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Regional Frauen verdienen deutlich weniger
Nachrichten Wirtschaft Regional Frauen verdienen deutlich weniger
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16:28 20.12.2018
Frauen kämpfen für gleiche Bezahlung: Aktion zum „Equal Pay Day“ in Berlin (Archivbild). Quelle: Foto: Dpa
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Northeim

Frauen verdienen ein Fünftel weniger als Männer. Darüber ist am Mittwoch bei einer Veranstaltung der Christdemokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) in Northeim diskutiert worden.

„Da, wo es Tarifverträge gibt, wird in der Regel auch für gleiche Arbeit das Gleiche gezahlt“, betonte Erdmuthe Bach-Reinert von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) vor 30 Zuhörern. Die Unterschiede würden aber bereits da beginnen, wo es einen Ermessensspielraum gebe. Das sei zum Beispiel bei den tariflich nicht festlegten Zuschlägen etwa zur Personalgewinnung der Fall.

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Auch da, wo die Entlohnung frei aufgehandelt werde, würden Frauen oft schlechter gestellt, berichtete Bach-Reinert, die dem Personalrat der Universitätsmedizin Göttingen vorsitzt. Frauen falle es offenbar schwerer als Männern, ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten.

Schlechtere Bezahlung in „Frauenberufen“

„Klar ist, dass für gleichwertige Arbeit nicht das Gleiche gezahlt wird“, betonte die Gewerkschafterin. Tätigkeiten in traditionellen Frauenberufen – etwa in der Pflege, der Erziehung oder im Handel – würden schlechter bezahlt als Männertätigkeiten etwa in der Industrie. Sie verstehe nicht, warum eine medizinische Fachangestellte nach dreijähriger Ausbildung in die Entgeltgruppe 5 komme, ein Handwerker nach einer ebenso langen Ausbildung aber in die Entgeltgruppe 7. Eine solche Ungleichheit, so Bach-Reinert, lasse sich auch in ein- und derselben Branche beobachten. So bekomme die Reinigungskraft, die in jede Ecke kriechen müsse, weniger als ihr Kollege, der auf einem Reinigungsfahrzeug die Flure auf und ab fahre. Das sei in Tarifverhandlungen zu thematisieren, riet die zweite Referentin auf dem Podium, Kirsten Weber, die Geschäftsführerin des Arbeitgeberverbands Mitte.

Von den Anstrengungen der Arbeitgeber, Schülerinnen für die gut bezahlten Berufe im Bereich der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) zu begeistern, sprach Weber. So unterstütze ihr Verband unter anderem die Ideen-Expo, bei der ganze Klassen und nicht nur technikbegeisterte Jungen angesprochen werden. Väter würden aufgefordert, ihre Töchter beim „Girls Day“ mit zur Arbeit zu nehmen.

Kindererziehung und Pflege als Gründe

Ein wichtiger Grund, warum Frauen unterm Strich weniger verdienten als Männer, sei ihr Einsatz in der Kindererziehung und bei der Pflege von Angehörigen. In diesem Punkt waren sich die Referentinnen einig. Wer ein oder gar mehrere Jahre aussetze, verliere den Anschluss, betonte Bach-Reinert. Sie wäre in ihrem Beruf mit Kindern nicht so weit gekommen, bekannte Weber.

Viele Frauen arbeiteten wegen der Kinder in Teilzeit, sagte die Gewerkschafterin. Auch das sei ein Karrierehindernis. Der CDA-Vorsitzender Helmar Breuker berichtete von einem Arbeitsmodell bei Mercedes-Benz. Dort würden Führungsposititionen mit zwei Mitarbeitern besetzt, die in Teilzeit tätig seien. Diese könnten als Tandem gemeinsam aufsteigen.

Publikum gegen „Verwahrung“ der Kinder

Einig waren sich die Referentinnen darin, dass die Kinderbetreuung zu verbessern sei. Der Betriebskindergarten der Universitätsmedizin sei von 6 bis 18 Uhr geöffnet, sagte Bach-Reinert. Der Personalrat würde die Betreuungszeiten gern bis 20 Uhr und auf das Wochenende ausdehnen. Im Publikum regte sich Widerspruch gegen eine „Verwahrung“ der Kinder. Die Personalrätin hielt dagegen: Kindertagesstätten hätten auch einen Bildungsauftrag. Der Northeimer CDU-Bundestagsabgeordnete Roy Kühne betonte, dass viele Familien auf zwei Gehälter angewiesen seien.

Von Michael Caspar