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Regional Mehr Ställe für regionale Fleisch-Produktion?
Nachrichten Wirtschaft Regional Mehr Ställe für regionale Fleisch-Produktion?
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13:36 31.12.2018
Regionaler Fleischproduzent: Michael Pickel mit Agrarscout Larissa Trutwig.
Regionaler Fleischproduzent: Michael Pickel mit Agrarscout Larissa Trutwig. Quelle: CH
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Göttingen

Das Jahr 2018 ist abgelaufen. Für das Landvolk Göttingen war es ein Jahr der besonderen Themen und der Extreme. Achim Hübner und Hubert Kellner, Geschäftsführer sowie Vorsitzender im Verein, zeigen auf, was Ihnen in Erinnerung bleibt.

Allem voran die Trockenheit. War 2017 schon „ungewöhnlich“, sei 2018 „ein Dürrejahr“ gewesen. Eine Milliarde Euro Ernteverlust in Niedersachsen sowie 120 Anfragen auf Beihilfe im Landkreis: „Solch ein extremes Jahr hatten wir noch nie“, sagt Hubert Kellner. Zum Teil, so erläutert Achim Hübner, hätten Mindererträge beim Getreide durch bessere Preise ausgeglichen werden können. In Erinnerung bleibt auch der Sturm „Friederike“. Land- und Forstwirschaft seien oft miteinander verbunden, so Hübner. So sei 2018 insbesondere für die Forstwirtschaft ein schwieriges Jahr gewesen – mit „gigantischen Mengen an Sturmholz“ und in der Folge Problemen mit Borkenkäfern.

„Zähes Geschäft“ mit Stromtrassen

„Seit zehn Jahren ein zähes Geschäft“ – so beschreibt Achim Hübner das Vorankommen in der Diskussion um die Stromtrassen „Wahle Mecklar“ und „Suedlink“. Während die 380 kV-Leitung von Nord nach Süd durchs Verbandsgebiet läuft, werde die Stromtrasse Suedlink nach derzeitiger Planung auch durch den Landkreis Göttingen geführt. „Wir sind also von beiden Trassen betroffen“, so Hübner im Bezug auf die geplante Erdverkabelung beider Stränge. „Hier wird es insbesondere über die entstehende Wärme bei Erdverkabelung Probleme mit der Landwirtschaft geben.“

Zur Regionalität gehört auch Produktion

In Sachen Regionalvermarktung von heimischen Produkten sei der „Südniedersachsentag“ Mitte September in Waake ein voller Erfolg gewesen, erinnert sich Hübner. Regionale Produkte und regionale Landwirtschaft stehen hoch im Kurs. „Aber“, gibt Hübner zu bedenken, „zur Regionalität gehört auch Produktion“. Derzeit könne die regionale Landwirtschaft beispielsweise den Bedarf an Schweinefleisch und Geflügel nur zu 25 und unter zehn Prozent decken.

Zu einer ehrlichen regionalen Landwirtschaft gehöre auch die Einsicht, dass – wenn Fleisch aus der Region kommen soll – mehr Ställe errichtet werden müssen, so Hübner. „Aber das traut sich heute keiner mehr zu sagen.“ Zu einer ehrlichen Regionalität gehöre auch die Einsicht, dass entsprechend vor Ort produziert werden müsse. Derzeit müsse sehr viel von außen hinzugekauft werden. „Auch dies gehört zur Ehrlichkeit der Diskussion.“ In diesem Sinne kündigt Kellner eine Dialogveranstaltung am 19. Januar auf dem Göttinger Marktplatz an. „Redet mit uns statt über uns“, heißt es zum wiederholten Mal. „Wir Landwirte wollen an dem Sonnabend die Verbraucher darüber aufklären, dass zur Forderung nach regionaler Fleischversorgung auch ein Mehr an Ställen gehört, um das Soll erfüllen zu können. „Denn wir kriegen die Leute in der Region sonst nicht satt.“

„Ständiger Wandel in der Landwirtschaft“

Hierzu passt die Diskussion zur Tierhaltung. Hübner: „Die Forderungen beim Tierwohl, Kastration, Kastenstände sowie das Kupieren von Ferkelschwänzen sind aus unserer Sicht häufig mit wenig Sachkenntnis geführt und werden den Strukturwandel weiterhin und kräftig beschleunigen. Hier wird genau das Gegenteil von dem erreicht, was diskutiert wird.“ Kellner fordert einen europaweiten Weg. Er selbst habe über die vergangenen 40 Jahre seinen Betrieb in Desingerode dreimal umgestellt. Die Landwirtschaft unterliege einem ständigen Wandel, der auch anhalten werde. So sei man auch in Sachen Tierhaltung bereit, sich zu verändern.

Seit dem Jahr 2000 sei man mit dem Thema „FFH Unterschutzstellungen“ beschäftigt, erläutert Achim Hübner das letzte Beispiel der besonderen Themen in 2018. „Wir diskutieren heute über große Naturschutzgebiets-Ausweisungen, die unsere Wirtschaftsweise erheblich einschränken.“ Obwohl „damals völlig klar versprochen“ worden sei, dass nach der entsprechenden Meldung an die EU nichts mehr geschehen würde. „Wir erkennen hier einen Vertrauensverlust.“ Insgesamt, fasst Hübner zusammen, werde in allen politischen Themenfeldern eine „erhebliche Reduzierung der Diskussionstiefe“ deutlich. Nicht bloß im Bereich der Landwirtschaft würden sich dazu vielfach Beispiele finden. Hübner: „Das muss sich wieder ändern, die Probleme werden immer komplexer, die Zeit der einfachen Antworten ist vorbei.“

Von Markus Hartwig

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