, manchmal sind sie zudem über eine Beteiligung an Projektgesellschaften Kooperationspartner der Stadtwerke. Eine Ausnahme ist die BiRo. Hier sind die fünf Bauern ihr eigener Herr. „Das macht die Sache erst richtig attraktiv“, sagt Baumgarte.

Carola Böse-Fischer