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Regional Brandt investiert 350 000 Euro in Göttingen
Nachrichten Wirtschaft Regional Brandt investiert 350 000 Euro in Göttingen
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18:58 25.08.2011
Von Hanne-Dore Schumacher
Das Brandtsche Haus 1949: Zu Rannenbergs Zeiten gab es noch drei Läden im Gebäude.
Das Brandtsche Haus 1949: Zu Rannenbergs Zeiten gab es noch drei Läden im Gebäude. Quelle: EF
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Göttingen

Nach den Abrissarbeiten standen in dem Areal nur noch zwei Häuser – das Eckhaus zur Langen Geismarstraße mit der Hubertus-Apotheke und das Haus Kurze Geismarstraße 24 mit dem Wäschefachgeschäft Staender.

Der Inhaber von Haus Nummer 24, Andreas Alfred Brandt, hatte sich geweigert, seinen von den Eltern geerbten Grund und Boden zu verkaufen. Während die Baufahrzeuge rechts und links von Brandts Haus ab 2004 mehr als 10 000 Kubikmeter Beton und 1600 Tonnen Stahl verbauten, ging das Leben im Fachwerkhaus inmitten der Baustelle weiter.

Schwere Zeiten für die Mieter, erinnert sich Brandt, der nicht nur das Elternhaus seiner Mutter, sondern auch die Hempelgasse mit einem Stück historischer Stadtmauer retten wollte, begründet der gebürtige Göttinger sein Tun. „Ich habe mich bewusst gegen einen Verkauf entschieden“, sagt der 49-jährige Rechtsanwalt, obwohl es um sehr viel Geld gegangen sei.

Seine Großeltern Alfred und Lina Rannenberg betrieben Anfang der 1930er Jahre einen Feinstkosthandel und ein Tabakgeschäft unmittelbar gegenüber des Hauses 24. Als die Immobilie zum Verkauf stand, griffen die Rannenbergs zu (siehe Kasten) und stockten den Altbau auf. Bis in die 1960er Jahre habe das Haus als Geschäfts- und Wohnhaus der eigenen Familie gedient. Ursprünglich war das Erdgeschoss für drei Geschäfte geplant, ab 1980 übernahm das Fachgeschäft Staender (heute in der Langen Geismarstraße) die Räume.

Seit sechs Monaten nun wird das Gebäude renoviert und für den neuen Mieter im Erdgeschoss umgebaut. 350 000 Euro investiert Brandt, am 16. September bezieht der Hörgeräte-Akustiker Reuter & Schirmer die Räume. Einen Mieter zu finden, sei rasch gegangen, sagt Immobilien-Maklerin Veronika Frels. „Die Göttinger Seitenstraßen sind sehr beliebt.“

Zur Geschichte

Der Standort der Immobilie Kurze Geismarstraße 24 ist stadtgeschichtlich nicht ohne Bedeutung, sagt Besitzer Andreas A. Brandt. Der Rechtsanwalt hat herausgefunden, dass der Rat der Stadt noch vor Beginn der Bauarbeiten an der äußeren Stadtmauer (seit 1362) in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts zusätzlich zur inneren auch eine das alte Dorf Gutingi umfassende mittlere Stadtbefestigung errichten ließ. Ein Teil dieser Mauer ist bis heute vorhanden und dient dem besagten Grundstück als Hofmauer zur Hempelgasse. Die erste Bebauung des Grundstücks, das Senator Christian Ernst Ebell bis 1795 gehörte, erfolgte nach Unterlagen des Stadtarchivs 1764. Ebells Erben verkauften das Grundstück 1797 an den Göttinger Universitätsbaumeister Georg Heinrich Borheck, der unter anderem das nahe gelegene Accouchierhaus erbaute. Brandt weiß nicht, ob Borheck auch Bauherr des damals zweigeschossigen Fachwerkgebäudes war. Von 1804 bis 1843 jedenfalls gehörte es dem Gutsbesitzer von Bodemeyer und diente ihm als Stadtwohnung. Weitere Besitzer waren Obergerichtsanwalt Bernhard Grefe (von 1843 bis 1863, Dr. Adolf Hempel (bis 1948). Wenige Wochen vor der Währungsreform erwarben Brandts Großeltern Alfred und Lina Rannenberg das Gebäude.