Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Conti peilt Kapitalerhöhung an
Nachrichten Wirtschaft Regional Conti peilt Kapitalerhöhung an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:46 21.07.2009
Von Stefan Winter
Quelle: Nigel Treblin/ddp (Archivbild)
Anzeige

Die Alternative sei, dass beide Konzerne abwarteten und vorerst weiter getrennte Wege gingen.

Angesichts schwieriger Fusionsverhandlungen gilt die kleinere Lösung als wahrscheinlicher. Auch sie hat allerdings einen Haken: Für den Fall des Alleingangs brauche Conti eine Kapitalerhöhung um eine Milliarde Euro, hieß es am Dienstag in Aufsichtsratskreisen. Sie sei bereits Bestandteil von Neumanns Konzept.

Conti äußerte sich dazu nicht. Es ist allerdings kein Geheimnis, dass in absehbarer Zeit zwei größere Kreditpakete fällig werden. Noch in diesem Somemr geht es um 900 Millionen Euro, sie gelten als unproblematisch. Im Sommer 2010 werden aber Kredite über 3,5 Milliarden Euro fällig. Dafür wird frisches Kapital gebraucht, sonst bliebe nur der Notverkauf der profitablen Reifensparte. Doch den hat Neumann gerade indirekt ausgeschlossen: Die heutige Konzernstruktur solle erhalten bleiben, sagte er am Montag.

So sucht der Conti-Chef bereits nach Geldgebern. Neumann hat gerade eine Reihe von Präsentationen bei Anlegern hinter sich, darunter auch mögliche Großinvestoren. Einer bremste am Dienstag allerdings: Entgegen anderen Gerüchten gebe es keine Gespräche mit Conti, erklärte Kuwaits Staatsfonds KIA. Diese Nachricht und die Pläne für eine Kapitalerhöhung drückten den Conti-Aktienkurs nach seinem steilen Anstieg vom Montag am Dienstag wieder deutlich nach unten. Die Aktie schloss mit mehr als 7 Prozent im Minus.

Ein Schaeffler-Sprecher wollte sich zu den Conti-Plänen nicht äußern. „Wir wissen nichts davon“, hieß es lediglich, an Spekulationen wolle man sich nicht beteiligen. Angesichts der Alternativen, die Neumann am 30. Juli vorlegen will, ist allerdings eine schwierige Aufsichtsratssitzung zu erwarten.

Schaeffler könnte sich an einer Kapitalspritze wohl nicht beteiligen, der Großaktionär braucht selbst Geld. Aber auch für die „große Lösung“, den Zusammenschluss, ist die Zeit aus Schaeffler-Sicht noch nicht reif. Jeder der Partner habe noch genug eigene Probleme zu lösen, ein aus der Not geborener Zusammenschluss bringe nichts. Der Sprecher wies allerdings den Verdacht zurück, Schaeffler spiele auf Zeit: „Wir wollen die Zusammenführung so schnell es geht.“ Der Weg dorthin sei aber in Ruhe zu klären.

Neumann dringt dagegen auf Entscheidungen und beklagt die Lähmung durch die unsichere Zukunft. Die Vorstellungen über einen gemeinsamen Konzern gehen offenbar noch weit auseinander. So wurde am Dienstag bekannt, dass Investmentbanken im Schaeffler-Auftrag den Wert des operativen Geschäfts auf 10 Milliarden Euro geschätzt haben. Das wäre für Conti nicht bezahlbar. Der Schaeffler-Sprecher relativierte die Zahl: „Das hat nichts mit dem Wert zu tun, zu dem das Geschäft eingebracht würde.“ Man sei allerdings „befremdet“, dass diese Zahl in die Öffentlichkeit gelangt sei.

Helmuth Klausing 21.07.2009
Stefan Winter 20.07.2009
07.11.2013