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Regional Dem „Geheimnis des Gelingens“ auf der Spur
Nachrichten Wirtschaft Regional Dem „Geheimnis des Gelingens“ auf der Spur
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19:52 13.01.2011
Will die Entdeckerfreude der Menschen wieder wecken: Prof. Gerald Hüther spricht vor 500 IHK-Gästen in der Stadthalle.
Will die Entdeckerfreude der Menschen wieder wecken: Prof. Gerald Hüther spricht vor 500 IHK-Gästen in der Stadthalle. Quelle: Pförtner
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„Unser Land ist gestärkt aus der Krise gekommen“, zog zum neuen Jahr Dr. Hannes Rehm, Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover, Bilanz. Schon früher als fast alle Konjunkturforscher hätte die IHK-Hannover die positive Entwicklung prognostiziert. Durch die Flexibilisierung im Arbeitseinsatz und in der Entlohnung habe sich die Wirtschaft stabilisieren können. Die langfristige Herausforderung sei nun der demographische Wandel.

„Nach Analysen der OECD wird kein anderer Arbeitsmarkt eines Industrielandes so stark von Nachwuchsmangel betroffen sein wie der deutsche“, so Rehm. Projekte wie das „Haus der kleinen Forscher“ und die Ideenexpo im Herbst 2011 für Jugendliche seien wichtige Bausteine auf dem Weg, den gewonnenen Vorsprung zu halten und weiter auszubauen. Auch der doppelte Abiturjahrgang biete den Unternehmen „die einmalige Chance, in größerer Zahl qualifizierten Nachwuchs zu gewinnen.“ Was Rehm im Großen schilderte, brach IHK-Vizepräsident Joachim Tonollo auf die Region herunter. In Göttingen seien die finanziellen Auswirkungen der Krise noch deutlich am Haushaltssicherungskonzept der Stadt abzulesen. „Ein strammer Sparkurs ist dringend erforderlich“, forderte Tonolle für die Stadt, um gleich an den Oberbürgermeister zu appellieren, sich schnell von der geplanten Beherbergungssteuer zu verabschieden.

Tonollo sprach sich für eine Komplettrenovierung der Innenstadt unter Einbeziehung der Weender Straße aus. Er berichtete von viel positivem Engagement in der Region. Exemplarisch benannte er die geplante Therapie-Einrichtung für behinderte, benachteiligte und traumatisierte Kinder, die die Peter-Maffay-Stiftung mit der Otto-Bock-Stiftung verwirklichen will.

Im Kampf gegen den Fachkräftemangel habe die südniedersächsische Wirtschaft im vergangenen Jahr, zum Beispiel mit Steigerungen bei den abgeschlossenen Ausbildungsverhältnissen von knapp 6,5 Prozent in den Landkreisen Göttingen und Northeim, deutlich zugelegt.

Wie Rehm lobte Tonollo das Neustädter Modell zur Verbindung von Theorie und fachpraktischem Unterricht, das im vergangenen Jahr auch in Göttinger Schulen übernommen wurde. An BBS I in Zusammenarbeit mit der BBS II sei außerdem ein Ausbildungszentrum für Logistik und logistiknahe Berufe in Entstehung.

Für eine andere Form der Motivierung von Menschen und damit einen generellen Richtungswechsel in der Wirtschaft plädierte Festredner Prof. Gerald Hüther. „Es gilt: das Gehirn ist veränderbar“, startete der Hirnforscher und Leiter der Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Psychiatrischen Klinik der Universität Göttingen ins Thema. Zeitlebens seien noch neue Verschaltungen möglich.

Allerdings könne man das Gehirn nicht wie einen Muskel trainieren. Nur das, wofür man es mit Begeisterung benutze, werde für seine Entwicklung bedeutsam. Nur dann „geht die Gießkanne mit Dünger an“.

Mindestens 50 Mal am Tag passiere das bei einem dreijährigen Kind. Schon in der Schule verliere sich die Begeisterung. Wenn die Kinder weinten, weil Ferien seien, und die Mitarbeiter in den Betrieben sich schon am Sonntagabend auf den Montag freuten, seien die Menschen auf dem richtigen Weg. Es gelte, die Entdeckerfreude in den Menschen zu wecken, ihnen ihre Ur-Erfahrung wieder zu bringen, dass sie gleichzeitig frei und verbunden sein können.

„Das ist das, was ich mir für Südniedersachsen wünsche: Das Geheimnis des Gelingens zu ergründen“, schloss Hüther.

Beispiele des Gelingens werden in dieser öffentlichen Veranstaltungsreihe des Interdisziplinären Zentrums für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Georg-August-Universität Göttingen vorgestellt (Tageblatt berichtete).

Von Ute Lawrenz