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Regional Commerzbank-Chefstratege Schickentanz sieht Chancen für kreative Anleger
Nachrichten Wirtschaft Regional Commerzbank-Chefstratege Schickentanz sieht Chancen für kreative Anleger
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00:19 11.12.2017
Chefstratege der Commerzbank: Chief Investment Officer Chris-Oliver Schickentanz. Quelle: Peter Heller
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Göttingen

Bitcoin-Hype, Null-Zins-Politik, nicht enden wollende Sorgen vor einer Immobilien-Blase. Die Themen in der Finanzwelt sind umfangreich und werden teilweise heftig diskutiert. Chris-Oliver Schickentanz, Chefanlagestratege der Commerzbank, warf im Tageblatt-Gespräch einen kurzen Blick in den Rückspiegel und sieht ein gutes Jahr 2017. Er freut sich darauf, wie er prognostiziert, dass es 2018 in die Verlängerung geht.

 Die Null-Zins-Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), Kursverluste bei erstklassigen Staatsanleihen 2017 und ein deutlicher Rückgang der Risikoaufschläge für Unternehmensanleihen. Diese Entwicklungen erfordern laut Schickentanz von Anlegern auch für das Jahr 2018 bisweilen einen kreativen Anlege-Charakter, um vernünftige Renditen zu erzielen. „Das globale Wachstum 2017 mit deutlich über 3,5 Prozent hat dafür gesorgt, dass wir auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken. Besonders schön ist, dass es sich um einen qualitativ guten Aufschwung handelt, da er breit getragen wird. Deswegen blicken wir optimistisch auf die Zahlen für das kommende Jahr“, betont Schickentanz.

Weniger Rendite

Die noch in weiter Ferne stehende Zinswende der EZB, die der Chefstratege nicht vor Sommer 2019 erwartet, lasse besonders bei konservativen Anlegern Sorgenfalten entstehen. Das gute alte Sparbuch oder Tagesgeld scheiden als Anlage aus, da die Erträge von der Inflationsrate aufgefressen werden. Bernd Korte, Direktor der Göttinger Commerzbank, spricht von einer „schleichenden Enteignung“. Andere relativ risikolose Geldanlagen wie Staats- oder Firmenanleihen erwirtschafteten zuletzt auch weniger Rendite.

 Ein wenig allergisch reagierte der redegewandte Schickentanz zuletzt, wenn in Bezug von den zuletzt stark steigenden Immobilienpreisen von einer sich anbahnenden Blase gesprochen wird. „Ja, wir haben einen ordentlichen Schluck aus der Pulle genommen, aber es gibt keine ernsthaften Indizien, dass es sich um eine Blase handelt. Besonders in den Großstädten sowie Universitätsstädten gehen wir weiter von steigenden Preisen aus“, betont der 42-Jährige. Dabei wählt der Chefstratege gewollt wuchtige Worte, denn er beruft sich auf die Ergebnisse einer Analyse, die die Commerzbank jüngst in Auftrag gegeben hatte. Die Frage lautete: Gibt es erkennbare Merkmale dafür, dass sich eine Blase gebildet hat? „In der Tat sind drei Anzeichen wesentlich“, sagt Schickentanz und zählt auf: „Hauspreise steigen stärker als die Mieten, die Verschuldung der Privathaushalte steigt sehr deutlich an und drittens wurde festgestellt, dass die Neubau-Aktivität förmlich durch die Decke geht.“

Preise und Mieten auf angemessenem Niveau

Schickentanz erkennt zwar in allen drei Punkten leichte Verschiebungen, aber diese seien keinesfalls beunruhigend. In Bezug auf steigende Häuserpreise spricht der Chefstratege davon, dass Deutschland aus einem gut 25-jährigen Dornröschenschlaf erwache und sowohl Preise als auch Mieten auf einem angemessenen Niveau sind. Eine Überschuldung der Haushalte sieht er ebenfalls nicht, sondern betont, dass „Deutschland noch immer das Land der Sparer ist“. Die Neubau-Aktivität liege auf dem Niveau der 1990er-Jahre. Das alles mache offene Immobilienfonds für das Risiko scheuende Anleger zu einer attraktiven Alternative.

 Für einen Ausblick 2018 verwendet Schickentanz eine Fußball-Metapher. „Nach einem richtig guten Jahr 2017 gehen wir nun in die Verlängerung“, sagt er. Damit meint er, dass nach kraftraubenden 90 Minuten zwar weiter gut und erfolgreich gearbeitet werde, die Impulse aber nicht mehr so kräftig ausfallen werden. Neben den offenen Immobilienfonds sieht er besonders die ETFs genannten börsengehandelten Indexfonds sowie marktneutrale Strategien in der Vermögensverwaltung im Kommen. „Alternative Investments waren bisher den Profis vorbehalten, das kann spannend werden“, so Schickentanz, der Anlegern generell zu Fonds rät, die aktiv gemanagt werden.

Bitcoin muss sich erst beweisen

Skeptisch sieht der Chefstratege den Hype um Kryptowährungen, allen voran den Bitcoin. „Ich habe große Zweifel daran, dass der Bitcoin den hohen Erwartungen gerecht wird. Für mich ist er keine echte Währung. Das sieht ja auch der stellvertretende EZB-Präsident so (Vítor Constâncio, Anm. d. Red.), der mit Blick auf die niederländische Spekulationsblase von den Tulpenzwiebeln unserer Zeit sprach. Der Bitcoin muss sich erst in einer Krise beweisen.“

Größere geopolitische Verwerfungen sieht Schickentanz nicht. Trotz Trump, Terror, Nordkorea-Konflikt und den Konfrontationen im Nahen Osten. Die Experten des eloquenten Chefstrategen sagten beispielsweise, dass die aggressive Rhetorik der Nordkoreaner eher unbedenklich sei, da sie einem historischen Muster folge. Jedoch deute sich auch hier eine Verlängerung in 2018 an.

Von Mark Bambey

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