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Regional Carl-Friedrich-Gauß-Schule bereitet Schüler aufs Arbeitsleben vor
Nachrichten Wirtschaft Regional Carl-Friedrich-Gauß-Schule bereitet Schüler aufs Arbeitsleben vor
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18:08 26.12.2014
Gauß-Schüler programmieren Roboter zur Lösung von gestellten Aufgaben: Lego-Mindstorms macht es möglich. Quelle: Theodoro da Silva
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Groß Schneen

Kein Abschluss ohne Anschluss: Dieses Ziel hat sich die Carl-Friedrich-Gauß-Schule in Groß Schneen gesetzt. Die Oberschule holte mit ihrem Programm, das weit über die vom Ministerium vorgeschriebene Berufsorientierung hinausgeht, beim Wettbewerb um den Innovationspreis des Landkreises den Sonderpreis Bildung.

„Die Berufsorientierung ist bei uns eine Querschnittsaufgabe, die Klassen- und Fachlehrer von der siebten Klasse an im Blick haben“, erklärt Jens Haepe, der seit 2008 Schulleiter ist. Er nennt ein Beispiel: Wenn ein Schüler Polizist werden will, muss er fünf Kilometer innerhalb von 20 Minuten laufen können. Der Sportlehrer bereitet den Jugendlichen darauf vor.  

Die Berufsorientierung beginnt bei den Haupt- und Realschüler in der siebten Klasse mit einer Potenzialanalyse. Während der achten Klasse absolvieren sie drei jeweils einwöchige Pratika in den Berufsfeldern Soziales, Gewerbe/Technik und Dienstleistung/Verwaltung.

Das findet nicht bei allen Schülern Anklang. „Einige Jungen haben aber so ihre Begabung für soziale Berufe entdeckt“, sagt der Schulleiter. Auf jeden Fall entwickelten sie Respekt vor den dort erbrachten Leistungen.

Ein weiterer Effekt: Die Praktika führen Jugendlichen vor Augen, dass es in der Arbeitswelt rauer zugeht als im geschützten Raum der Schule. „Das lässt sie reifen“, beobachtet Haepe. Der Praxisbezug des schulischen Lehrstoffs würde ihnen klarer.

In der neunten und zehnten Klasse verbringen die Hauptschüler jede Woche einen Praxistag in den Berufsbildenden Schulen in Göttingen. „Wenn sie nach der zehnten Klasse dort weitermachen, haben sie ein klares Ziel vor Augen“, sagt der Schulleiter. Die Realschüler wählen in der neunten und zehnten Klasse ein Profilfach. Haupt- und Realschüler absolvieren in der Abschlussklasse ein Intensivpraktikum. Am Ende sollen sie einen Ausbildungsvertrag unterschreiben.

Bei den Gymnasiasten findet die Potenzialanalyse in der achten Klasse statt. In der neunten Klasse folgen die drei Praktika. In der zehnten Klasse hospitieren sie in einer weiterführenden Schule. Oft wissen sie dann schon, was sie studieren wollen. Eine Sekundarstufe II gibt es in Groß Schneen nicht. Das Abitur machen ein Drittel bis die Hälfte der Schüler.

Berufsorientierung bieten zudem die Arbeitsgemeinschaften, die die Ganztagsschule oft in Zusammenarbeit mit Eltern anbietet. So lernen die Jugendlichen, wie ein Motor funktioniert. Sie können ihren Mofaführerschein oder den Pilotenschein für Segelflieger machen. Es gibt Arbeitsgemeinschaften, in denen die Schüler Roboter programmieren oder Musik machen.  

Wichtig ist der Schule das Einüben von Umgangsformen. „Unsere Schüler übernehmen Verantwortung“, betont Haepe. So führen einige in der Pause Aufsicht. Andere machen in der zweiten großen Pause die Schule in der Bönneker Straße 10 sauber oder bewirtschaften den Kiosk. Das Konzept findet Anklang. „Mit 560 Schülern, die zum größten Teil aus den Gemeinden Friedland, Gleichen und Rosdorf kommen, sind wir voll“, berichtet Haepe.