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00:22 26.04.2019
Mit einem Modul für die Plasmabehandlung von Oberflächen: Alexander Gredner, Daniel Freier und Christian Haese (von links). Quelle: Michael Caspar
Göttingen

Plasma ist nach fest, flüssig und gasförmig der vierte Aggregatzustand“, erläutert Präzisionsmaschinenbauer Alexander Gredner (36). Er gehört zusammen mit Elektrotechniker Daniel Freier (30) und Präzisionsfertigungstechniker Christian Haese (39) zu den drei geschäftsführenden Gesellschaftern. Die Elektronen, so Gredner, lösten sich im Plasmazustand von den Atomrümpfen, das Gas ionisiere.

Oberflächen von hitzeempfindlichen Materialien

„Das von uns entwickelte System, PlasCade, arbeitet mit sogenanntem kalten Plasma, das Raumtemperatur hat“, führt Freier aus. So könnten sie im Unterschied zu Wettbewerbern auch Oberflächen von hitzeempfindlichen Materialien wie Kunststoffe oder Holz minutenlang behandeln.

„Wir polarisieren die Oberflächen“, erläutert Haese. Diese entwickelten starke Bindekräfte, wodurch Beschichtungen „sehr gut“ hafteten. Sie erzeugten das Plasma zudem direkt auf den zu behandelnden Oberflächen. Barrierenentladung heiße der entsprechende Fachausdruck. Die englische Abkürzung, DBD, sei in ihren Firmennamen eingegangen. Die Konkurrenz puste das Plasma dagegen mit Druckluft auf die Oberflächen, wodurch diese nicht so gleichmäßig verändert würden.

Einsatz miniaturisierter Trafos

„Durch die Kombination mehrerer PlasCade-Module können wir beliebig große Oberflächen, vom DIN-A4-Blatt bis zum Flügel einer Windkraftanlage, behandeln“, führt Freier aus. Anders als der Wettbewerb setzten sie zudem miniaturisierte Trafos ein, die die notwendige Hochspannung bereitstellten. Faust- statt koffergroß seien sie und kämen mit 24 Volt aus.

„Je nach Oberfläche und aufzubringendem Stoff benötigt der Kunde ein spezielles Plasma“, führt Gredner aus. Bei der Erzeugung helfe ihnen ihre jahrelange Arbeit in zahlreichen Forschungsprojekten am Göttinger Labor für Plasmatechnik. In der Regel sei Luft der Ausgangsstoff. In Einzelfällen setzten sie aber auch andere Gase wie Argon, Stick- oder Wasserstoff ein.

Bedrucken von Glas und Metall

„Durch die Plasmatechnik, die seit einigen Jahren Einzug in die Oberflächenbehandlung hält, tun sich ganz neue Möglichkeiten auf“, berichtet Freier. So lasse sich zum Beispiel Glas oder Metall bedrucken. Druckfarben auf Holz würden nicht mehr verschwimmen. Derzeit kämen ihre Kunden überwiegend aus der Druck- und Verpackungsindustrie. Die Querschnittstechnologie lasse sich aber überall dort einsetzen, wo geklebt, geleimt, gedruckt oder lackiert werde. Auch Silikon hafte besser.

Firmensitz im GöTec auf dem Zietenterrassen

„In diesem Jahr planen wir die Auslieferung von sechs Anlagen“, kündigt Gredner an. Um den notwendigen Platz für die Entwicklung und Endmontage zu schaffen, bezögen sie derzeit fünf weitere Räume im GöTec an der Hannah-Voigt-Straße 1 auf den Zietenterrassen. Dort nutzten sie und ihre derzeit neun Mitarbeiter bereits vier Räume.

Aufbau einer eigenen Produktion

„Noch übernehmen Zulieferer einen großen Teil der Produktion“, berichtet Haese. In den kommenden zwei, drei Jahren wollten sie jedoch eine eigene Produktion aufbauen. Die Stückzahlen würden nämlich bald sprunghaft ansteigen. Einige ihrer Kunden planten, PlasCade-Module in eigene Produkte zu integrieren. In diesem Jahr liefen entsprechende Tests.

Gegründet haben die drei Absolventen der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) ihre Firma im Februar 2017. Zwei Jahre habe die PlasCade-Entwicklung gedauert. Bei der Gründung unterstütze sie Jürgen Haese, der ehemalige Inhaber und Geschäftsführer der Göttinger Firma Kappa Opto-Electronics GmbH.

Von Michael Caspar

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